Folge 11: Die vielen Leben des Harry August

Hier wird über die aktuelle Folge diskutiert. Und über alle anderen natürlich auch.
Thomas Suender
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Re: Folge 11: Die vielen Leben des Harry August

Beitrag von Thomas Suender » Fr 21. Jun 2019, 02:44

Vielen Dank, dass ich durch Euch auf Die vielen Leben des Harry August aufmerksam wurde. Nun habe ich ihn gelesen. Ich war zunächst skeptisch, da Ken Krimwoods Replay eines meiner absoluten Lieblingsbücher ist. Doch zum Glück handelt es sich bei dem Roman von Claire North nicht um ein Plagiat, wie hier wohl einige Andere es empfinden. Denn ihr Plot legt einen völlig anderen Schwerpunkt: Nämlich darauf, dass die Wiedergeborenen über Jahrhunderte/Jahrtausende miteinander kommunizieren, wodurch ein völlig anderer Zeitreise-Twist entsteht, als bei Replay.

Ich halte nach wie vor Replay für den besseren Roman, weil er bahnbrechender ist. Aber dennoch ist die Weiterverarbeitung des Themas durch Claire North unbedingt lesenswert. Die Wiederkehr bestimmter Motive Grimwoods ist bei der Grundidee unvermeidlich. Es Plagiat zu nennen ist etwa so, als wollte man jeden Roman, der Vampire enthält, als Plagiat von Bram Stokers Dracula bezeichnen.

Abschließend möchte ich noch zur Diskussion, ob die Einstufung des Romans als Science Fiction gerechtfertigt ist, sagen: hier teile ich nicht die Meinung von Falko und Jochen, dass dem nicht so sei. Ja, Ihr Beiden habt in einer Hinsicht recht: Die Zeitreise- / Wiedergeburtenthematik wird nicht wissenschaftlich erklärt, ist insofern keine "Science". Doch Science spielt in dem Roman eine fundemantale Rolle, da der Verlauf der Geschichte durch wissentschaftliche Entwicklungen, die durch die Wiedergeborenen vor ihrer Zeit entstehen, radikal verformt wird, bis hin zur Entwicklung des (ohne spoilern zu wollen, was das ist) Quantenspiegels. Im Prinzip trifft hier ein fantastisches Element (die Wiedergeburt im eigenen Körper der Kindheit) auf eine Welt, in der alle Naturgesetze gelten, die also nicht fantastisch ist (keine Magie, etc.). Das Buch stellt sich die Frage was passiert, wenn diese Menschen anfangen, die Technik mit Wissen aus der Zukunft zu beeinflussen. Das ist durchaus Science Fiction.

Danke für dieses tolle Leseerlebnis und viele Grüße,

Thomas

Shenmi
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Re: Folge 11: Die vielen Leben des Harry August

Beitrag von Shenmi » Sa 28. Sep 2019, 07:20

Ich habe das Buch jetzt auch gelesen, bin aber unschlüssig ob es mir gefallen hat oder nicht.
Denn bei mir sprang der Funken erst in den letzten 150 Seiten über. Den Stil der Autorin fand ich sehr schön, die Idee sowieso.
Man findet bei diesem Thema ja nicht so oft einen Autor der diesem noch etwas Neues abgewinnen kann. Aber mit der Umsetzung habe ich dann doch ein wenig gehadert.
Dieses Hin, - und Her Gespringe, von einem Leben zum anderen, während der Plot so vor sich hin geplätschert ist, war nicht so meines.
Viele Handlungsstränge und Begebenheiten waren für die Handlung schlichtweg unnötig, zumindest nach meinem Empfinden.
Leider - oder Gott sei Dank - bin ich niemand der Bücher so leicht abbrechen kann. Und hier wurde ich dann durchaus entlohnt. Die letzten 150 Seiten waren dann doch sehr gut.
Im Endeffekt bin ich froh das ich es gelesen habe, aber die große Begeisterung vermag ich nicht recht zu teilen.

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derFuchsi
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Re: Folge 11: Die vielen Leben des Harry August

Beitrag von derFuchsi » Do 21. Nov 2019, 09:38

Habe ich die Tage auch gelesen. Ok eigentlich lesen lassen (per Audible) da ich mehr Zeit zum hören als zum lesen habe.
Davor habe ich übrigens Ken Grimwoods Replay durchgenommen das hier auch erwähnt wurde. Interessant so direkt hintereinander.
Aber die Handlung ist unterschiedlich genug, nur die Prämisse mit der Wiedergeburt ist die gleiche.

Die Handlung als solche wird hier zwar zu Ende erzählt aber das eigentliche Mysterium wird leider nicht aufgeklärt, finde ich etwas schade glaube ich. Evtl um sich weitere Erzählungen offen zu halten?
Gegen Ende wirds nochmal richtig spannend aber auch etwas unglaubwürdig finde ich. Kann mir nicht so recht vorstellen dass sich jemand sein ganzes Leben bzw sogar mehrere Leben lang derart zusammenreißen kann dass er sich bei einem mißtrauischen Menschen nicht mal durch einen versehentlichen Verplapperer der einem garantiert mal rausrutscht verrät (wer es gelesen hat weiß was ich meine). Da musste ich doch ein Auge ein wenig zudrücken.
Als jemand der gedanklich gerne über diverse Zeitreiseerzählungen in der Popkultur vor sich hin philosophiert frage ich mich wo ich das hier einordnen soll, vermutlich in der Multiversum-Theorie die auch im Avengers Endgame Film zur Anwendung kommt.
(Finde ich interessant die verschiedenen Zeitreise-Ansätze von Filmen wie Back to the Future, Terminator oder eben Avengers zu beleuchten)

Das erzählerische rumgehopse zwischen den Leben während einer Handlung ist intellektuell ein wenig fordernd aber kann man schon mal machen.
Hat aber insgesamt Spaß gemacht. Danke für den Tipp.

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NobodyJPH
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Re: Folge 11: Die vielen Leben des Harry August

Beitrag von NobodyJPH » Do 21. Nov 2019, 15:49

derFuchsi hat geschrieben:
Do 21. Nov 2019, 09:38
Habe ich die Tage auch gelesen. Ok eigentlich lesen lassen (per Audible) da ich mehr Zeit zum hören als zum lesen habe.
Das finde ich unabhängig vom konkreten Werk total spannend. Denn obwohl ich relativ viel Zeit mit Podcasts verbringe (z.B. höre ich ausnahmslos alle Gamespodcast Folgen), kann ich mich zu einem Hörbuch einfach nicht durchringen. Ich habe mal einige Seiten "mitgehört", aber irgendwie habe ich da eine totale Abwehrhaltung.

Jetzt weiß ich nicht, wie kompliziert die verschiedenen Leben von Harry miteinander verknüpft sind, aber ich stelle es mir schwierig vor dem Geschehen bei komplexeren Stories (und dann ggf. noch beim Autofahren oä.) zu folgen.

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derFuchsi
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Re: Folge 11: Die vielen Leben des Harry August

Beitrag von derFuchsi » Do 5. Dez 2019, 07:36

NobodyJPH hat geschrieben:
Do 21. Nov 2019, 15:49
Jetzt weiß ich nicht, wie kompliziert die verschiedenen Leben von Harry miteinander verknüpft sind, aber ich stelle es mir schwierig vor dem Geschehen bei komplexeren Stories (und dann ggf. noch beim Autofahren oä.) zu folgen.
Arbeitsweg fährt sich ja quasi automatisch da ist das Hirn im Standby-Modus ;). Müsste ich mich konzentrieren weil ich in unbekanntes Gebiet müsste dann könnte ich das tatsächlich auch nicht.

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