Folge 10: Übersetzungen

Hier wird über die aktuelle Folge diskutiert. Und über alle anderen natürlich auch.
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falko
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Folge 10: Übersetzungen

Beitrag von falko » Di 25. Dez 2018, 07:19

Bescherung! Jochen und Falko reden über literarische Übersetzungen, welche Fallstricke es dabei gibt, und natürlich geht es auch um die Mutter aller Fragen: Kann man davon überhaupt leben?

Viel Spaß mit der neuen Folge!

https://www.buchpodcast.de/2018/12/25/f ... setzungen/
"Getting older is no problem. You just have to live long enough." - Groucho Marx

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falko
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Re: Folge 10: Übersetzungen

Beitrag von falko » Di 25. Dez 2018, 07:26

In 14 Tagen geht es dann um "Die vielen Leben des Harry August" von Claire North, das einige von euch hier im Forum empfohlen haben. Wir sind selbst gespannt. :)
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MeadowSleeper
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Re: Folge 10: Übersetzungen

Beitrag von MeadowSleeper » Di 25. Dez 2018, 16:25

Vielen Dank für den Podcast! Das war wieder sehr aufschlussreich und vorallem war es schön, dass ihr auch auf die Fragen des Forums eingegangen seid.

An manchen Stellen hätte ich gerne die Übersetzer verteidigt: ich glaube, die meisten machen wirklich einen wahnsinnig guten Job für wenig Geld. Ich muss gestehen, dass ich die Bücher fast ausschließlich auf Deutsch lese, da ich einfach zu lange brauche, um auf Englisch ein Buch zu lesen. Daher bin ich jedem Übersetzer letztendlich sehr dankbar.

Während des Hörens habe ich mich auch gefragt, ob die Verlage vielleicht auch Unterschiede bei den Genres machen. Bei anspruchsvollerer Literatur werden gute Übersetzer engagiert (oder sie bekommen mehr Zeit), während bei Unterhaltungsliteratur (womöglich noch von unbekannteren Autoren) möglicherweise der Sparzwang eine größere Rolle spielt.

Glaube übrigens auch, dass eine schlechte Tolkien-Übersetzung dem Erfolg des Buch-Zyklus´ anfangs sehr geschadet hätte. Langfristig wäre es aber meiner Meinung nach wohl trotzdem ein Erfolg geworden.
Wie gesagt, das Leben muss noch vor dem Tode erledigt werden. (Erich Kästner)

Numfuddle
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Re: Folge 10: Übersetzungen

Beitrag von Numfuddle » Mi 26. Dez 2018, 14:11

Die Sxheibenwelt-Übersetzungen sind die einzigen Romane die ich kenne, wo in der deutschen Ausgabe Anmerkungen des Übersetzers enthalten sind.

Mir tat Andreas Brandhorst (der „Hausübersetzer“ von Therry Pratchett) immer etwas leid, weil er eine fast unmögliche Aufgabe hatte.Er hat sie meiner Meinung nach wirklich außergewöhnlich gut gemacht aber viele Elemente der Scheibenweilt Romane sind nahezu unübersetzbar.

Wie das Gnu dass aus der Gilde der Assassinen verschwindet (und in Wahrheit ein Gewehr, also gun ist) und das ganze Buch über immer wieder für Missverständnisse und Anspielungen über verschwundene Paarhufer verwendet wird.

Da muss dann de Übersetzer tatsächlich das Wortspiel erklären, weil es so zentral für die Handlung ist aber eben einfach nicht übersetzbar.

tdiver
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Re: Folge 10: Übersetzungen

Beitrag von tdiver » Do 27. Dez 2018, 12:58

also bei der Herr der Ringe Übersetzung habe ich eine ganz andere Erfahrung als Jochen gemacht. Anfang der 90er habe ich die alte Übersetzung gelesen und war aufgrund der extremen Sperrigkeit abgeschreckt und habe mich nur so durchgequält.
Kurz bevor der erste Film rauskam habe ich mir das Buch nochmal, nun ich der neuen Übersetzung, vorgenommen und war plötzlich sehr angetan, weil sich das Buch plötzlich sehr angenehm lesen lies. Für mich ist die neue Übersetzung genial.

ClausC
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Re: Folge 10: Übersetzungen

Beitrag von ClausC » Sa 29. Dez 2018, 15:39

Ein Podcast, den ich demnächst wohl im Unterricht einsetzen werde. Fand ich sehr schön, grad auch mit dem Einblick in den Buchmarkt allgemein, besonders die ominöse, magische Normseite mal erklärt zu haben.
Freut euch also, ihr seid hiermit offiziell Unterrichtsmaterial :P

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falko
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Re: Folge 10: Übersetzungen

Beitrag von falko » Sa 29. Dez 2018, 15:56

Haha, gern doch. :D

Bin ich allerdings schon - im Magazin "Der Deutschunterricht" ist dank des Einsatzes eines befreundeten Lehrers eine meiner SF-Geschichten abgedruckt. ;)
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Maxileen
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Re: Folge 10: Übersetzungen

Beitrag von Maxileen » Sa 29. Dez 2018, 18:37

Sehr interessante Episode (wie eigentlich immer *schleim*), insbesondere da ich selbst nebenberuflich als Übersetzer arbeite und es immer schön ist, mal über den Tellerrand schauen zu können. Ich selbst übersetze Comics aus dem Niederländischen und manchmal auch aus dem Englischen für einen großen deutschen Verlag und bekomme 12 Euro pro Seite. Klingt erstmal nach einem ganz guten Lohn, allerdings lag der vor zehn Jahren noch bei 17 Euro pro Seite und wurde aufgrund der stetig sinkenden Zeitschriftenauflagen zwei Mal gekürzt (für Comicalben zahlt der Verlag noch weniger). Hinzu kommt, dass ich für diese 12 Euro noch die Originalseiten ausdrucken (die ich als PDFs zugeschickt bekomme) sowie die Sprechblasen durchnummerieren und ausmessen muss, was natürlich noch einmal einen Zeit- und Kostenaufwand bedeutet. Tantiemen sind leider ebenfalls Fehlanzeige, für Nachdrucke älterer Übersetzungen sehe ich keinen Cent. Gleiches gilt übrigens auch für die Autoren und Zeichner, wenn ich richtig informiert bin.

Hinzu kommt - und das wäre eine interessante Frage an Falko, wie dies bei literarischen Übersetzungen gehandhabt wird - dass ich einen Rahmenvertrag unterschreiben musste, in dem ich alle meine Rechte an den Übersetzungen an den Verlag abtrete. Dieser darf meine Texte also ungefragt weiterverwenden, ändern, in andere Sprachen übersetzen, kürzen oder einfach in die Tonne werfen.

Trotzdem mache ich den Job gerne, zum einen, weil die 300-400 Euro im Monat, die dabei zusammenkommen, ein ganz nettes Zubrot sind, zum zweiten, weil es eben nicht mein Hauptjob ist, und zum dritten, weil ich auch ein Fan der Comicreihe bin, für die ich übersetzen darf.

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falko
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Re: Folge 10: Übersetzungen

Beitrag von falko » Sa 29. Dez 2018, 21:52

(Disclaimer: bin juristischer Laie)

Natürlich tritt man die Nutzungsrechte an der Übersetzung ab, aber diese sogenannten Buy-out-Verträge sind - soweit ich das sehe - im literarischen Bereich bei EXTERNEN Übersetzern nicht gängig, und evtl. nicht einmal zulässig. (Anders ist es, wenn ÜbersetzerInnen fest angestellt sind.) Generell kann der Verlag natürlich mit der Übersetzung verfahren, wie er lustig ist. Die Verwertungsrechte stehen natürlich im Vertrag, und das ist - wie so vieles im Leben - Verhandlungssache. :)

Übrigens habe ich vor ein paar Jahren mit dem Anwalt Kai Bodensiek zu diesem ganzen Themenbereich im Bezug auf Spiele ein Gespräch geführt, und es gibt eine Aufzeichnung davon: https://www.youtube.com/watch?v=zVLLV8JTTlg&t=237s
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NobodyJPH
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Re: Folge 10: Übersetzungen

Beitrag von NobodyJPH » Fr 4. Jan 2019, 09:19

Ein gelungener und interessanter Podcast zu dem Themenkomplex.

Meine Frau hat einen Bachelor im Übersetzen und einen Master im Koferenzdolmetchen, sich bei den entsprechenden Verbänden angemeldet, sich allgemein ermächtigen bzw. beeidigen lassen... und dann wenige Tage später doch die erste Möglichkeit genutzt einen sichereren Job anzutreten. Insbesondere der Berufseinstieg ist ein steiniger Weg und man kann nämlich gar nicht genug betonen, wie schlecht in diesem Bereich bezahlt wird. Das wird insbesondere an der Universität auch immer wieder betont, aber die meisten Übersetzer dürften nichtmal ein entsprechendes Fachstudium haben. Ich weiß leider durch die Kontakte meiner Frau, dass viele ÜbersetzerInnen die Faktoren Zeitaufwand, Altersvorsorge und Steuern nicht richtig kalkulieren. Leider achten viele Auftraggeber nur auf den Preis und nicht auf die dadurch erreichbare Qualität.

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