Folge 72: Über Menschen

Hier wird über die aktuelle Folge diskutiert. Und über alle anderen natürlich auch.
DerAlteMann
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Re: Folge 72: Über Menschen

Beitrag von DerAlteMann » Fr 20. Aug 2021, 15:34

Eine gute Folge, bei der ich beide Positionen gut verstehe! ... und doch hat Jochen in meinen Augen besser argumentiert. Vielleicht müssen wir als Gesellschaft erst noch / wieder besser lernen, eindeutig zu benennen, was falsch ist und was nicht. Faschismus ist falsch. Aber die Menschen dahinter können auch gute Seiten haben. Wenn ich gewisse Züge eines Menschen mag, heißt das nicht, dass ich Faschismus akzeptiere oder sogar gutheiße. Das sollte man natürlich klar benennen.

Giskard
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Re: Folge 72: Über Menschen

Beitrag von Giskard » Mo 6. Sep 2021, 12:58

Hallo und danke für die Diskussion in der Folge.

Es hat nichts mit dem Buch zu tun. Aber aus irgendeinem Grund lässt mich Jochens Meinung zu dem Verbot der Plastiktüten nicht los.

Wenn ich so durch die "Natur" in der Nähe größerer Siedlungen gehe und Plastikmüll sehe, besteht dieser, meiner Beobachtung nach, auch heute noch zu einem erheblichen Teil aus Plastiktüten.
Ähnlichen Anteil haben PET-Flaschen und Tetrapack Verpackungen.

Für mich ist nicht verständlich, wie Jutebeutel, selbst wenn sie von einem gewissen Prozentsatz der Konsumente so oft wie Plastiktüten gekauft werden, einen ähnlichen Effekt auf die Umwelt haben können.

Davon abgesehen gibt es meines Wissens nach beim genannten REWE für 10 Cent Papiertüten, die die Plastiktüten ohne weiteres ersetzen können.

Dam Konsumenten entsteht dadurch aus meiner Position kein ersichtlicher Nachteil.
Warum also diese gute und wirklich nützliche Verordnung so kritisieren?

Dass es im Kampf gegen den Klimawandel umfangreichere Gesetzte/Verordnungen an wichtigeren Baustellen zu beschließen gibt steht für mich außer Frage. Aber darum müssen die kleinen Schritte ja nicht so ab gewatscht werden.

Um jetzt doch noch kurz auf die Diskussion über das Buch zu kommen, ich kann Falkos Meinung da schon sehr gut nachvollziehen, wenn dieses "ich mache mit, aber ich finde es nicht gut" als Kritik an der Richtung generell gelesenen werden kann. (Auch, wenn nachher gesagt wir, ich bin auf eurer Seite)
Warum müssen solche Themen im Rahmen einer Liebesgeschichte so, scheinbar, Inhaltslos kritisiert werden?
Warum kann nicht auch über das Thema rechtsradikale Nachbarn oder Klimawandel mit Inhalt geschrieben werden.

Wenn ich von Maßnahmen müde bin, dann stehe ich nicht dahinter und kann sie nicht richtig mittragen.
Dann müsste man doch sachlich über andere Maßnahmen reden und nicht gleich mit dem Nazi von nebenan in die Kiste springen, weil es sich halt grade im Leben so ergibt?!


Ich persönlich hoffe, dass die Gesellschaft als Ganzes zu mehr Veränderung bereit sein wird.
Denn die wird nötig sein, auch wenn sich die Regulierungen mehr auf die "großen Übeltäter" in der Industrie fokussieren.


Sorry, dass musste ich los werden. Ansonsten, macht weiter so und in Zukunft gerne immer wieder kontroverse Meinungen :)

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Oliver Naujoks
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Re: Folge 72: Über Menschen

Beitrag von Oliver Naujoks » Do 28. Okt 2021, 09:35

Damit Ihr mal seht, wie Eure Podcasts rezipiert werden: Diesen Podcast hatte ich erstmal übersprungen und hinten rüber fallen lassen, weil ich mich zwar gerne mal von Euch mitnehmen lasse und dadurch auch schon tolle Entdeckungen gemacht habe, an dem Buch zu dem Moment aber gar kein Interesse hatte.
Nun las ich heute Morgen, dass dieses Buch der Bestseller des Jahres(tm) 2021 sei und erinnerte mich: Moment mal, da gab es doch bei Kapitel Eins einen Podcast mal zu. Also Spaten geholt, Archiv umgegraben, diesen Podcast exhumiert und heute mal gehört.

Es gibt Podcasts, die ich aufgrund des Buches von Euch schon lieber gehört habe, aber von der Diskussion her dürfte das vielleicht Eure Sternstunde bisher gewesen sein. Auch und gerade weil Ihr bewusst oder unbewusst mit Euren verschiedenen Positionen brennglasartig gut die Debatte um dieses Buch allgemein in den Gazetten (was ich mitbekommen habe) abgebildet habt, vom euphorischen Zuspruch (wie bei Jochen) bis zur Ablehnung (wie bei Falko) aus gewissen Gründen. Ich muss also nicht jedes Tag den Perlentaucher lesen und 347zwölfzig Zeitungen abonnieren und daraus die Föhjetons extrahieren, ich kann auch einfach Kapitel Eins hören und gut ist. ;)

Spannende Debatte. Am spannendsten daran war, wie ehrlich Falko mit seiner "Hilflosigkeit" umgeht, dass er einfach nicht aus seiner Haut ("Robert-Haut"?) kann. Und das, obwohl er es offensichtlich merkt und von Jochen auch mehrfach sehr deutlich gespiegelt bekommt und sich trotzdem nicht davon distanzieren kann, dass er diesmal das Buch nicht nach literarischen Kriterien beurteilen möchte, sondern eher nach moralischen und politischen Gesichtspunkten. Was eine vollkommen legitime Lesart ist, auch wenn es mir nicht gefällt, wenn man mit "das kann man doch eine (fiktive) Figur so nicht sagen lassen" argumentiert, denn dann gerät man ernsthaft in extreme und ganz furchtbare Schwierigkeiten, wenn z.B. in einer Space Opera ein ganzes Alien-Volk umgebracht wird - das, Massenmord, macht man nämlich auch nicht! Und vor allem sollte man die Qualitätsbeurteilung eines Romans nicht davon abhängig machen, dass da Figuren Dinge sagen, die einem persönlich nicht passen, das ist per se kein Qualitäts-Argument - finde ich, insbesondere, wenn diese Figuren möglicherweise ja NICHT das Sprachrohr der Autorin sind, sondern nur eine Diskussionsgrundlage bieten sollen. Falko versucht das zwar zu versachlichen und literarische Argumente ("plumpe Herangehensweise" "Klischees" etc.) dafür zu finden, ich unterstelle ihm aber, dass William Shakespeare persönlich das hätte schreiben können, Falko hätte es aufgrund der ihm nicht passenden Aspekte immer noch abgelehnt und das dann als "plump" und "klischeehaft" bezeichnet. ;)
Entlarvend ist und witzig war, dass Falko an einer Stelle sagt, dass die Provokation bei ihm nicht ankomme - obwohl sie natürlich präzise das ganz genau tut (file under BULLSEYE!), was Jochen ihm dann auch süffisant als Lotion einreibt. :mrgreen: Ich bin Euch, Falko & Jochen, sehr dankbar für diese Debatte, das war hochgradig anregend zu hören, ein wirklicher Gewinn und Genuss für mich. Chapeau.

Möchte ich das Buch jetzt lesen? Nein. Das liegt aber an mir. Ich brauche literarisch erstmal etwas Corona-Distanz und im Moment einen Roman dermaßen am Puls der Zeit von Lockdowns & co. nicht. Danke, reicht. Dafür habe ich die letzten Jahre zu viel Nachrichten 'verfolgen müssen', auch wenn es mich schon neugierig macht, wie man es schafft, einen Liebesroman um einen Neonazi-Nachbar zu schreiben, ohne das völlig gegen die Wand zu fahren.

Ihr spekuliert ja am Ende darüber, wie gut oder schlecht der Roman dann altern wird. Vielleicht möchte ich das ja dann in zehn Jahren mal rausfinden.
Liest: "Tales of the Shadowmen 1", J.-M. Lofficier (ed.) // "Carnacki, the Ghost Finder", William Hope Hodgson
Spielt: NHL 22, Out of the Park Baseball 23, Vampire: The Masquerade - Swansong, Syberia: The World Before,

tepete
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Re: Folge 72: Über Menschen

Beitrag von tepete » Fr 24. Jun 2022, 17:38

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falko
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Re: Folge 72: Über Menschen

Beitrag von falko » Sa 25. Jun 2022, 07:55

Du wirfst jetzt ziemlich viele Sachen durcheinander, in denen ich mich nur teilweise wiederfinde.

Niemand sollte ein Elektroauto kaufen, UM das Klima zu schützen. Wenn ich das so gesagt habe, war es unpräzise, aber vielleicht interpretierst du es auch nur so. ÖPNV bringt tausend Mal mehr. Aber das ganze Argument um Kobalt und dass E-Autos ja unterm Strich auch CO2 generieren (durch Herstellung, Transportall alleine) halte ich für ein Scheinargument, das die Verbrenner zementieren soll, und das ärgert mich, so wie auch dieser jämmerliche Tankrabatt und die Pseudo-Diskussion um E-Fuels.

Insgesamt unterstellst du, jemand fordere die SOFORTIGE Veränderung. Also ... ich nicht. Mir würde ein guter Fahrplan reichen, nachdem 2 Jahrzehnte lang kaum passiert ist ung gerade gestern wieder eine Dorothee Bär bei Twitter den Gaspreis den Grünen in die Schuhe geschoben hat. Siehe auch dieser Tweet von Christian Stöcker, wie die Politik aktiv eine Veränderung untergraben hat. Falls du sie nicht kennst, empfehle ich auch sehr unsere Folge mit Christian Stöcker, dann muss ich mir hier nicht die Finger wund schreiben.
tepete hat geschrieben:
Fr 24. Jun 2022, 17:38
Nur, wenn jemand eben am besten gleich sofort das Öl verbannen will, dann muss diese Personengruppe eben bei sich selbst anfangen. Und das tun diese Menschen eben nie.
Werim EInklang mit der Natur leben will, kann das gerne tun, dann wars das aber mit Handy, fliesendwasser und kühlem Bier.
Da fühle ich mich jetzt zwangsweise persönlich angesprochen, weil ich gerade gestern zu einem horrenden Preis ein paar tausend Liter Heizöl bestellt habe. Wie kann ich nur! Ja nu, die energetische Sanierung des 70er-Jahre-Hauses ist geplant, aber die Durchführung ist schwierig. Erstens weil dir niemand die perfekte Lösung bieten kann, was Dämmung und Heizsystem angeht, zweitens weil im Moment weder Handkwerker noch Material verfügbar sind. Ist es Doppelmoral, wenn ich sage, dass wir als Gesellschaft dringend von fossilen Energieträgern weg müssen, dass die Politik in der Pflicht ist, einen Plan dafür zu entwickeln, und dass die Firmen damit aufhören müssen, jede kleine Veränderung weg vom Verbrennen mit "ABER DIE ARBEITSPLÄTZE!!!" zu beantworten? Falls du das als Doppelmoral empfindest, fällt mir nur ein:

Bild
"I must say I find television very educational. The minute somebody turns it on, I go to the library and read a good book." - Groucho Marx

tepete
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Re: Folge 72: Über Menschen

Beitrag von tepete » Sa 25. Jun 2022, 09:31

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Peter
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Re: Folge 72: Über Menschen

Beitrag von Peter » Mi 29. Jun 2022, 06:47

tepete hat geschrieben:
Fr 24. Jun 2022, 17:38
Diese Aktivisten haben gegen das Öl demonstriert. Öl ist ja zu dem so eine Sache: DAs Öl steckt einfach überall drin. ÖL ist nur nicht Sprit, Öl ist die gesamte moderne Welt. Ohne Öl, geht es nicht. Sprit ist ein kleiner Teil davon. Kunststoffe werden überall gebraucht. Sei es als Verpackungsmaterial für die Haribos bis hin zu absoluten Hightech Produkten.
Nein, Sprit ist nicht nur ein kleiner Teil davon, Sprit macht sogar sage und schreibe 42% des verbrauchten Öls aus. Allgemein werden 90% des Öls direkt zwecks Energiegewinnung verbrannt. Wenn wir nur das Öl für die übrigen 10% (Kunststoffe etc) fördern würden, würde kein Mensch dagegen demonstrieren, denn es wäre in Bezug auf die CO2-Emissionen ziemlich belanglos.
tepete hat geschrieben:
Sa 25. Jun 2022, 09:31
Und zurück zum eAuto. Die positive Klimabilanz eines solchen Autos ist erst nach rund 150 bis 180.000 Kilometer grün. Klar, in der Stadt stinkt es nicht mehr, die Luft wird besser. Das eAuto ist das Endergebnis, aber alles davor muss doch auch betrachtet werden.
Ich weiß nicht woher du deine Zahlen hast, aber es gibt zahlreiche Studien, die völlig anderes besagen. Wenn man alles berücksichtigt, also auch Rohstoffgewinnung etc, ist ein eAuto heute bereits nach 50.000-100.000km im grünen Bereich. Und das mit dem aktuellen Strommix, in Zukunft wird sich das Verhältnis noch deutlich verbessern. Außerdem werden sich in Zukunft ca. 90% der Rohstoffe aus den Batterien recyclen lassen. Das spielt im Moment natürlich noch keine Rolle, da quasi alle eAutos noch auf der Straße sind, aber mit der Zeit werden dadurch immer weniger Rohstoffe abgebaut werden müssen. Dazu kommen noch Fortschritte in der Fertigung, hier stehen wir schließlich noch immer am Anfang. Mittelfristig werden eAutos deshalb über den kompletten Entstehungs- und Gebrauchszyklus 90% weniger CO2 verursachen als Benziner.

tepete
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Re: Folge 72: Über Menschen

Beitrag von tepete » So 3. Jul 2022, 12:22

@Peter
Das mit den 90% habe ich gerade selbst gefunden. Nur leider basiert der gesamte globale Wirtschaftskreislauf auf dem Verbrennen von Öl.
Und es ist natürlich die Frage, ob kein Mensch demonstrieren würde, wenn nur alle übrigen 10% der Öl Produkte hergestellt werden würden.

Warum dann aber die PLastiktüte verboten wird, im Edeka und co dann aber trotzdem alles was bisher in Plastik verpackt war weiterhin in Plastik verpackt ist, kann bei den 10% dann ja um so weniger ausmachen. Das gute Gefühl ist es aber wert. Dass die Papptüten dann trotzdem mit hohem Energieeinsatz hergestellt werden müssen ist das noch mal ne andere Sache.

Und die 180.000km kommen von einer Studie die eine Organisation aufgestellt hat. Hab leider auf die Schnelle den Namen nicht gefunden. Beim googlen bin ich aber auf Zahlen zwischen 100 und 150.000km gekommen. Zwar weniger als 180tkm aber...es schwankt und es ist wohl auch entscheident wie die Studien angelegt sind. Letzendlich bin ich aber auch Fan der eAutos, genau so aber mag ich die tollen Amikreuzer der 70er. Beides ist toll. Und wenn die Ladeinfrastruktur so wird wie es bei normalne Tankstellen ist, die Akkus binnen Minuten laden, die Akkus 2000km halten, dann spricht überhaupt nichts gegen eAutos. Im Gegenteil.

EIn Rollerhersteller, weiß nicht ob das jetzt NIU oder Kymco ist, haben ein Akkuwechsesystem, da wird der Akku nicht geladen sondenr getauscht. Das wäre natürlich die ultimative Lösung. Du fährst an die Tanke, und dein Akku wird automatisch binnen Sekunden getauscht. Aber da sist natürlich noch pure SciFi.

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