Folge 68: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo

Hier wird über die aktuelle Folge diskutiert. Und über alle anderen natürlich auch.
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falko
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Folge 68: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo

Beitrag von falko » Di 6. Apr 2021, 15:31

Das Westdeutschland der späten 70er und frühen 80er wurde von diesem Buch und der Verfilmung stark geprägt. Die Journalisten Kai Hermann und Horst Rieck führten Gespräche mit einer jungen Frau, die anonymisiert als “Christiane F.” erzählt, wie sie mit 13 Jahren in die Drogenszene in Berlin abgleitet. Zunächst als Mehrteiler im “Stern” erschienen, entwickelte sich das Buch und wenige Jahre später die Verfilmung von Uli Edel zu einem Phänomen. Das Buch war jahrelang Pflichtlektüre an deutschen Schulen.

An allen deutschen Schulen? Nicht für uns beide, deren Deutschlehrer*innen sich lieber anderer Problemliteratur widmeten. Wo nun eine Neuverfilmung in Serienform zu sehen ist, haben wir es gewagt, das Buch einer neuzeitlich-kritischen Prüfung zu unterziehen. Und den Film. Und die neue Verfilmung.

Damit nicht genug: In der nächsten regulären freien Folge am 20. April 2021 reden wir mit der Schauspielerin Lena Urzendowsky, die in der Serienverfilmung von “Wir Kinder vom Bahnhof Zoo” eine der Hauptrollen gespielt hat. Wir fragen sie, welche Erfahrung das Lesen des Buches für sie war und wie sie die Dreharbeiten erlebt hat. Außerdem lernen wir sie als Leserin kennen und erfahren, was ihr Lieblingsbuch ist.

Viel Spaß mit der neuen Folge!

Folge 68: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo
"I must say I find television very educational. The minute somebody turns it on, I go to the library and read a good book." - Groucho Marx

marc12
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Re: Folge 68: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo

Beitrag von marc12 » Di 6. Apr 2021, 20:38

Hallo Jochen und Falko
Hätte Falko mal das Hörbuch Das Berlin der Kinder vom Bahnhof Zoo. Eine Audio-Dokumentation sich angehört.
Dort sind nämlich viele tonbandaufnahmen mit O-Töne der 15 jährigen Christiane F. zu hören die sie mit den zwei Journalisten Horst Rieck und
Kai Hermann für das Buch Wir Kinder vom Bahnhof Zoo führt. Den die Tonbandaufnahem wiederlegen nämlich viele der Thesen die ihr aufstellt zum
beispiel das über die Gesamtschule den in den Tonbandaufnahem sagt sie das auch so.
Bitte die Audio doku mal anhören ihr wärt überrascht wie viel sie da genau so erzählt wie es dann auch im Buch steht.

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falko
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Re: Folge 68: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo

Beitrag von falko » Mi 7. Apr 2021, 06:04

Hm, dann muss ich wohl das Probeabo beginnen, um das zu checken ...
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marc12
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Re: Folge 68: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo

Beitrag von marc12 » Fr 9. Apr 2021, 14:47

Hallo Falko wollte nur mal fragen ob du schonn dazu gekommen bist dir die audiodoku anzuhören.
Mich würde echt interessieren ob sie deine Meinung zum buch geändert hat.

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falko
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Re: Folge 68: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo

Beitrag von falko » Fr 9. Apr 2021, 14:48

Geladen, gesehen, dass es 9 Stunden sind, noch nicht viel gehört. :D Ich hab gerade ziemlich viel um die Ohren, aber werde hier rückmelden, wenn ich dazu gekommen bin.
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marc12
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Re: Folge 68: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo

Beitrag von marc12 » Fr 9. Apr 2021, 17:54

Super danke für deine bemühungen nur keinen Stress machen hat Zeit

Shenmi
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Re: Folge 68: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo

Beitrag von Shenmi » Sa 10. Apr 2021, 09:05

Ich muss zum ersten Mal sagen, dass ich den Podcast nicht sonderlich gut fand.
Die Kritik des Buches ergeht sich in Mutmaßungen und auch wenn ich diverse Einschätzungen teile (Zielgruppe des Buches etc.), sind andere Einschätzungen teilweise wirklich naiv - um mal Falco zu zitieren.
Wir haben einen guten Freund, der fast ein Jahrzehnt drogenabhängig gewesen ist und nachdem was der so erzählt hat, kommt mir das Buch tatsächlich geschönt vor.
Er stammt gebürtig aus Ostdeutschland und ist nach der Wende zunächst in die Kriminalität abgerutscht, bevor er in den lukrativen Drogenhandel eingestiegen ist (Verteiler Ebene) und irgendwann selbst sein bester Kunde wurde. Inklusive totalem Absturz, Heroin, Gefängnis, Obdachlosigkeit, hundert Entzügen usw.
Heute ist er da raus, hat ein Kind und geht einer geregelten Arbeit nach. Er ist immer noch im Methadon Programm, wobei er aber irgendwelche Tabletten nimmt, die wohl moderner sind und ein freieres Leben ermöglichen. Ansonsten hat er keinen Beikonsum - wie er es nennt - und auch keinen Kontakt mehr, zur Szene. Dafür musste er aber auch den Wohnort wechseln, sein Leben nochmal vollkommen neu starten. Ausbildung mit über 30 Jahren usw.
Der hat Geschichten auf Lager, da kommt man als normaler Mensch gar nicht aus dem Staunen heraus. Das ist soweit weg von unserer Realität, wie es nur irgend geht. Und wie ihr sagt, erzählt er auch regelmäßig von den "Vorteilen", die sich erst spät als Nachteile entpuppten. Vom vielen Geld das durch seine Hände ging, von wilden Party Exzessen, Frauen, teuren Autos, Uhren, Urlauben....und das alles am Ende nichts wert gewesen ist. Was er aber erst gemerkt hat als seine Tochter geboren wurde. Erst das hat ihm die Augen geöffnet, obwohl er da schon Jahre von der eigentlichen Sucht weg war.

Wo ich Jochen allerdings recht gebe, ist die fehlerhafte Drogenpolitik. Diese produziert nur haufenweise Elend und beschert den Produzenten und Verkäufern Gewinnmargen, von denen wir nicht mal träumen können.
Mir konnte auch noch niemand erklären, weshalb ich mich ganz legal mit Alkohol in den Tod saufen darf, gern täglich und ohne das es jemanden interessiert, aber wenn ich mal feiern gehe oder mir zu Hause ein paar Substanzen zuführe, die auch noch natürlichen Ursprunges sind, ist das auf einmal ein riesen Problem.
Das Ganze an einigen Extremfällen festzumachen ist genauso dumm, wie diese zu negieren. Man wird diese Drogen Geschichte sowieso niemals aufhalten, dafür ist der Bedarf viel zu groß und auch zu alt.

Ironic Maiden
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Re: Folge 68: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo

Beitrag von Ironic Maiden » Di 13. Apr 2021, 14:43

Vielen Dank für die Folge. Hier ein paar unzusammenhängende Anmerkungen:

Es ist für mich lange her, dass ich das Buch gelesen habe, aber ich halte die Aussage, dass Christiane F. zu reflektiert sprechen würde, für nicht ganz haltbar. Gerade Jugendliche, die viele Erfahrungen mit Therapien und Sozialarbeitern gemacht haben, können meiner Erfahrung nach sehr klar und erstaunlich distanziert und fundiert über sich und ihr Verhalten reden. Das haben sie gelernt und übernommen. Ich bin durchaus nicht besonders genialen Jugendlichen begegnet, die viele Auffälligkeiten und Probleme hatten, und die Gründe dafür und ihre Persönlichkeit ziemlich genau analysiert haben. Sie waren eben nur nicht in der Lage, die Schlussfolgerungen daraus im Alltag umzusetzen. Insofern halte ich es für nicht ausgeschlossen, dass viele der Aussagen im Buch tatsächlich so von Christiane gemacht wurden, weil sie diese schon in Therapien durchgesprochen hatte.

In meinen 13 Berufsjahren als Deutschlehrerin habe ich "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" nie selbst behandelt und werde es wahrscheinlich auch nicht machen. Ich begegne aber immer wieder Schüler*innen, die das Buch gelesen haben, manchmal privat und manchmal im Unterricht, und die es sehr mögen. Ich denke, dass viele Jugendliche gerne Bücher lesen, die sie für "echt" und "realistisch" halten, die ihnen einen Einblick in die "wirkliche Welt" geben. (Ob die Darstellungen in den Büchern wirklich so realistisch sind, spielt dabei erstmal keine Rolle, das können die Schüler*innen häufig auch nicht gut beurteilen, weil sie eben genau diese Erfahrungen nicht haben. Aber sie wollen, dass es sich "echt" anfühlt.) Ich hätte auch nie gedacht, dass so ein Text heute noch Jugendliche anspricht, aber es ist eines dieser Bücher, die immer so mitschwimmen.

Zum Thema, dass man das Buch gut mit anderen Fächern z.B. Geschichte kombinieren und als Zeitdokument besprechen könnte: Ja, klar, mir ist auch beim Hören aufgefallen, dass das ein nettes Double Feature mit "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" sein könnte, oder dass man ein spannendes Projekt zum Thema Moralpanik daraus machen könnte. Allerdings finde ich es immer schwierig, wenn Nicht-Deutschlehrer*innen tolle Vorschläge für Lektüren in "höheren Klassen" / "fortgeschrittenen Lerngruppen" haben. Dabei wird nämlich vergessen, dass es für genau diese Lerngruppen, nämlich die gymnasiale Oberstufe, zentral vorgegebene Leselisten gibt. In der Q1/2 (12./13. Klasse) kann ich als Lehrerin nicht frei entscheiden, was gemacht wird, sondern muss die Werke lesen, aus denen auch die Aufgaben fürs Abitur generiert werden. Ansonsten würde ich meine Schüler*innen unvorbereitet ins Abi schicken. In der E-Phase (11. Klasse) konzentriert man sich dann darauf, die Schüler*innen auf diese Lektüren vorzubereiten, da es schlichtweg unfair wäre, Leute, die noch nie ein älteres Werk gelesen haben, vor die Entscheidung für oder gegen den Deutschleistungskurs zu stellen. Somit bleibt auch da wenig Luft für spannendere oder originellere Ideen und Projekte, so gerne ich sie machen würde. Und ganz ehrlich, spannende Sachen für die Oberstufe zu finden ist nicht schwer, da fallen den meisten einigermaßen belesenen Menschen welche ein. Es ist in der Altersstufe unter den schulischen Gegebenheiten aber kaum möglich.
(Viel schwerer ist es, coole Projekte für pubertierende Nichtleser in der 8./9. Klasse zu finden, die mit langen und komplexen Texten überfordert sind, und von vorne herein schon keine Lust auf irgendwas haben. Da kommen immer viel weniger Ideen aus der breiten Bevölkerung...)

Ansonsten eine nette Folge, auch wenn ich die Serie für überwiegend schlecht halte, und alles, was Jochen positiv hervorgehoben hat, schon von anderen Filmen und Serien besser gemacht wurde. :D

Nimlod
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Re: Folge 68: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo

Beitrag von Nimlod » Mi 14. Apr 2021, 09:50

Shenmi hat geschrieben:
Sa 10. Apr 2021, 09:05
Ich muss zum ersten Mal sagen, dass ich den Podcast nicht sonderlich gut fand.
Die Kritik des Buches ergeht sich in Mutmaßungen und auch wenn ich diverse Einschätzungen teile (Zielgruppe des Buches etc.), sind andere Einschätzungen teilweise wirklich naiv - um mal Falco zu zitieren.
Wir haben einen guten Freund, der fast ein Jahrzehnt drogenabhängig gewesen ist und nachdem was der so erzählt hat, kommt mir das Buch tatsächlich geschönt vor.
Er stammt gebürtig aus Ostdeutschland und ist nach der Wende zunächst in die Kriminalität abgerutscht, bevor er in den lukrativen Drogenhandel eingestiegen ist (Verteiler Ebene) und irgendwann selbst sein bester Kunde wurde. Inklusive totalem Absturz, Heroin, Gefängnis, Obdachlosigkeit, hundert Entzügen usw.
Heute ist er da raus, hat ein Kind und geht einer geregelten Arbeit nach. Er ist immer noch im Methadon Programm, wobei er aber irgendwelche Tabletten nimmt, die wohl moderner sind und ein freieres Leben ermöglichen. Ansonsten hat er keinen Beikonsum - wie er es nennt - und auch keinen Kontakt mehr, zur Szene. Dafür musste er aber auch den Wohnort wechseln, sein Leben nochmal vollkommen neu starten. Ausbildung mit über 30 Jahren usw.
Der hat Geschichten auf Lager, da kommt man als normaler Mensch gar nicht aus dem Staunen heraus. Das ist soweit weg von unserer Realität, wie es nur irgend geht. Und wie ihr sagt, erzählt er auch regelmäßig von den "Vorteilen", die sich erst spät als Nachteile entpuppten. Vom vielen Geld das durch seine Hände ging, von wilden Party Exzessen, Frauen, teuren Autos, Uhren, Urlauben....und das alles am Ende nichts wert gewesen ist. Was er aber erst gemerkt hat als seine Tochter geboren wurde. Erst das hat ihm die Augen geöffnet, obwohl er da schon Jahre von der eigentlichen Sucht weg war.

Wo ich Jochen allerdings recht gebe, ist die fehlerhafte Drogenpolitik. Diese produziert nur haufenweise Elend und beschert den Produzenten und Verkäufern Gewinnmargen, von denen wir nicht mal träumen können.
Mir konnte auch noch niemand erklären, weshalb ich mich ganz legal mit Alkohol in den Tod saufen darf, gern täglich und ohne das es jemanden interessiert, aber wenn ich mal feiern gehe oder mir zu Hause ein paar Substanzen zuführe, die auch noch natürlichen Ursprunges sind, ist das auf einmal ein riesen Problem.
Das Ganze an einigen Extremfällen festzumachen ist genauso dumm, wie diese zu negieren. Man wird diese Drogen Geschichte sowieso niemals aufhalten, dafür ist der Bedarf viel zu groß und auch zu alt.
Nur mal aus Neugier, weil ich mich damit eigentlich nie beschäftigt habe: Was wäre denn eine geeignete Drogenpolitik? Meiner nicht besonders reflektierten Meinung nach wäre "Alles legal!" jetzt nicht unbedingt so geil.

Jochen
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Re: Folge 68: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo

Beitrag von Jochen » Mi 14. Apr 2021, 20:57

Nimlod hat geschrieben:
Mi 14. Apr 2021, 09:50
Nur mal aus Neugier, weil ich mich damit eigentlich nie beschäftigt habe: Was wäre denn eine geeignete Drogenpolitik? Meiner nicht besonders reflektierten Meinung nach wäre "Alles legal!" jetzt nicht unbedingt so geil.
Alles legal vielleicht nicht - aber lies' dich mal ein bisschen in die portugiesische Drogenpolitik ein und du siehst schnell, dass "alles nicht kriminell" womöglich eine ziemlich gute Idee für sehr viele diesbezügliche Probleme ist. Das ist die wahrscheinlich beste Case Study, die es je im Hinblick auf unterschiedliche Drogenpolitik und ihre Effekte gab, und die Resultate sind erstaunlich.

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