Folge 53: Lunar Park

Hier wird über die aktuelle Folge diskutiert. Und über alle anderen natürlich auch.
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falko
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Folge 53: Lunar Park

Beitrag von falko » Di 22. Sep 2020, 04:12

Bret Easton Ellis, der Autor von „American Psycho“, veröffentlicht 2005 einen Roman über eine Figur namens Bret Easton Ellis, die einen Bestseller namens „American Psycho“ geschrieben hat, und nun taucht im Leben dieser Figur jemand auf, der wie der Psychopath aus „American Psycho“ aussieht, und das Leben von Frau und Kindern von Bret Easton Ellis bedroht, aber aber im wahren Leben nie verheiratet war und offenbar keine Kinder hat.

Verwirrt? Wir auch. „Lunar Park“ ist ein Spiel mit Realität, Fiktion, Image und Medien gleichermaßen. Wie weit nährt Ellis mit diesem Roman seinen Ruf als Skandalautor, was ist autobiografisch und welcher Drogenexzess im Roman ist eine falsche Fährte? Und was hat es mit aggressiven Kuscheltier auf sich? Kein einfaches Buch, aber eines, über das sich zu reden lohnt.

Viel Spaß mit der neuen Folge!

Folge 53: Lunar Park
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SunshineBob
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Re: Folge 53: Lunar Park

Beitrag von SunshineBob » Mi 23. Sep 2020, 13:53

Schöne Folge. Ich hätte aber gerne (wie immer eigentlich) auch noch die Spoiler gehört...naja.
Was American Psycho angeht: ich war zuletzt in unserem Buchclub dran Bücher vorzuschlagen. Und da ich mir das Thema "Skandalbücher" überlegt hatte, habe ich ua American Psycho vorgeschlagen (neben Nabokovs Lolita und Rushdies Satanische Verse - das letzte wurde dann gewählt). Daher hatte ich zuvor über American Psycho recherchiert und in vielen Kritiken wurde es tatsächlich als unerträglich zu lesen beschrieben - allerdings nicht wegen der Gewalt, sondern vor allem weil es streckenweise strunzlangweilig sein soll. Es gehe wohl viel zu lang und zu oft über oberflächliche Parties und Markenprodukte. Da ich ja nun stattdessen vorerst mit Rushdies verwirrtem Werk beschäftigt bin: kann jemand, der das Buch gelesen hat was dazu sagen (*zu Jochen guck*)?

Shenmi
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Re: Folge 53: Lunar Park

Beitrag von Shenmi » Mi 23. Sep 2020, 17:15

Für mich klang das alles unglaublich anstrengend und konfus.
Aber weil ich gestern sowieso gerade in der Stadt gewesen bin, als ich den Podcast gehört habe, bin ich gleich in den Hugendubel gegangen und habe mir American Psycho gekauft.
Das wollte ich sowieso schon immer mal lesen und als EBook ist es nur auf English erhältlich, was meine Frau nicht wollte. Ich bin echt gespannt drauf, bisher kenne ich nur den Film.
Mal wieder ein Buch aus Holz zu lesen, wird sicher auch eine Erfahrung sein. Ohne Licht, oder Bookerly, Markierungen u.ä. :)

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ABMGW
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Re: Folge 53: Lunar Park

Beitrag von ABMGW » Fr 25. Sep 2020, 08:20

SunshineBob hat geschrieben:
Mi 23. Sep 2020, 13:53
Daher hatte ich zuvor über American Psycho recherchiert und in vielen Kritiken wurde es tatsächlich als unerträglich zu lesen beschrieben - allerdings nicht wegen der Gewalt, sondern vor allem weil es streckenweise strunzlangweilig sein soll. Es gehe wohl viel zu lang und zu oft über oberflächliche Parties und Markenprodukte. Da ich ja nun stattdessen vorerst mit Rushdies verwirrtem Werk beschäftigt bin: kann jemand, der das Buch gelesen hat was dazu sagen (*zu Jochen guck*)?
Um es abzukürzen: Das Buch besteht zu 50% aus unertärglicher Langeweile und zu 50% aus unerträglicher Gewalt. Das Buch ist mit Absicht so geschrieben das es praktisch unkonsumierbar ist. Das ist zwar eine schrifftstellerische Leistung, aber keine die man sich als Leser antuen muss. Wenn es um Skandalautoren aus der gleichen Zeit geht, dann empfehle ich eher Irvine Welsh oder Chuck Phalanuik. Die sind auch "kontrovers" aber tun beim Lesen nicht weh.

Jochen
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Re: Folge 53: Lunar Park

Beitrag von Jochen » Fr 25. Sep 2020, 12:36

Also ich empfand American Psycho keineswegs als unkonsumierbar - ganz im Gegenteil. Ich war ob seines Rufes sogar sehr überrascht, wie flott sich das weglesen ließ. Dass die Gewaltszenen am Rande des Erträglichen sind, habe ich im Podcast ja schon erwähnt. Aber die vermeintlich langweiligen Passagen haben mir extrem viel Spaß gemacht. Diese nur durch Geld, Marken, Alkohol, und Drogen notdürftig gestopfte Leere der Generation X beschreibt Ellis mit einem wunderbaren Gusto und so viel beißender Ironie, dass ich diese Seiten geliebt habe. Natürlich passiert darin nichts bzw. immer das selbe. Aber das zu kritisieren, wäre ein bisschen so als würde man sich bei Tolkien beklagen, dass da nie ein Flugzeug auftaucht ;)

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falko
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Re: Folge 53: Lunar Park

Beitrag von falko » Fr 25. Sep 2020, 12:41

Jochen hat geschrieben:
Fr 25. Sep 2020, 12:36
Aber das zu kritisieren, wäre ein bisschen so als würde man sich bei Tolkien beklagen, dass da nie ein Flugzeug auftaucht ;)
Die Adler sind auch nur Flugzeuge (mit Verspätung).
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Ironic Maiden
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Re: Folge 53: Lunar Park

Beitrag von Ironic Maiden » Di 29. Sep 2020, 19:18

Ich habe "American Psycho" letzte Woche zum ersten Mal gelesen und fand es ziemlich gut lesbar. Ich denke aber, wie gut man mit den sehr expliziten Sex- und Gewaltdarstellungen klarkommt, hängt auch davon ab, wie man das Buch liest. Ich habe mich an zwei Nachmittagen durchgepflügt und damit entfaltet das Buch eine ganz eigene Wirkung. Die ständige Wiederholung von Markennamen, ausführlichen Beschreibungen von Kleidung, abstrus aufwändigen Gerichten in Restaurants und dann auch die drastischeren Szenen prasseln dann unablässig auf einen ein und werden zu einem einzigen Brei aus Konsum (von Dingen und Menschen). Und damit wird dann auch die Gewalt irgendwann einfach nur noch ein weiterer, zwar exzessiver, aber im Grunde leerer und langweiliger Vorgang. Ich könnte mir vorstellen, dass es erheblich unansprechender ist, wenn man das Buch nur scheibchenweise lesen kann. Zwei Wochen lang vor dem Einschlafen wechselweise entweder eine Viertelstunde gähnend langweilige Aufzählungen oder eine Viertelstunde menschenverachtendes Gemetzel zu lesen, fände ich jetzt weniger toll.

Und ich fand das Buch teilweise wirklich komisch und musste einige Male sogar laut lachen. Die Gewalt fand ich zwar insgesamt recht deutlich, aber für mich ist das ganze irgendwann in so eine Splatter-Ecke abgerutscht, dass ich es eher gelesen habe wie ich "Braindead" schauen würde.

Ich würde also niemandem davon abraten, "American Psycho" zu lesen, aber man sollte überlegen, wann es gerade passt.

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