Folge 62: Es

Hier wird über die aktuelle Folge diskutiert. Und über alle anderen natürlich auch.
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falko
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Folge 62: Es

Beitrag von falko » Mo 11. Jan 2021, 19:53

Wie könnten wir das Jahr anders beginnen als mit unserem alten Kumpel Steve. Monate müssen wir noch warten, bis es von ihm Nachschub gibt (zwei, genauer gesagt), also verkürzen wir uns die Wartezeit und besuchen sein vielleicht bekanntestes Werk über einen gewissen Horrorclown, der im Kino gerade erst einer ganz neuen Generation bekannt gemacht wurde.

Und keine Angst: direkt zum Einstieg klären wir endgültig, ob man es nun Ess oder Ees auszusprechen hat.

Viel Spaß mit der neuen Folge!

Folge 62: Es
"I must say I find television very educational. The minute somebody turns it on, I go to the library and read a good book." - Groucho Marx

Heretic
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Re: Folge 62: Es

Beitrag von Heretic » Mi 13. Jan 2021, 13:32

Schöne Folge! Ich hab' den Roman mittlerweile über die Jahre mehrfach gelesen und kenne die Geschichte daher ziemlich gut - aber nur die gekürzte Version von Heyne (860 Seiten). Und obwohl ich die Geschichte hervorragend finde, empfinde ich selbst diese Version stellenweise als etwas schwafelig. Deswegen schrecke ich etwas vor der fast doppelt so langen ungekürzten Version zurück. Fügt die denn neue, interessante Handlungsstränge hinzu, die man als Fan der Story unbedingt gelesen haben müsste? Oder wird nur die bekannte Story bis ins kleinste Detail ausgeschmückt (um nicht "aufgeblasen" zu schreiben ;))?

Die TV-Serie aus den Neunzigern habe ich erst vor kurzem mal wieder gesehen, und sie ist erschreckend schlecht gealtert. Sie enthält aber auch nach wie vor einige wirklich intensive Momente und die sympathischeren Kinderdarsteller. Außer Emily Perkins und Seth Green scheinen die aber alle in der Versenkung verschwunden zu sein. Schade eigentlich. Insbesondere Emily Perkins fand ich auch später großartig als finster dreinblickende Außenseiterin in den ersten beiden "Ginger Snaps"-Filmen. Keine Ähnlichkeit mehr mit Klein-Beverly. :mrgreen:

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Oliver Naujoks
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Re: Folge 62: Es

Beitrag von Oliver Naujoks » Mi 13. Jan 2021, 13:58

Die Folge habe ich auch mit großem Interesse gehört, die Überlänge ist angesichts des fetten Wälzers und der Bedeutung, die das Buch wohl für Euch beide hat, voll angemessen.

Am Anfang bekam ich allerdings ein Grinsen nicht aus dem Gesicht, Eure Begründungen für die Aussprache des Romans mit EEES waren schon mehr als abenteuerlich. Vong 1 Überzeugungsgrad her, Perry Mason does not approve. Vor allem Jochens Erklärung, dass er sich sonst zu sehr an den Hessischen Imperativ(tm) "Ess, mein Junge!" (Millionen Deutschlehrer schrien in panischer Angst auf und verstummten plötzlich) erinnert fühlte, war toll, aber auch dass man das englische "It!!!!!" eher wie "Eeees" auf Deutsch sprechen würde, war super. Ihr könnt es ja aussprechen, wie ihr möchtet, aber BITTE nicht nochmal begründen, sowas, das halte ich nicht nochmal aus. :D :lol: :P

Ihr habt jetzt tatsächlich meine Lust geweckt, diesen Riesen-Wälzer, den ich seit den 1980ern nicht mehr gelesen habe, mir mal wieder vorzunehmen. Deshalb kann ich zu Euren Ausführungen zu dem Buch nur wenig sagen.

Schließen möchte ich deshalb heute mit einer Beobachtung: Besieht man sich die alte Mini-Serie heute, ist es frappierend und verblüffend, wie weit wir in TV-Serien gekommen sind. Heute darf man in einer TV-Serie ja quasi "alles", in der alten "It"-Miniserie merkt man noch überdeutlich, wie vorsichtig man damals sein musste um nicht an der senderinternen Zensurabteilung bei einem der großen Networks (da lief die Verfilmung ja) anzuecken. Daran merkt man, finde ich, das Alter der Miniserie am meisten, noch mehr als an dem heute noch mikriger wirkenden Budget, was Ihr ja auch erwähnt habt.
Und auch verblüffend, das wäre in den 90ern unvorstellbar gewesen, wird heute aber vom Publikum problemlos goutiert: Die Kinoverfilmung ist sogar deutlich _länger_ als die Miniserie. Sowohl ein Zweiteiler, als auch einer, bei dem beide Teile auch noch (teilweise deutliche) Überlänge haben, hätte wohl in den 90ern niemals bei einem "Horror-Stoff" grünes Licht bekommen.


Ich kann mir vorstellen, dass das Nochmal-Lesen des Romans und die Sichtung beider Verfilmungen sehr viel Arbeit war. Noch ambitionierter wäre jetzt die gleiche Behandlung für "The Stand". Noch mehr Seiten, noch mehr Sendeminuten.. :? :shock: Aber lohnend!
Liest: "Mortality", Nicholas Royle // "Best Horror of the Year #12", Ellen Datlow (ed.) // Monster #5, Urasawa N.
Spielt: WRC 9, NHL 21, NBA2k21, Cyberpunk 2077, Visage, Phasmophobia, Cloudpunk, Ghostrunner

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falko
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Re: Folge 62: Es

Beitrag von falko » Mi 13. Jan 2021, 17:24

Oliver Naujoks hat geschrieben:
Mi 13. Jan 2021, 13:58
Vor allem Jochens Erklärung, dass er sich sonst zu sehr an den Hessischen Imperativ(tm) "Ess, mein Junge!"
Moooment!

Das war MEINE Erinnerung, nicht Jochens! Nimm mir die nicht weg! Meine Omma wird sauer!
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ABMGW
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Re: Folge 62: Es

Beitrag von ABMGW » Do 14. Jan 2021, 10:26

Buchtipp: "Sommer der Nacht" von Dam Simmons. Das ist im Prinzip das gleiche Buch, nur besser geschrieben.

Insanity
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Re: Folge 62: Es

Beitrag von Insanity » Do 14. Jan 2021, 18:01

Ach, was für eine schöne Folge. Ich bin richtiggehend in Erinnerungen geschwelgt. Die nostalgische Erzählnote, die die Kinderhandlung begleitet, hat sich damals direkt in mein Herz eingebrannt. Es ist bestimmt 15 Jahre her, dass ich den Roman zum bislang einzigen Mal gelesen habe und es freut mich zu hören, dass er anscheinend sehr gut wiedergelesen werden kann und nichts dabei verliert, sondern eher noch gewinnt. Ich werde mich da auf jeden Fall demnächst mal wieder ransetzen... :)

Zum Thema Sex unter Kindern:
Ich weiß noch, dass mich die Szene damals nicht gestört hatte. Es war kurz etwas befremdlich, aber ich erinnere mich daran, dass ich das wirklich symbolisch als der Schritt zum Erwachsenwerden verstanden hatte. Und als buchstäbliche Verkörperung der Liebe untereinander, auch wenn es bis dato „nur“ Freunde waren. Jeder, der das hier jetzt liest, ohne den Roman zu kennen, wird sich wahrscheinlich an den Kopf fassen, aber ich weiß noch, dass das im Rahmen der Geschichte funktioniert hat und irgendwie Sinn ergab. Ein riesen Dankeschön an Falko für den Hinweis mit der englischen Variante „to do IT“, das ist echt spannend in dem Kontext.

Ein großartiges Buch, herrlich. :)
Zuletzt geändert von Insanity am Sa 16. Jan 2021, 09:36, insgesamt 2-mal geändert.

Shenmi
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Re: Folge 62: Es

Beitrag von Shenmi » Sa 16. Jan 2021, 09:28

Ich finde, es war die beste Folge, die ihr je gemacht habt und mir hat auch die Länge sehr gefallen.
"Es" war damals auch eines meiner ersten Erwachsenenbücher, welches ich später nochmal gelesen habe. Durch die Folge animiert, wollte ich es eigentlich noch mal angehen, musste aber feststellen, dass ich es gar nicht mehr besitze. Auch nicht als EBook, was ich gestern gleich geändert habe.
Das ist immer noch ziemlich teuer, jedenfalls für sein Alter, was sicherlich auch schon zeigt, wie gut es sich immer noch verkauft.

Zur Sex Szene:
Ich selbst habe diese Szene auf eine Art als großes Akt der Emanzipation gesehen und auch weiblicher Schöpfungskraft, die King ja auch in anderen Büchern gern mal thematisiert. Für einen Mann finde ich das ziemlich beachtlich und meinem Eindruck nach, ist er sowieso ein großer Fan bzw. Freund der Weiblichkeit und ihrer (westlichen) Mystik. Mir hat das immer gut gefallen, so auch hier.
Dabei musste ich an wissenschaftliche Erkenntnisse denken, dass Mädchen in diesem Alter schon weiter entwickelt sind als die Jungs.
Also ist es doch nur folgerichtig, dass Beverly die Sache überblickt und schließlich in die Hand nimmt. Dabei ist sie sich ihrer Kraft, Wirkung und Sinnlichkeit bewusst oder wird es in diesem Moment. Das finde ich ziemlich toll.
Natürlich kann man alles immer ins Negative ziehen und ich habe da so eine Theorie. Nämlich das Menschen, die in solchen Bahnen denken, eventuell in den Ecken suchen, in denen sie selbst stehen. Wissentlich oder unwissentlich, dass sei mal dahingestellt.
Dies ist beim Rassethema dasselbe, wo ich mir manchmal dasselbe denke. Die sehen überall Rassen und reden ständig darüber, genau dies abzuschaffen. Ich bin schon einigen solchen Exemplaren begegnet, die mir genauso viel Angst machen, wie die rechten Hohlköpfe und wo ich dann immer hoffe, niemals zwischen die Fronten zu geraten, wenn das mal losgeht.
King ein problematisches Weltbild zu unterstellen, halte ich jedenfalls für unsinnig. Er müsste es ja nicht thematisieren, was für ihn viel einfacher wäre. Gerade zu dieser Zeit, als das Buch entstanden ist.
Und ob er sich wirklich Freunde damit gemacht hat, gerade bei den ultrarechten Kreisen, dass darf stark bezweifelt werden.
Zuletzt geändert von Shenmi am Sa 16. Jan 2021, 09:33, insgesamt 3-mal geändert.

Shenmi
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Re: Folge 62: Es

Beitrag von Shenmi » Sa 16. Jan 2021, 09:31

Oliver Naujoks hat geschrieben:
Mi 13. Jan 2021, 13:58


Am Anfang bekam ich allerdings ein Grinsen nicht aus dem Gesicht, Eure Begründungen für die Aussprache des Romans mit EEES waren schon mehr als abenteuerlich.
Das fand ich aber auch und ich habe dann im Kopf Sätze wie "EEEES geht mir heute nicht gut" gebildet und keinen einzigen Fall gefunden, in dem diese Aussprache irgendwie Sinn ergeben würde. Als Marotte ist es doch aber ganz nett und ich denke, wir müssen Jochen entschuldigen.
In dieser Hinsicht wurde er ja schon als Schüler verdorben. :lol:
Trotzdem fand ich die Unterhaltung sehr nett und hatte viel Spaß damit.

Ironic Maiden
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Re: Folge 62: Es

Beitrag von Ironic Maiden » Sa 16. Jan 2021, 09:38

Danke für die Folge!

Ich gehe bei Jochens Interpretation, dass Beverlys Schwäche ist, dass sie ein Mädchen ist und das analog zu schwarz oder jüdisch sein betrachtet wird, nicht ganz mit. Beverlys Problem ist nicht, dass sie weiblich ist, sondern dass sie nicht der Norm entspricht, wie ein Mädchen zu sein hat. Die anderen Mädchen, die im Roman erwähnt werden, haben kein Problem damit sondern sind sogar diejenigen, die Beverly am stärksten tyrannisieren. Sie ist nicht in der Lage, die zuckersüße Performance abzuliefern, die von Mädchen erwartet wird. (Das ist ja in diesen Jugendgruppe in den 80ern-Romanen und Filmen meist so, dass man innerhalb der Gruppe "das Mädchen" hat, die aber "nicht so ist wie die anderen Mädchen" und damit dabei sein darf. Das Schlumpfine-Prinzip halt. :roll: ) Stan und Mike als Jude bzw. POC werden pauschal wegen dieser Aspekte abgelegt. Mike könnte z.B. nicht versuchen, dem Ideal eines Afro-Amerikaners zu entsprechen und wäre dann akzeptierter, bei Beverly gibt es zumindest diese Option. (Und im späteren Leben "gelingt" es ihr ja auch, sich mehr wie eine idealtypische Frau zu verhalten.)
Insanity hat geschrieben:
Do 14. Jan 2021, 18:01
Zum Thema Sex unter Kindern:
Ich weiß noch, dass mich die Szene damals nicht gestört hatte. Es war kurz etwas befremdlich, aber ich erinnere mich daran, dass ich das wirklich symbolisch als der Schritt zum Erwachsenwerden verstanden hatte. Und als buchstäbliche Verkörperung der Liebe untereinander, auch wenn es bis dato „nur“ Freunde waren. Jeder, der das hier jetzt liest, ohne den Roman zu kennen, wird sich wahrscheinlich an den Kopf fassen, aber ich weiß noch, dass das im Rahmen der Geschichte funktioniert hat und irgendwie Sinn ergab.
Mir ist diese Szene beim ersten Lesen auch nicht besonders aufgefallen. Alle Beteiligten sind gleichaltrig und einverstanden und damit sehe ich dabei auch kein größeres Problem. Ob man das jetzt als Erwachsener unbedingt lesen will/sollte ist natürlich was anderes, aber wir sind da ja weit von einer pornographischen Darstellung entfernt.
Ich finde die Szene, bzw. das Konzept dahinter, sehr schön und interessant, weil Sex dort mal als etwas Positives, das Menschen verbindet dargestellt wird. Horror ist ja teilweise ein etwas puritanisches Genre, in dem Sex oft als zerstörerisch oder gefährlich beschrieben wird, insbesondere wenn es sich um promiskuitive Beziehungen außerhalb einer heterosexuellen festen Partnerschaft handelt. Da ist diese Darstellung doch mal erfrischend anders.

Insanity
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Re: Folge 62: Es

Beitrag von Insanity » Sa 16. Jan 2021, 09:46

In meinem Kopf heißt es auch EEEEs. :)
Das klingt irgendwie mehr nach einer Entität, wenn man's gedehnt spricht. Da kommt nicht irgendein Etwas, sondern ein Monster, die Verkörperung des Bösen, das personifizierte Grauen. „Essss kommt!“ klingt nicht nach etwas Greifbaren. „EEEEs kommt!“ klingt jedoch direkt nach einer „Person“, nach einem Namen. Das macht die Figur greifbarer. :D

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