Bonusfolge 2: Ready Player One

Hier wird über die aktuelle Folge diskutiert. Und über alle anderen natürlich auch.
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falko
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Bonusfolge 2: Ready Player One

Beitrag von falko » Mo 30. Nov 2020, 06:38

Gerade eben ist die Fortsetzung erschienen – “Ready Player Two” – und wir nehmen uns auf Wunsch unserer Abonnent*innen den ersten Band vor. Das Romandebüt von Ernest Cline erschien 2011 und sprach die niederen Instinkte der Leserschaft an, genauer gesagt: die Nostalgie. Fraglich bleibt, ob man dem Roman etwas abgewinnen kann, wenn man die 80er nicht erlebt hat. Kennt die Jugend von heute noch Ferris Bueller?

Jochen und Falko haben nicht blau gemacht, sondern im Frühstücksclub nachgesessen und sind dann in Clines DeLorean eingestiegen. Ob es “das Ding” war oder ein langsames Sterben, klären wir in dieser Folge.

Viel Spaß mit unserer Bonusfolge!

Bonusfolge 2: Ready Player One
(Außerdem auf Steady und im Bonus-Stream)
"I must say I find television very educational. The minute somebody turns it on, I go to the library and read a good book." - Groucho Marx

Ironic Maiden
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Re: Bonusfolge 2: Ready Player One

Beitrag von Ironic Maiden » Mo 30. Nov 2020, 19:05

Ich schreibe hier mal, auch wenn das Forum teilweise ein bisschen wie Hill House ist...

Vielen Dank für die Folge. Sie hat mich sehr gut auf dem Weg zur und dem Anstehen bei der Post unterhalten.

Es ist schon ein paar Jahre her, dass ich "Ready Player One" gelesen habe und damals fand ich es nett, aber mehr auch nicht. Allerdings bin ich dem Protagonisten in den letzten Jahren mehrmals wiederbegegnet, wenn die nahezu gleiche Figur unter jeweils anderem Namen in anderen "nerdigen" Büchern auftaucht, z.B. in Cory Doctorows "Little Brother", Mr Penumbra's 24 Hour Bookstore" oder in "88 Names" von Matt Ruff. Und jedes Mal ist es nervig und ermüdend, dieser Nerd-Wunscherfüllungsfigur beim Super-Sein zuzuschauen.

Ich habe wirklich nichts gegen "Nerds" als Protagonisten, je nach Definition bin ich selbst einer, aber was mich stört ist, dass diese Figuren dann immer nur in Situationen kommen, in denen genau ihre Fähigkeiten gebraucht werden, ohne dass sie irgendetwas dazu lernen müssen oder sich weiterentwickeln. Das ist in etwa so als wäre Bilbos Herausforderung im "Hobbit", ein Fünf-Gänge-Menü zu kochen oder als wäre Harry Potter als Star in der Zaubererwelt aufgewachsen, anstatt als Neuling nach Hogwarts zu kommen.

Ich kann ja verstehen, dass man sich danach sehnt, dass das was man persönlich gut kann oder weiß endlich mal ein gefragter Skill ist und man dadurch als einziger besondere Aufgaben lösen kann, aber das macht dann noch lange keine interessante und spannende Welt aus, sondern wird im schlimmsten Fall so platt und durchschaubar wie in "Ready Player One".

Leider fällt mir auch bei langem Überlegen kein Text ein, bei dem eine nerdige Hauptfigur nicht in dieser Plotfalle landet.

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ABMGW
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Re: Bonusfolge 2: Ready Player One

Beitrag von ABMGW » Di 1. Dez 2020, 08:51

Finde nicht das man Doctorow und Ruff irgendwie mit Cline vergleichen kann. Bei Cline hat man zwifellos das Nostalgiekiffen und das Wishfoullfillment, bei Doctorow ist die Geschichte aber immer nur nebensächlich und blos das Trägermaterial für die politische Botschaft (Lese gerade Attac Surface, selten langweiliges Buch).

"88 Names" hat aber andere Probleme. Keine Ahnung welcher Teufel Ruff geritten hat das Buch so zu veröffentlichen, ich vermute: der Verlag wollte ein Buch drausen haben wegen der Verfilmung von "Lovecraft Country". Der Protagonist ist da aber nur das keinste Problem, zum einen alleine weil er ja im eigendlichen Sinne gar keine Probleme löst sondern nur als Spielball hin und her geworfen wird. Zweifelsohne aber Ruff schlechtestes Buch.

Ironic Maiden
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Re: Bonusfolge 2: Ready Player One

Beitrag von Ironic Maiden » Di 1. Dez 2020, 13:22

ABMGW hat geschrieben:
Di 1. Dez 2020, 08:51
Finde nicht das man Doctorow und Ruff irgendwie mit Cline vergleichen kann. Bei Cline hat man zwifellos das Nostalgiekiffen und das Wishfoullfillment, bei Doctorow ist die Geschichte aber immer nur nebensächlich und blos das Trägermaterial für die politische Botschaft
Die drei Autoren vielleicht nicht, wohl aber die Protagonisten in den drei Romanen. Alle drei Figuren sind männlich, jung (zwischen 17 und Anfang 20), Ich-Erzähler, seit frühester Kindheit in ihrem Metier und zu Beginn der Handlung "Gamer". In allen drei Texten gibt es lange Passagen, in denen der Ich-Erzähler lang und breit die Hintergründe des jeweiligen Sujets erzählt. Alle drei werden von untererzählten, klischeehaften Nebenfiguren begleitet, die jeweils irgendein Spezialwissen haben, das hilft die Probleme zu lösen, der "Held" bleibt aber der Protagonist. Alle drei haben ein Love Interest, das wie maßgeschneidert zu ihren Hobbys und ihren Kenntnissen passt und das von ihnen einfach nur verlangt, sie selbst zu sein, anstatt in irgendeiner Form auf ihre eigenen Interessen einzugehen. In jedem der drei Romane bleibt der Protagagonist die ganze Zeit innerhalb der Umgebung, in der er sich auskennt und wohlfühlt, sie müssen diese Comfort Zone nie verlassen. Sie werden zu Helden, weil sie sich dort besonders gut auskennen, nicht weil sie sich mit etwas Neuem auseinandersetzen müssen. (Doctorow treibt das dann noch so weit, dass Marcus San Francisco nicht nur wie seine Westentasche kennt, sondern auch noch bei jeder Gelegenheit Restauranttips raushauen kann...) Der Ton der Erzählung ist ebenfalls sehr ähnlich, um das genauer nachzuweisen müsste ich in die Texte aber nochmal reinlesen, dafür bin ich gerade zu faul.

Welche Absichten die Autoren jeweils verfolgen ist für den Vergleich erstmal unerheblich. Mir ist Doctorow da durchaus am sympathischsten und ich halte "Little Brother" auch für den besten der drei Romane. (Was Matt Ruff wollte, ist mir ein komplettes Rätsel; ich bin beim Urteil über "88 Names" völlig bei dir.) Trotzdem kann ich diese Art von Protagonisten nicht mehr sehen, vor allem, weil man mMn so viele Chancen vergibt, wenn man sich mit solchen Darstellungen zufrieden gibt.

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Re: Bonusfolge 2: Ready Player One

Beitrag von Dachs von Ghissi » Mi 2. Dez 2020, 12:10

Ich möchte ergänzen, dass ich mit dem deutschen Film "Offline - Das Leben ist kein Bonuslevel" (2016) trotz des Namens durchaus Spaß hatte. Einige Elemente des Films sind sehr an Ready Player One angelehnt. Die Geschichte beginnt damit, dass die Hauptfigur (gespielt von Moritz Jahn, den man aus Dark kennt) mit seinem Helden kurz vor dem großen Endkampf in einem MMORPG aus dem System geworfen wird. Sein Konto wurde gehackt! Er muss das Problem nun im "RL" lösen - mit den zu erwartenden Problemen - zusammen mit einer Art Art3mis. Den finalen Kampf gibt es dann in der Arena des online-Rollenspiels. Lief vor einigen Monaten auf arte, aktuell glaube ich verfügbar sowohl auf prime, als auch bei netflix.

DexterKane
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Re: Bonusfolge 2: Ready Player One

Beitrag von DexterKane » Mi 2. Dez 2020, 18:36

Ich hab grad mal den Plot von Ready Player Two auf Wikipedia nachgelesen.

Da mochte wohl jemand Sword Art Online sehr gerne, das ist eine nahezu 1:1 Kopie, nur mit Splittersuche statt 100 Level Mega Dungeon.
Nachem ich den Film schon richtig kacke fand, werd ich die Bücher wohl weiterhin ignorieren, aber danke für die Warnung.

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NobodyJPH
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Re: Bonusfolge 2: Ready Player One

Beitrag von NobodyJPH » Mi 2. Dez 2020, 19:28

Für mich ist die Folge unterm Strich eine einzige große Kaufwarnung. Interessant war die Bonusfolge trotzdem. Da ich mit Ready Player One schonmal geliebäugelt habe, ist die Steady Unterstützung quasi gut angelegtes Geld für mich. :D

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ABMGW
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Re: Bonusfolge 2: Ready Player One

Beitrag von ABMGW » Do 3. Dez 2020, 08:04

DexterKane hat geschrieben:
Mi 2. Dez 2020, 18:36
Nachem ich den Film schon richtig kacke fand, werd ich die Bücher wohl weiterhin ignorieren, aber danke für die Warnung.
Der film ist das wenn man kriegt wenn man die schlimmsten sexistischen und creepigen Stellen aus dem Buch weglässt.

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Oliver Naujoks
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Re: Bonusfolge 2: Ready Player One

Beitrag von Oliver Naujoks » Di 8. Dez 2020, 08:36

ABMGW hat geschrieben:
Do 3. Dez 2020, 08:04
Der film ist das wenn man kriegt wenn man die schlimmsten sexistischen und creepigen Stellen aus dem Buch weglässt.
Vielleicht bin ich da unsensibel, aber welche wären denn das? Das ist mir so drastisch nicht aufgefallen.
Liest: "Through the Moongate", Andrea Contato // "Am Rio de la Plata", Karl May // Monster #8, Naoki Urasawa
Spielt: Brogue, Diablo III, Diablo, The Forgotten City, Ultima 7: The Black Gate, It Takes Two, MLB The Show

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Oliver Naujoks
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Re: Bonusfolge 2: Ready Player One

Beitrag von Oliver Naujoks » Di 8. Dez 2020, 09:04

Ironic Maiden hat geschrieben:
Mo 30. Nov 2020, 19:05
Ich kann ja verstehen, dass man sich danach sehnt, dass das was man persönlich gut kann oder weiß endlich mal ein gefragter Skill ist und man dadurch als einziger besondere Aufgaben lösen kann, aber das macht dann noch lange keine interessante und spannende Welt aus, sondern wird im schlimmsten Fall so platt und durchschaubar wie in "Ready Player One".

Leider fällt mir auch bei langem Überlegen kein Text ein, bei dem eine nerdige Hauptfigur nicht in dieser Plotfalle landet.
Ich weiß, was Du meinst und kann das nachvollziehen, aber das ist ja nun gerade die raison d'être des Romans, weshalb ich das nicht so negativ sehen kann. Wenn sich ein Nerd auf anderen Feldern bewähren muss, hast Du halt keine Nerd-Hommage mehr. Die wollte Cline halt schreiben.

Ich habe den Roman für die Fortsetzung nach der Erstlesung aktuell noch einmal wieder gehört dieses Jahr und hatte immer noch sehr, sehr viel Freude damit, auch wenn mir die Schwächen (unelegante Prosa, nicht richtig stimmige Welt, furchtbar viele Ichhaudenplotjetztpassend-Stellen und die eher mäßige romantische Story) durchaus aufgefallen sind. Aber ein Roman, in welchem man WarGames und Zork bereist, das kann ich nur gutheißen.

Auch wenn ich ein großes Problem erst beim zweiten Lesen so richtig gefunden habe: Der Roman macht aus seinen Popkultur-Referenzen nichts, sondern erwähnt diese nur (haben Jochen und Falko auch thematisiert), das stört mich schon sehr, denn damit sind wir im Territorium einer sehr beliebten Serie, die ich zutiefst verachte: The Big Bang Theory. Die macht das ganz genauso. Da funktioniert jeder Gag nach dem Schema:
"(Thema x)? IST JA WIE IN STAR TREK!!" - künstliches Gelächter.
Jeder Gag funktioniert da so. Das hasse ich aus tiefstem Herzen. Ähnlich ist das leider bei Cline.

Jochens Analogie mit Dan Brown-Romanen hat mir gut gefallen, darauf war ich nicht gekommen und ich halte die angesichts des Entstehungsjahres für durchaus naheliegend. Damals, 2011, waren Dan Browns Romane noch deutlich mehr der heiße Shit, was sie ja heute eigentlich nicht mehr sind. Auch wenn sie für Lübbe immer noch die Schatztruhen füllen, zumal dort Preise aufgerufen werden wie in der Anfangszeit des Buchdrucks, aber das nur nebenbei. Ansonsten hat Jochen aber recht: Dan Browns und Ernest Clines Romane funktionierten strukturell sehr ähnlich. Wie übrigens auch die Star Wars-Filme von J.J. Abrams. Ich bin selbst passionierter Gamer, halte aber in Büchern und Filmen von dieser Art des Fetchquest-Storytellings gar nichts.

Mir hat der Podcast gut gefallen, es wurden fast (dazu gleich) alle wichtigen Aspekte angesprochen, die beiden waren sogar milder, als ich es vermutet habe.

Was ich sehr vermisst habe und was die beiden auch angekündigt haben, was dann aber als eine Art Unfall hinten rüber gefallen ist (JUNGS, macht Euch vor ner Aufnahme mal ne To Do-Liste!!): Ich hätte sehr gerne noch ein paar Worte dazu gehört, wie sich die Verfilmung zum Buch verhält. Insbesondere, ob man, und das finde ich wirklich interessant, das große Dilemma hätte anders lösen können. Also das Dilemma, dass der Film aus naheliegenden Gründen aus Rücksicht vor den ganzen Mainstream-Muggles die für dieses Publikum 'exotischen' Referenzen (dazu zählen auch die o.g. WarGames und Zork) gestrichen und durch andere ersetzt hat (ein 0815-Autorennen und Shining z.B.) - und sich dadurch für mich zwei riesige Problemfelder eröffnet hat. Für Fans des Romans wie mich wirkt der FIlm jetzt wie ein Porno, aus welchem man alle Sex-Szenen rausgeschnitten hat und selbst davon abgesehen läuft er mit dem Kopf voraus in die Falle, die ein solcher Stoff mit sich bringt: Er ist, pardon my french, beliebiger, völlig seelenloser Sch+++en-Dreck. Den Film habe ich aktuell auch noch ein zweites Mal gesehen und wieder jede Minute gehasst. Ganz schlimm. Eine virtual reality mit ihrer Künstlichkeit, künstlichen Optik, künstlichen Problemen etc. ist häufig keine dankbare Filmvorlage - zumal sie in einem Film eben nicht interaktiv für uns ist.


Dicke, fette Warnung: Wie Falko habe auch ich bereits die Fortsetzung Ready Player Two intus und fand die ganz, ganz gräßlich, auch und gerade als Fan des ersten Romans. Alles was am Vorgänger ätzend war, wird jetzt auf 10 hochgedreht und Cline macht jeden auch nur erdenklichen Kardinal-Fehler: Der Plot wird einfach nochmal wiederholt (hochgejazzt natürlich), die kulturellen Referenzen erhalten jetzt in der Aufdringlichkeit und Masse Stopfleber-Format, und die Glaubwürdigkeit und Charakterisierung geht völlig über Bord. Am verblüffendsten ist aber, dass der Autor aus dem Quasi-Cyberpunk-Street-Helden des ersten Teils nun einen gelangweilten Multi-Milliardär macht, der sich größtenteils wie ein extrem aufgeblasenes A..loch aufführt. WTF?

Es gibt Dinge, die wünscht man seinem schlimmsten Feind nicht. Dazu zählen u.a. tödliche Krankheiten, Autounfälle, aber auch in Zukunft wohl mal ein Ready Player Three.

Ernest Cline ist ja der amerikanische Constantin Gillies. Den erwähnt Falko ja auch dankenswerter Weise kurz am Rande. Gillies hat gerade den dritten Roman einer Krimi-Trilogie publiziert und dort gibt es einen Helden, der ähnlich drauf ist wie Wade Watts. Was Gillies aber als Vorteil hat: Er kann schreiben. Sein launiger Schreibstil ist enorm unterhaltsam, ich lese jetzt gerade diesen dritten Krimi namens "Systemabsturz" und habe damit große Freude. Schade, dass die beiden Gillies nicht besprechen wollen, obwohl der doch eigentlich extrem ins Beuteschema vor dem Gaming-Hintergrund der beiden passen würde. Wirklich: Der kann schreiben! Aber Jochen hat das ja deutlich ausgeschlossen - wobei Jochen ja auch kein richtiger Gamer mehr ist*. :mrgreen:


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* das ist ein aktueller Running-Gag aus dem The Pod-Forum; wer also dort nicht mitliest, möge das bitte nicht als bösen Anwurf missverstehen 8-)
Liest: "Through the Moongate", Andrea Contato // "Am Rio de la Plata", Karl May // Monster #8, Naoki Urasawa
Spielt: Brogue, Diablo III, Diablo, The Forgotten City, Ultima 7: The Black Gate, It Takes Two, MLB The Show

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