Folge 61: Das (Jahres)ende und die Zukunft

Hier wird über die aktuelle Folge diskutiert. Und über alle anderen natürlich auch.
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falko
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Folge 61: Das (Jahres)ende und die Zukunft

Beitrag von falko » Mo 28. Dez 2020, 18:59

Zugegeben, wir sind ein wenig eskaliert und bedenklich nahe an die 2-Stunden-Grenze gerutscht. Wir wollten nur kurz über die Erkenntnisse aus unserer kleinen Umfrage, unsere Lieblingsbücher des Jahres und die Zukunft des Buchmarktes plaudern. Aber es war ein ereignisreiches Jahr und dann dauerte alles länger …

Wir bedanken uns bei allen Hörerinnen und Hörern, die uns begleitet, angehört und mitgelesen haben und freuen uns auf die Zukunft mit vielen weiteren Folgen. Denn etwas Optimismus kann nicht schaden.

Viel Spaß mit der neuen Folge und schliddert schadlos ins neue Jahr!

Folge 61: Das (Jahres)ende und die Zukunft
"I must say I find television very educational. The minute somebody turns it on, I go to the library and read a good book." - Groucho Marx

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Oliver Naujoks
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Re: Folge 61: Das (Jahres)ende und die Zukunft

Beitrag von Oliver Naujoks » Di 29. Dez 2020, 11:09

Danke für diese schöne Folge und auch danke für ein schönes Jahr mit/auf Kapitel Eins. Freue mich auf Euch nächstes Jahr!

Genau, ich gehöre auch zu den Hörern, die ihr meint: SF/F-Affinität ist da, aber BITTE nicht nur solche Sachen besprechen, Abwechslung muss sein. Sonst hätte ich Herrn Backman nie kennen gelernt. Und die Bücher von Frau Zeh möchte ich auch noch probieren.

Ja, das Thema Buchpreisbindung ist heikel, das solltet Ihr auf jeden Fall mal angehen und wegen der durchaus emotionalen Besetzung des Themas, ja, da müsst Ihr Euch gut vorbereiten (ich teile übrigens Jochens Ansicht da).

Sehr schmunzeln musste ich, als ihr (weiß nicht mehr, wer von Euch), meintet, dass man ein 500-Seiten-Buch nicht vor dem Frühstück liest. Ich lese seit 15-20 Jahren AUSSCHLIEßLICH vor dem Frühstück. Tagsüber finde ich nicht die Ruhe dazu, abends fallen mir beim Lesen zu schnell die Augen zu, deshalb stehe ich seit gut zwei Jahrzehnten für "meine" Bücher früher auf. Stichwort Lesegewohnheiten. Das wäre auch mal ein Thema für eine Folge! Ein wenig hat Jochen ja darüber schon erzählt in dieser Folge.
Liest: "Through the Moongate", Andrea Contato // "Am Rio de la Plata", Karl May // Monster #8, Naoki Urasawa
Spielt: Brogue, Diablo III, Diablo, The Forgotten City, Ultima 7: The Black Gate, It Takes Two, MLB The Show

Ironic Maiden
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Re: Folge 61: Das (Jahres)ende und die Zukunft

Beitrag von Ironic Maiden » Di 29. Dez 2020, 13:35

Danke für die Folge!

Es ist schade, dass Horror bei der Hörerschaft anscheinend nicht so gut ankommt. Andererseits muss man dabei vielleicht auch bedenken, dass die Grenzen zwischen Horror und anderen Genres sehr fließend sind und reiner Horror heute nur noch ein relativ enges Segment beschreibt. Meinem Eindruck nach werden viele Texte, die eigentlich als Horror klassifiziert werden könnten, heute mehr als Thriller vermarktet, oder vielleicht noch als "Dark Fantasy" oder sowas, weil Horror immer noch - und natürlich oft auch nicht zu Unrecht - als etwas schmuddeliges, exploitatives, handwerklich meist mittelmäßiges Genre gilt. (Was man aber selbstverständlich auch über Thriller sagen kann. Aber "normale" Leser*innen antworten auf die Frage, was sie gerne lesen, wahrscheinlich eher mit "Krimis und Thriller" als "Horror", weil das auch mehr ihrem Selbstverständnis entspricht.)

Es freut mich, dass "Sansibar oder der letzte Grund" erwähnt wurde, denn das ist ein Buch, das ich ebenfalls sehr mag. Meine Top 3 in diesem Jahr sind übrigens folgende:
"The Southern Book Club's Guide to Slaying Vampires" von Grady Hendrix, das -anders als der mMn unpassend humorige Titel nahelegt- ein großartiger, finsterer Horrorroman und gleichzeitig ein tiefgründiges Gesellschaftsportrait ist.
"Die salzweißen Augen" von Dietmar Dath, ein langer Essay über die Verbindung von Horror, Pornographie und Aufklärung.
"The Power of the Dog"/ "Tage der Toten" von Don Winslow, das hier demnächst ja besprochen wird und das mich immer wieder beschäftigt, obwohl meine Lektüre schon einige Monate her ist.

Das Thema Buchpreisbindung sehe ich etwas anders als Jochen und ich befürworte sie grundsätzlich, ich denke aber auch, dass es einige Aspekte gibt, die mich im Bezug auf den Umgang mit Büchern als Kulturgut stören. Ich finde es z.B. lächerlich, dass es bei der Onleihe über öffentliche Bibliotheken nur eine begrenzte Anzahl an "Exemplaren" gibt. Wieso muss man als Bibliotheksnutzer warten, bis ein digitales Exemplar "zurückgegeben" wird? Hier könnte man von Seiten des Staates mMn durchaus mehr Entgegenkommen von Verlagen verlangen, da Kulturförderung auch miteinschließen sollte, möglichst vielen Menschen den Zugang zu den geförderten Gütern zu ermöglichen.
Oliver Naujoks hat geschrieben:
Di 29. Dez 2020, 11:09
Ich lese seit 15-20 Jahren AUSSCHLIEßLICH vor dem Frühstück. Tagsüber finde ich nicht die Ruhe dazu, abends fallen mir beim Lesen zu schnell die Augen zu, deshalb stehe ich seit gut zwei Jahrzehnten für "meine" Bücher früher auf.
In den Ferien lese ich auch gerne vor dem Frühstück, wenn der Tag noch ruhig ist. Normalerweise muss ich um halb sechs aufstehen, da passt das weniger. Aber wenn ich mir meinen Tagesablauf völlig frei von Nervfaktoren wie Arbeit einteilen könnte, würde ich auch sagen: Morgens eine Stunde vor dem Frühstück lesen, und dann nachmittags nochmal zwei Stunden in einem Cafe. :D

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NobodyJPH
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Re: Folge 61: Das (Jahres)ende und die Zukunft

Beitrag von NobodyJPH » Di 29. Dez 2020, 15:46

Ich bin durchaus froh, dass meine Desinteresse gegenüber Horrorgeschichten von der Mehrheit geteilt wird. ;)

Wobei ich mich insbesondere auch über Besprechungen von Büchern freue, die ich niemals selbst lesen würde bzw. werde. Ich habe dann immer das gute Gefühl meinen Horizont erweitert zu haben.

Ich muss hier nochmal öffentlich anmerken: Vielen Dank, dass ihr die Bonusfolgen auf Anfrage auch kostenfrei verteilt! Ich bezahle mein Abo gerne, weil ich das Projekt unterstützen möchte und ich in der glücklichen Lage bin, mir das auch leisten zu können. Es freut mich, dass so großzügig damit umgegangen wird.

Ich wünsche euch allen einen guten Start ins neue Jahr!

SunshineBob
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Re: Folge 61: Das (Jahres)ende und die Zukunft

Beitrag von SunshineBob » Mi 30. Dez 2020, 14:02

Ich hab mich gefreut, dass meine Kritik bzgl der Thematik Besprechungen vor und hinter der Paywall Erwähnung fand. Ich wollte dazu keine Diskussion vom Zaun brechen (daher habe ich das auch in der Umfrage untergebracht und nicht ins Forum geschleppt), gerade auch, weil ich mich grundsätzlich mit Kritik an Dingen zurückhalten möchte, die ich kostenlos zur Verfügung gestellt bekomme (wer nicht zahlt sollte sich auch nicht beschweren ;) )

Ich finde es ja auch euer gutes Recht mit eurem Content so zu verfahren, wie es euch beliebt, das hatte ich ja nicht kritisiert (hat Jochen ja zum Glück auch nicht so verstanden).
Tatsächlich war das Ganze wohl ein Kommunikationsproblem; wenn ihr wirklich nur solche Buchbesprechungen hinter die Paywall packt, die es sonst gar nicht gegeben hätte, ja dann wird echt niemandem "was weg genommen". Klang bei der Einführung für mich irgendwie anders, aber ich bin da wohl durch andere Podcasts empfindlich geworden. Leider schreitet die Kommerzialisierung in dem Bereich stetig voran und führt an vielen Stellen dazu, dass kleine Hobbyprojekte, die ich gerne gehört habe, der Meinung sind sie müssen jetzt dann doch mal auch was von den Podcast-Millionen, die vermeintlich auf der Straße liegen, abbekommen. Ich hätte durch meine guten Erfahrungen mit dem Gamepodcast wissen müssen, dass dieser Podcast hier ebenfalls ein positives Gegenbeispiel bilden wird. Wenn meine Finanzen das irgendwann mal zulassen, dann bekommt der Falko auch mal was von mir (Jochen bekommt ja schon mein Gamespodcast-Geld :mrgreen: )

Flo
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Re: Folge 61: Das (Jahres)ende und die Zukunft

Beitrag von Flo » Sa 2. Jan 2021, 17:29

Auf eine Folge zum Thema Buchpreisbindung habe ich jetzt mehr Lust als zuvor. Hoffentlich kommt ihr 2021 mal dazu und vielleicht sogar auch zu anderen "Buchhandelsthemen".
Ich glaube es würde der Branche insgesamt ganz gut tun, wenn sie sich davon verabschieden müsste und in der Folge in einigen Punkten professioneller und aggressiver handeln müsste, um kompetitiv zu bleiben.
Dass die Preisbindung das "Kulturgut Buch" schützt, braucht mir eh keiner ernsthaft behaupten. Jeder Blick in einen Buchladen ist Gegenargument genug.

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NobodyJPH
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Re: Folge 61: Das (Jahres)ende und die Zukunft

Beitrag von NobodyJPH » So 3. Jan 2021, 08:57

Die Folge zum Thema Buchpreisbindung würde mich auch sehr interessieren.
SunshineBob hat geschrieben:
Mi 30. Dez 2020, 14:02
Tatsächlich war das Ganze wohl ein Kommunikationsproblem; wenn ihr wirklich nur solche Buchbesprechungen hinter die Paywall packt, die es sonst gar nicht gegeben hätte, ja dann wird echt niemandem "was weg genommen".
Nach aktuellem Stand hat man als Free-User ja sogar eine Folge geschenkt bekommen (das Interview), die es sonst vielleicht gar nicht gegeben hätte bzw. die sonst eine andere Folge ersetzt hätte. Ich bin sehr zuversichtlich, dass es sich hier um ein faires Modell handelt.

Abbadon
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Re: Folge 61: Das (Jahres)ende und die Zukunft

Beitrag von Abbadon » Mi 20. Jan 2021, 06:30

Ich bin vermutlich ein wenig spät dran, aber dennoch danke für die Folge!

Eine Errungenschaft, die ihr euch auf jeden Fall zurechnet könnt, ist es einen Zuhörer davon zu überzeugen ein neues Genre auszuprobieren. :lol:
Ich war nie ein großer Fan von Horror-Geschichten, vor allem im Film-Bereich meide ich es zu 100%. Aber nachdem ich mir den Podcast zu Es angehört hatte, dachte ich mir: "Jetzt probierst du es aus" ... und habe mir die Kindle-Version geholt.

Zur digitalen Entwicklung: Ich bin leider und glücklicherweise in dem Bereich der Prozessautomatisierung tätig. Dort wird oft von AI/KI und intelligenten Algorithmen gesprochen. In der Realität sieht es aber oft so aus, dass schlicht und einfach herkömmlicher Code, ohne jeglichen Anteil von Machine Learning und anderer Buzz-Worts, Arbeitsplätze ersetzt. Um ehrlich zu sein, hatte ich vor allem zu Beginn meiner Karriere eine ähnliche Perspektive wie Jochen gehabt und mir gedacht ... wenn ihr euch auf etwas spezialisiert, was ein gut trainierter Schimpanse erledigen kann, war das vielleicht nicht die beste Berufswahl. Im Nachhinein merke ich jedoch, dass es differenzierter ist. Es gibt unglaublich viele Tätigkeiten, die aktuell von Millionen Menschen in Deutschland ausgeführt werden, die in den Bereich "Simple Process" fallen. Daran hängen Menschen, deren Fähigkeiten begrenzt sind, die kein intellektuelles Bürgerhaus als Startvoraussetzung hatten oder einfach die Sprache nicht genügend beherrschen für komplexe Prozesse. Schicksale von Menschen die oft zu den Schwächeren der Gesellschaft gehören. Am Ende müssen wir uns Fragen, wer die Produkte konsumieren wird, wenn ein Großteil der Wertschöpfung von Maschinen erledigt wird. In meiner Vorstellung sollte ein Journalist auch nicht nur News der DPA usw. paraphrasieren, aber vielleicht hilft es einem Praktikanten sein Studium damit zu finanzieren.

MacTob
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Re: Folge 61: Das (Jahres)ende und die Zukunft

Beitrag von MacTob » Fr 22. Jan 2021, 18:26

Ironic Maiden hat geschrieben:
Di 29. Dez 2020, 13:35
Ich finde es z.B. lächerlich, dass es bei der Onleihe über öffentliche Bibliotheken nur eine begrenzte Anzahl an "Exemplaren" gibt. Wieso muss man als Bibliotheksnutzer warten, bis ein digitales Exemplar "zurückgegeben" wird? Hier könnte man von Seiten des Staates mMn durchaus mehr Entgegenkommen von Verlagen verlangen, da Kulturförderung auch miteinschließen sollte, möglichst vielen Menschen den Zugang zu den geförderten Gütern zu ermöglichen.
Der Verlag hat eben nichts zu verschenken. Die Bibliotheken kaufen bei den Verlagen Lizenzen ein und je mehr Lizenzen umso teurer wird es für die Bibliothek. Im Regal hat die Bibliothek ja auch nur eine bestimmte Anzahl von Büchern stehen und wenn diese vergriffen sind, dann muss man eben warten bis jemand ein Buch wieder zurückgebracht hat.

Ironic Maiden
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Re: Folge 61: Das (Jahres)ende und die Zukunft

Beitrag von Ironic Maiden » Sa 23. Jan 2021, 11:03

MacTob hat geschrieben:
Fr 22. Jan 2021, 18:26
Ironic Maiden hat geschrieben:
Di 29. Dez 2020, 13:35
Ich finde es z.B. lächerlich, dass es bei der Onleihe über öffentliche Bibliotheken nur eine begrenzte Anzahl an "Exemplaren" gibt. Wieso muss man als Bibliotheksnutzer warten, bis ein digitales Exemplar "zurückgegeben" wird? Hier könnte man von Seiten des Staates mMn durchaus mehr Entgegenkommen von Verlagen verlangen, da Kulturförderung auch miteinschließen sollte, möglichst vielen Menschen den Zugang zu den geförderten Gütern zu ermöglichen.
Der Verlag hat eben nichts zu verschenken. Die Bibliotheken kaufen bei den Verlagen Lizenzen ein und je mehr Lizenzen umso teurer wird es für die Bibliothek. Im Regal hat die Bibliothek ja auch nur eine bestimmte Anzahl von Büchern stehen und wenn diese vergriffen sind, dann muss man eben warten bis jemand ein Buch wieder zurückgebracht hat.
Das ist mir völlig klar. Aber im Kontext des Podcasts ging es ja darum, dass Verlage durch die Buchpreisbindung eine Förderung bekommen, die damit begründet wird, dass Bücher ein schützenswertes Kulturgut sind. Und deswegen bin ich der Meinung, dass sie für diesen Vorteil auch etwas zurückgeben können, z.B. in Form von Entgegenkommen gegenüber öffentlichen Bibliotheken, die ebenfalls den Zugang zu Kulturgütern sicherstellen sollen und mit öffentlichen Mitteln finanziert werden.

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