Folge 56: Die Legende von Christopher Sim

Hier wird über die aktuelle Folge diskutiert. Und über alle anderen natürlich auch.
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falko
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Folge 56: Die Legende von Christopher Sim

Beitrag von falko » Mo 2. Nov 2020, 19:31

Diesmal fliegen wir wieder ins Weltall, und zwar in einem SF-Klassiker aus dem Jahr 1989. Der titelgebende Christopher Sim ist eine Legende in diesem über 9.000 Jahre in der Zukunft spielenden Roman, und Alex Benedict versucht das Mysterium dessen Lebens zu ergründen. Sim, der Kriegsheld, der telepathisch begabte Aliens, die “Stummen”, bekämpft hat, der die ganze Galaxis verändert hat … oder war damals alles ganz anders?

Ist das Buch ein eher unterschätzter Klassiker oder kann man sich die ganze Buchreihe um Alex Benedict sparen? So viel sei schon gesagt: richtig einig wurden wir uns diesmal nicht.

Viel Spaß mit der neuen Folge!

Folge 56: Die Legende von Christopher Sim
"I must say I find television very educational. The minute somebody turns it on, I go to the library and read a good book." - Groucho Marx

OmniJan
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Re: Folge 56: Die Legende von Christopher Sim

Beitrag von OmniJan » Di 3. Nov 2020, 08:38

sooooo - wahrscheinlich wird diesen Text niemand in seiner Länge lesen ;) aber es muss doch einfach mal raus:

zunächst zu mir: höre euch seit der ersten Folge. Genieße eure Diskussionen, Einsichten und Perspektiven sehr. Bin Steady-Unterstützer. Das eine oder andere Buch habe ich in Vorbereitung zum Podcast gelesen - manche kannte ich schon - bei manchen habe ich nur die Episoden verfolgt. Aber diese Folge ist die Erste, bei der ich ernsthaft das Bedürfnis habe mich hier anzumelden und in die Diskussion einzusteigen.

Dies war für mich die beste Diskussion und beste Folge die ich bisher von euch gehört habe. Es ist einfach erfrischend und herzerwärmend 2 Menschen zuzuhören, die eine unterschiedliche Meinung haben - aber gesittet und mit gegenseitigem Respekt darüber reden - statt in die mittlerweile öffentlich üblichen Hate-Kriege einzusteigen - allein dafür: danke! :)

Auch und vor Allem Danke an Falko: ohne dich hätte ich diese Folge nicht durchgestanden. Du hast mir einfach aus der Seele gesprochen. Ich kann Jochens Argumente rational irgendwo verstehen und ich freue mich, dass er mit so einer Begeisterung dabei ist (das sei ihm wirklich gegönnt!) - aber ich kann Jochens Punkte überhaupt nicht teilen:

dieses Buch war so uuuuunendlich langweilig - ich musste mich wirklich prügeln und quälen, um es durchzulesen. Der Vergleich Indiana Jones in SciFi passt leider überhaupt nicht.

Indiana Jones erlebt Abenteuer: unser Protagonist sitzt auf Sofas und sieht sich virtuelle Filme an, stagniert phlegmatisch von A nach B und erlebt (bis auf das Ende) rein gar nichts, was mich interessiert
Indiana Jones ist ein spannender Charakter: unser Protagonist bleibt blass, uninteressant und unsympathisch. Was ihm passiert ist mir völlig egal - er hätte am ende auch gerne sterben können - da hätte ich keine emotionale Regung verspürt.
SciFi steht (für mich) für große Ideen: Dieses Buch hat keine großen Ideen - nur ganz ganz viele banale, irrelevante und Kleine.

Weder hat das Buch ein "Mysterium" das mich reizt (ein einfach so verschwundenes Schiff würde ich fast schon als SciFi-Trope bezeichnen) noch entspannen sich im Laufe der Schnitzeljagd interessante Konstellationen. Die Geschichte bietet kein Hard-SciFi (dazu ist das alles physikalisch völlig aus der Luft gegriffen und könnte genausogut unter Fantasy laufen) zeigt aber nicht genug Kreativität in jeglicher anderen Form der SciFi. Wenn man seine Geschichte in einer SciFi-Welt ansiedelt sollte man glaubhaft sein. Und weder sind die physikalischen Weiterentwicklungen möglich oder erklärt noch überdeckt eine andere Qualität des Buches diese Schwächen so, dass ich sie halt übersehen oder zumindest hinnehmen kann.

Wer auch nur ansatzweise Erfahrung mit SciFi hat (seien es Star Trek, oder solche Fantasy-SciFi-Serien wie Ren Dhark,...) findet hier leider nichts, was er nicht woanders schon 10000x spannender, besser oder kreativer gesehen hätte... leider.

*****************************************

Um es etwas zusammenzufassen: in diesem Buch hat mich rein gar nichts interessiert. Weder die Charaktere, noch die Art der Erzählung noch ein irgendwie geartetes Mysterium noch die langatmige und uninspiriert träge Schnitzeljagd... leider :(

aaaaber - und alles Andere wäre gelogen: es gab natürlich auch ein paar nette Momente. ich packe sie einfach mal in Spoiler, um niemanden zu verärgern - aber diese Dinge fand ich dann doch positiv:

[spoiler]
ganz ganz phasenweise gab es dann doch auch interessante Momente wie z.B.
- das Gespräch zwischen Alex und dem Alien (die Interaktion mit einem Wesen das Gedanken lesen kann) - das war wirklich nett erzählt und beschrieben. eine der wenigen Momente, wo ich wirklich "drin" war in der Geschichte
- ganz ganz vereinzelt gab es Zwischen und Nebensätze, die einen sehr schönen trockenen Humor gezeigt habe - ich musste doch ein paar Mal schmunzeln :)
- Als sie eeeeeeeendlich das fremde Schiff gefunden haben - da gab es einen kurzen Moment des "okay - na endlich. geht doch" - was sich leider nur ür wenige Seite gehalten hat und spätestens wieder kaputt ging, als der Ausflug auf den Alienplaneten so völlig an den Möglichkeiten vorüber ging und auch der "Endkampf" zwischen den Aliens und unseren Protagonisten so wenig nachvollziehbar blieb
[/spoiler]

Danke an Jochen und Danke an Falko, dass ihr diese 2 Perspektiven so gut aufgemacht habt. Ich mag euch und eure Diskussionen so sehr - das war einfach schön! :)

@Jochen (sofern er/du denn mitliest): ich vermute, dass du sehr wenig Sci-Fi Erfahrung hast - gehe ich richtig in der Annahme? das könnte erklären, wieso dich das "Mysterium" in diesem Buch interessiert hat - wenn es sozusagen das "erste Mal" für dich war :)

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ABMGW
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Re: Folge 56: Die Legende von Christopher Sim

Beitrag von ABMGW » Di 3. Nov 2020, 17:00

Sekundäre. Unfassbar langweiliges Buch.

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fiorell
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Re: Folge 56: Die Legende von Christopher Sim

Beitrag von fiorell » Mi 4. Nov 2020, 15:09

Falko, ich bin dir ja so dankbar! Nach Ende der Lektüre habe ich mich kurz gefragt, ob ich etwas falsch gemacht habe oder ob ich für dieses Buch schlicht zu doof bin. Es war für mich sehr bestätigend, diese Folge zu hören.
Generell kann ich auch nachvollziehen, woher Jochens Meinung kommt, und er hat sie ja auch ausreichend und nachvollziehbar präsentiert - aber ich bin in dieser Folge wirklich, absolut und einhundertprozentig auf Falkos Seite.

Sehr interessante Folge, gerade wegen der unterschiedlichen Meinungen! Das hat großen Spaß gemacht.
Bin schwarz, aus Holz und stets verschlossen
Seitdem mit Stein sie mich beschossen
In mir ruh'n tausend trübe Linsen
Seitdem mein Haupt ging in die Binsen
Dagegen helfen keine Pillen:
Ich bin ein Schrank voll ungeputzter Brillen
-Walter Moers

Arre
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Re: Folge 56: Die Legende von Christopher Sim

Beitrag von Arre » Mo 19. Apr 2021, 08:56

Hallo an alle!

Ich muss mich wie die anderen Mitglieder, die sich bisher geäußert haben, auch Falkos Meinung anschließen.

Nachdem ich den Podcast zu dem Buch vor einiger Zeit gehört hatte, dachte ich mir, dass ich dieses Buch lesen will. Prinzipiell klingt der Ansatz total interessant. Eine Science Fiction Story, bei der es nicht um Action oder TechnoBabble geht, sondern um Geschichte und wie Geschichte verfremdet wird. Das klang für mich intellektuell wirklich spannend.

Die Umsetzung des Ganzen ist es dann für mich leider nicht.
Das erste Drittel des Buchs habe ich, zumindest gefühlt, einfach gar nicht mitbekommen was ich da lese.
Dann wurde es langsam besser.
Im letzten Drittel kam ab und an so etwas wie Spannung und Lesefreude auf. Leider nur zwischendurch... Das vergeht dann auch wieder.

Ich habe mich, als ich euren Podcast dann nochmal gehört habe, gefragt, woran es wohl lag, dass mir das so schwer gefallen ist.

Die wahrscheinlichste Erklärung für mich ist, dass die Charaktere so blass bleiben (was Jochen ja auch einräumt). Und damit dass die Charaktere so blass bleiben und auch keine wirkliche emotionale Involviertheit mit der Story haben, bleibt das auch für mich so. Es klingt so, als würden sie der Reihe nach ein Rätsel nachverfolgen, aber ohne dass die große Bedeutung dieses Rätsels klar wird. Und tatsächlich wird das auch so im Buch von der Welt gehandhabt... Dann wird also dieses Rästel aufgeklärt, in das ich nun Stunden des Lesens reingesteckt habe und das eigentlich ein total zentrales Motiv der Geschichtsschreibung dieser Welt sein sollte, und die Welt reagiert darauf am Ende dann so: Die einen glauben's, die anderen nicht, Teile de Geschichtsschreibung werden geändert, andere werden zurückgewiesen. Im Großen und Ganzen alles mit einem Schulterzucken.

Selbst in der "Action-Sequenz", als es darum geht, dass Chase in Gefahr ist, machen alle noch Scherze und es kommt nie wirklich das Gefühl auf, dass hier Dramatik in der Luft liegt.

Und, ich glaube, das ist das Problem für mich mit diesem Buch... Da die Charaktere und der ganze Stil des Buchs eher gleichgültig gehalten ist, ist es mir dann auch gleichgültig. Da gibt es keinen Charakter, mit dem ich mitfühlen kann (im positiven, wie im negativen).

Insofern muss ich leider sagen: Gut in der Idee, langweilig in der Umsetzung.

Euch aber Danke für den Podcast. Es war auf jeden Fall interessant das mal so kennenzulernen.

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