Folge 51: Das Geheimnis der Seelenschiffe

Hier wird über die aktuelle Folge diskutiert. Und über alle anderen natürlich auch.
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falko
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Folge 51: Das Geheimnis der Seelenschiffe

Beitrag von falko » Di 25. Aug 2020, 05:34

Manch eine Fantasy-Trilogie erscheint irgendwann als Gesamtausgabe, und dann führt das zu einem dicken Buch von ungefähr tausend Seiten. So auch hier, könnte man meinen, doch nein. Diese 908 Seiten tragen den Untertitel „Die Händlerin“ und sind nur der ERSTE Band der Trilogie. Wenn Robin Hobb eine Geschichte erzählt, ist die Bezeichnung „epische Breite“ mehr als angemessen.

Die „Seelenschiffe“ sind schon vor 20 Jahren erschienen und nun wieder als bearbeitete deutsche Neuausgabe digital erhältlich. Es geht um die Händlerfamilie Vestrit, deren Reichtum auf einem Schiff gründet, das die Erfahrungen der bisherigen Kapitäne in sich trägt. Es erwacht, als das Familienoberhaupt auf Deck stirbt, und die junge Frau Althea erwartet, dass sie nun die Nachfolge antritt, zumal sie schon eine Verbindung mit dem Schiff aufgebaut hat, doch den Zuschlag erhält der Mann ihrer älteren Schwester …

Hobb verwebt Familienschicksale, Geheimnisse der Vergangenheit und gezielt eingesetzte Fantasy-Elemente. Hat uns die ausufernde Geschichte überzeugt? Und hat es Falko überhaupt geschafft, alles zu lesen?

Viel Spaß mit der neuen Folge!

Folge 51: Das Geheimnis der Seelenschiffe
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Shenmi
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Re: Folge 51: Das Geheimnis der Seelenschiffe

Beitrag von Shenmi » Mi 26. Aug 2020, 08:34

Ich habe mir den Podcast nur ein Stück angehört, bis zur Stelle, wo Jochen sagte: "Wer richtig eintauchen möchte, der muss mit der Weitseher Trilogie anfangen". Diesen Rat habe ich jetzt befolgt, euch vertraut und mir alle gleich alle Bände gekauft, die verfügbar sind und nun werde ich in der richtigen Reihenfolge lesen.
Mein ursprünglicher Plan war es ja, hier mitzulesen, was aber auch Zeitgründen nicht geklappt hat. Vielleicht war es ganz gut so, denn ich liebe ja solchen epischen Geschichten.
Mich schreckt auch der Umfang nicht ab. Ganz im Gegenteil, ich hoffe das es mich packt und dann bin ich froh, endlich mal wieder genug Material zu haben und nicht befürchten zu müssen, dass mir nach 2 Tagen schon die Seiten ausgehen.
Die Enttäuschung von Patrick Rothfuss sitzt noch tief, als mir beim dritten Band aufgegangen ist, dass die Kvothe Geschichte noch gar nicht beendet ist.
Diesen Podcast hier höre ich mir dann später an, vielleicht gibt es ja bis dahin schon weitere Folgen, zu dieser Geschichte.

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falko
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Re: Folge 51: Das Geheimnis der Seelenschiffe

Beitrag von falko » Mi 26. Aug 2020, 14:53

Lass uns wissen, wie es funktioniert. :) Gern auch im Vergleich zu Rothfuss, der bei mir immer noch ein blinder Fleck ist.
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Re: Folge 51: Das Geheimnis der Seelenschiffe

Beitrag von bluttrinker13 » Do 27. Aug 2020, 15:19

@Shenmi
Wenn ich dazu was sagen darf, ich denke du machst damit alles richtig. :D

Ich persönlich war ebenfalls von Rothfuss enttäuscht, wenn auch aus anderen Gründen, bin nicht über Band 2 hinausgekommen.

Dagegen die drei (!) Farseer Trilogien von Robin Hobb... der Wahnsinn!
Ich bin Jochen heute noch dankbar, dass er das vor Ewigkeiten mal im Gamespodcast empfohlen hat. Gehört zusammen mit Sapkowski und Martin's Werken zu meinen allerliebsten Fantasyreihen. Wirklich toll, und emotional extrem bewegend, wenn man erst mal drin ist.

Den Hauptunterschied welchen ich hier zu dem von mir dann mittlerweile eher geschmähten Rothfuss sehe: Hobb erschafft einen durch und durch glaubwürdigen Charakter mit Fizz, der authentische Schwächen hat, sehr dumme Sachen macht, ambivalent ist, und dennoch natürlich ebenso stark, ein Held, ein... usw. Charakterpsychologie ist ganz klar ihre Stärke, und die Stärke der ganzen Reihe.

Rothfuss dagegen hat für mein Dafürhalten mit Kvothe einen Tausendsassa entworfen welchem echte Schwächen und Tiefen abgehen. Der kann einfach zu viel, und dem passiert auch nichts schlimmes. Das fand ich langweilig und stellenweise extrem konstruiert. Wirkte auf mich wie eine Powerfantasy des Autors selbst, aber extrem, so nach dem Motto "Wenn diese Zauberschule mal meine Highschool gewesen wäre...". :roll:

My two cents. Hobb >>> Rothfuss :D

Shenmi
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Re: Folge 51: Das Geheimnis der Seelenschiffe

Beitrag von Shenmi » Fr 28. Aug 2020, 12:25

bluttrinker13 hat geschrieben:
Do 27. Aug 2020, 15:19
@Shenmi
Wenn ich dazu was sagen darf, ich denke du machst damit alles richtig. :D
Dann habe ich einen mehr, auf den ich es schieben kann, sollte es sich als Fehlgriff erweisen. :D
Am Wochenende fange ich an, ich bin sehr gespannt.
Ich persönlich war ebenfalls von Rothfuss enttäuscht, wenn auch aus anderen Gründen, bin nicht über Band 2 hinausgekommen.
Ich habe die Bücher regelrecht verschlungen und die drei Bände in drei Tagen gelesen.
Allerdings hatte ich erst beim letzten Band so ein wenig den Eindruck, als wäre ihm der Schwung ausgegangen.
Vielleicht dauert die Fortsetzung deswegen so lange. Oder weil es besser gewesen wäre, die Geschichte in zwei Teilen zu erzählen.
Ich mag ihn trotzdem gern, genau wie Joe Abercrombie.
Den aber eher wegen dem rauen Charme der Charaktere, insbesondere natürlich Sand dan Glokta.
Den liebe ich einfach, als Antithese von allem was Frau eigentlich lieben kann und will.

Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende!

bluttrinker13
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Re: Folge 51: Das Geheimnis der Seelenschiffe

Beitrag von bluttrinker13 » Fr 28. Aug 2020, 14:05

Shenmi hat geschrieben:
Fr 28. Aug 2020, 12:25

Den aber eher wegen dem rauen Charme der Charaktere, insbesondere natürlich Sand dan Glokta.
Den liebe ich einfach, als Antithese von allem was Frau eigentlich lieben kann und will.
Das Buch (bzw die Trilogie) hat mir auch gut gefallen. Sand dan Glokta sowieso, ungewöhnlicher Protagonist. Ansonsten habe ich regelmäßig laut über den trockenen Humor von Neunfinger (und den Nordmännern sowieso) schmunzeln müssen.

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NobodyJPH
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Re: Folge 51: Das Geheimnis der Seelenschiffe

Beitrag von NobodyJPH » Sa 5. Sep 2020, 17:26

Liest das irgendjemand von euch auf Deutsch? Dann bitte Feedback an mich, wenn ihr durch seid. :D

Shenmi
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Re: Folge 51: Das Geheimnis der Seelenschiffe

Beitrag von Shenmi » Di 8. Sep 2020, 07:34

Ich habe jetzt die erste Weitseher Trilogie gelesen und bin etwas zwiegespalten. Hier meine Eindrücke:

Zunächst mal brauchte ich ungefähr die Hälfte des ersten Romanes, bis es mich gepackt hat. Vorher fand ich es okay, etwas Klischee beladen, aber ganz unterhaltsam. Danach habe ich mich gleich auf den zweiten Band gestürzt, den ich auch wirklich gelungen fand.
Die Charaktere sind sympathisch, teilweise mysteriös und es gab genügend Rätsel, die ich unbedingt auflösen wollte. Aber es gab auch schon erste Misstöne, weil mir Robin Hobbs Unart aufgefallen ist, ziemlich spannende und vertrackte Situationen zu erschaffen, diese dann aber in zwei bis drei Nebensätzen aufzulösen. Teilweise habe ich in meinem Lesefluss gestoppt, nochmal gelesen und dann gedacht: Das war jetzt alles?
Das waren aber bis dahin nur kleine Nickligkeiten und ich erfreute mich vor allem an den Beziehungen. Die Verbindung zwischen Fitz und Prinzessin Philia hat mir hierbei am besten gefallen, auch weil diese Frau sehr ambivalent ist und ich sie lange Zeit nicht einordnen konnte.
Hieraus entwickelt Hobb dann aber eine so rührende Tochter/Sohn Beziehung, die ich einfach lieben musste. Vor allem weil Philia sich als starke Frau entpuppte und weit über sich hinausgewachsen ist.
Denn Narr fand ich natürlich auch super, genau wie Nachtauge und den alten Chade. Nicht gefallen hat mir dagegen Prinz Edel, der in seiner Boshaftigkeit nur bis zu einem gewissen Grad glaubhaft wirkt, irgendwann aber einfach nur plump.

Bis hierhin war noch alles gut, dann kam Band 3 "Der Erbe der Schatten".
Hier subsumierten sich dann, aus meiner Sicht, alle Schwächen die sich bereits in den anderen beiden Büchern angedeutet haben.
Diese werden umso auffälliger, weil viele der oben erwähnten Beziehungen fehlen, die rückblickend betrachtet, die anderen beiden Romane doch erheblich getragen haben.
Zuerst war ich noch voller Enthusiasmus und habe einige der Ideen gefeiert, etwa wenn Fitz auf andere Träger der alten Macht trifft.
Aber spätestens ab der Station "Blauer See" wird das Buch unfassbar redundant und nur die Kulissen wechseln noch, während Fitz immer wieder dasselbe durchmacht. Fieberträume, Gabenträume, Wolfsträume, Veritas, Molly, Korsaren....Endlosschleife.
Am meisten gestört hat mich allerdings sein kindisches Gebaren, denn nach all den Erlebnissen und Erfahrungen hat die Autorin es nicht geschafft, mir das Bild eines jungen Mannes, gar eines Helden, in den Kopf zu pflanzen.
Ich sah stets nur ein larmoyantes Kind, dass sich beständig weigert aus seinen Fehlern zu lernen und stringent gegen jede Logik agiert, während es sich permanent darüber beschwert, dass alle nur ihre eigenen Vorteile im Sinn haben.
Hier rächt sich dann auch das Hobb nur aus der Sicht von Fitz erzählt, dem sie leider keinerlei Progression zugesteht, was für mich als Leserin zwangsläufig genauso gilt. Der Roman tritt 500 Seiten lang auf der Stelle, bevor mal wieder irgendwas passiert. Ich habe irgendwann halbe Kapitel überflogen, weil einfach überhaupt nichts geschieht das den Plot voranbringt.
Nur endloses Gejammer, Sorgen und Fragen die ich seit gefühlt tausend Seiten wälze, auf die mir die Autorin aber die Antwort verweigert.
Auch Edel nervt irgendwann, der in seiner Boshaftigkeit genauso langweilig ist, wie Fitz in seinem Hass auf ihn.
Das Schlimmste ist aber, dass ich an keiner einzigen Stelle Angst um ihn hatte und mich stattdessen nur fragte, wer es wohl dieses Mal ist, der ihn aus der tödlichen Situation retten wird. Das es passiert steht ja außer Frage, schon deshalb weil er offensichtlich der Chronist ist und wir sowieso nur seine Sicht geliefert bekommen.
Es ist wirklich schade, wenn der Hauptcharakter zu wenig Substanz besitzt und man rückblickend feststellen muss, immer noch den sechsjährigen Fitz vor sich zu haben, nur eben im Körper eines Mannes und mit Magie ausgestattet.

Man könnte sicher argumentieren, die Umstände haben ihm die Kindheit geraubt. Dann würde ich aber sofort einwenden, dass Hobb es eben nicht geschafft hat, ihn als tragischen und gebrochenen Helden zu verkaufen und ich in ihm leider nur einen weichen Jammerlappen sehen kann, um es mal ganz hart auszudrücken.
Denn einigen Figuren um ihn herum ist es wesentlich schlechter ergangen - Kettricken z.B. - und sie wurden durch Fitz' teils wirklich unfassbar dumme Aktionen, noch zusätzlich in Gefahr gebracht.
Außerdem würde ich noch darauf verweisen, dass die Autorin hier im Prinzip Plot Recycling betreibt, denn das missglückte Attentat in Blauer See, war genauso konzeptlos und dämlich, wie der vorherige Versuch, in Bocksburg. Und immer müssen andere Figuren die Scherben aufsammeln, während sich Fitz Chivalric über das Übel der Welt beklagt, ohne einen Bezug zu sich herzustellen. Leider scheint er auch nie daraus zu lernen.
Besonders eklatant ist mir dies im bezüglich Molly aufgefallen. Anfangs war seine kindliche Unbeholfenheit ja noch charmant, aber irgendwann dachte ich nur bei mir: Lauf Mädchen, soweit wie Du kannst und schau Dich nicht um.
Er redet die ganze Zeit von der großen Liebe, tut dann aber stets das Gegenteil und die Gründe wirken leider zunehmend fadenscheinig. Mit Burrich ist sie wohl am besten dran gewesen und selbst in Chades Händen...

Der Schlussteil ist dann wieder ganz gut gewesen und hat mich etwas mit der ersten Trilogie versöhnt.
Trotzdem mache ich jetzt erstmal eine Pause von Robin Hobb und werde mich an Julie Zeh versuchen und dann euren Podcast hören.
Ich habe "Unterleuten" nämlich auf meinem Reader entdeckt, ich muss es also irgendwann gekauft haben. Mal sehen wie mir das gefällt.

Jochen
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Re: Folge 51: Das Geheimnis der Seelenschiffe

Beitrag von Jochen » Mi 9. Sep 2020, 10:30

Ja, die erste Fitz-Trilogie hat gewisse Probleme. Alles mit Regal beispielsweise ist entsetzlich, weil er als Bösewicht so eindimensional und belanglos bleibt. Zum Lieblingsbuch aufgestiegen ist die Reihe bei mir erst mit der zweiten Trilogie - dann aber richtig. Wenn du schon so weit gekommen bist, dann bleibe am Ball, denn jetzt wird's richtig gut. Die Beziehung zwischen Fitz und dem Fool gehört ist in meinen Augen die beste, die ich in der Fantasy je gelesen habe.

Shenmi
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Re: Folge 51: Das Geheimnis der Seelenschiffe

Beitrag von Shenmi » Do 10. Sep 2020, 20:43

Mein Rant klang auch negativer als mein abschließendes Urteil, denn durch die ersten beiden Bände bin ich ja ziemlich durchgeflogen und wurde gut unterhalten.
Ich brauchte jetzt nur mal eine Pause, demnächst geht es weiter.

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