Folge 68: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo

Hier wird über die aktuelle Folge diskutiert. Und über alle anderen natürlich auch.
Nimlod
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Re: Folge 68: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo

Beitrag von Nimlod » Mi 14. Apr 2021, 21:07

Jochen hat geschrieben:
Mi 14. Apr 2021, 20:57
Nimlod hat geschrieben:
Mi 14. Apr 2021, 09:50
Nur mal aus Neugier, weil ich mich damit eigentlich nie beschäftigt habe: Was wäre denn eine geeignete Drogenpolitik? Meiner nicht besonders reflektierten Meinung nach wäre "Alles legal!" jetzt nicht unbedingt so geil.
Alles legal vielleicht nicht - aber lies' dich mal ein bisschen in die portugiesische Drogenpolitik ein und du siehst schnell, dass "alles nicht kriminell" womöglich eine ziemlich gute Idee für sehr viele diesbezügliche Probleme ist. Das ist die wahrscheinlich beste Case Study, die es je im Hinblick auf unterschiedliche Drogenpolitik und ihre Effekte gab, und die Resultate sind erstaunlich.
ah ok, mach ich! Danke :)

Jochen
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Re: Folge 68: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo

Beitrag von Jochen » Mi 14. Apr 2021, 21:28

Shenmi hat geschrieben:
Sa 10. Apr 2021, 09:05
Ich muss zum ersten Mal sagen, dass ich den Podcast nicht sonderlich gut fand.
Die Kritik des Buches ergeht sich in Mutmaßungen und auch wenn ich diverse Einschätzungen teile (Zielgruppe des Buches etc.), sind andere Einschätzungen teilweise wirklich naiv - um mal Falco zu zitieren
Okay. Aber welche Einschätzung von uns war denn jetzt naiv? Ich habe nämlich nicht den Eindruck, als hätten wir Drogen und die daraus resultierenden persönlichen, sozialen und gesellschaftlichen Probleme auch nur ansatzweise auf die leichte Schulter genommen - im Gegenteil. Insofern bin ich ganz ehrlich verwirrt, was du mir mit der Anekdote aus dem Freundeskreis sagen willst. Ich kenne selbst solche Menschen. Mehrere. Teilweise noch "krasser" unterwegs. Unter anderem deshalb lässt mich deine Kritik etwas ratlos zurück. Waren wir jetzt zu "nett" den Drogen gegenüber oder nicht nett genug oder wie oder was oder warum? :?

Heretic
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Re: Folge 68: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo

Beitrag von Heretic » Do 22. Apr 2021, 15:33

Bei Amazon Prime gibt's übrigens auch eine dreiviertelstündige Doku namens "Christiane F. und die Kinder vom Bahnhof Zoo":
https://www.amazon.de/-/en/Julia-Driese ... 332&sr=8-1

Vom Infogehalt eher dürftig, aber schon interessant zu sehen, was aus den Leuten geworden ist. Und teilweise echt erschreckend.

Ich habe den Podcast noch nicht gehört und weiß daher nicht, wie der Roman und die Verfilmung abschneiden. Den Film halte ich auch heute noch für absolut sehenswert. Die Neuauflage in Serienform fand ich allerdings grottenschlecht. Meiner Meinung nach verharmlost sie den exzessiven Konsum harter Drogen, wirkt stellenweise arg unglaubwürdig und driftet in den traumartigen Sequenzen auch noch ins unfreiwillig Komische ab.

Dachs von Ghissi
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Re: Folge 68: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo

Beitrag von Dachs von Ghissi » Sa 1. Mai 2021, 12:59

Dem Podcast habe ich es zu verdanken, dass ich mich mit Film und Serie zu „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ beschäftigt habe. Das Buch kenne ich zwar noch nicht, es wird aber demnächst gelesen, um die Erfahrung komplett zu machen.

Der Film von Uli Edel hat mich sehr beeindruckt: Die drastischen Bilder (Stichwort: weitergereichte Spritze auf der öffentlichen Toilette oder die schonungslose Darstellung des Entzugs), die zombieeske Szene in der Unterführung (sehr gute Musik an dieser Stelle), der Bowie-Auftritt und das abrupte Ende, in dem die Wende nicht durch einen Gesinnungswandel oder eine Handlung der Hauptfigur herbeigeführt wird – sondern fiktionsuntypisch völlig unabhängig von ihr. Anders als Falko es kurz ansprach war für mich die Entwicklung von Christiane jederzeit nachvollziehbar. Allein die unterschiedlichen Arten, wie sie im Laufe ihrer Entwicklung den Club betritt (erst immer selbstbewusster, dann immer kaputter), waren gut überlegt und gespielt. Da gab es eher bei der Serie für mich eine Bruch, als sie sich zu plötzlich sexy und selbstbewusst anzog und verhielt.

Die Serie hätte ich mir nie angesehen, da die Kritiken eindeutig waren. Neugierig gemacht hat mich die abweichende Meinung von Falko und Jochen. Und auch wenn mein Urteil im Ergebnis zwiespältig ist, habe ich mich von der Serie interessant unterhalten gefühlt. Auch mir hat der magische Realismus gefallen und auch die schauspielerische Leistung. Meine Kritikpunkte wären jedoch

- Der halbherzige Versuch, die Geschichte aus einer konkreten Zeit und von einem bestimmten Ort zu lösen. Ist ja schön, wenn man Drogen und Sucht allgemein thematisieren will, dann bekommt man vielleicht mehr Zuschauer, der Reiz der speziellen Kombination aus der eingeschlossenen hässlichen Stadt in den 70ern mit ihrer im Gegensatz dazu farbenfrohen Musik und ihren dann aber wieder hässlichen (und hässlich machenden) Drogen geht dann aber verloren. Heroin und die die aktuelle Musik, die im Sound immer zu hören war, nein das hat sich für mich bis zum Schluss gebissen. Und dann die Ausflüge von Berlin aus ins Grüne und mal so nach Prag… (das ging doch damals gar nicht, oder? Ist vermutlich der teilweisen Förderung der Serie aus Tschechien geschuldet). Andererseits dann aber wieder ganz konkret die Überwachungs-Paranoia durch den DDR-Apparat. 5 Sekunden lang sah man sogar den halben Honecker. Ja was jetzt?

- Ganz schlimm fand ich, dass man mit emotionalen Szenen in der Serie nie „in Ruhe gelassen“ wurde. Immer gab es ein Hintergrund-Lied (oft sogar mit Gesang). Ich hatte die Assoziation, musikalisch zugekleistert zu werden.

- Der cast der Familie von Christiane. Es war zwar sehr interessant, die Argumente von Lena in Eurem Interview zu hören, dennoch bin ich nicht ganz überzeugt. Hätte man nicht trotzdem Schauspieler und Schauspielerinnen finden können, die 18 oder älter sind, und trotzdem einfach jünger aussehen? Bei Babsi hat es ja auch funktioniert. Und die Eltern von Christiane wirkten im Verhältnis zu ihrer Tochter viel zu jung. Warum gerade diese Schauspieler? Ehrlich, wir haben während der ersten Folge laut lachen müssen, als wir kapierten, dass das die Eltern und das die Tochter sein soll.

Vielen Dank für Besprechung und Interview. Gerne mehr davon.

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falko
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Re: Folge 68: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo

Beitrag von falko » Sa 1. Mai 2021, 14:05

Dachs von Ghissi hat geschrieben:
Sa 1. Mai 2021, 12:59
Der cast der Familie von Christiane. Es war zwar sehr interessant, die Argumente von Lena in Eurem Interview zu hören, dennoch bin ich nicht ganz überzeugt. Hätte man nicht trotzdem Schauspieler und Schauspielerinnen finden können, die 18 oder älter sind, und trotzdem einfach jünger aussehen?
Fun fact: der Darsteller des Vaters von Christiane ist Lena Urzendowskys Bruder. :D Sie sagt in einem Print-Interview, dass die beiden völlig unabhängig voneinander gecastet wurden und erst nach der jeweiligen Zusage davon erfahren haben.

Danke für die Rückmeldungen, allerseits!
"I must say I find television very educational. The minute somebody turns it on, I go to the library and read a good book." - Groucho Marx

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Re: Folge 68: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo

Beitrag von falko » Mo 3. Mai 2021, 12:07

marc12 hat geschrieben:
Fr 9. Apr 2021, 14:47
Hallo Falko wollte nur mal fragen ob du schonn dazu gekommen bist dir die audiodoku anzuhören.
Mich würde echt interessieren ob sie deine Meinung zum buch geändert hat.
Schon mal als Vorankündigung: ich bin in den letzten Zügen mit der Audio-Doku und werde in 14 Tage in der Sammelfolge ausführlich was dazu erzählen. :)
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Re: Folge 68: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo

Beitrag von marc12 » Mo 3. Mai 2021, 14:27

:D :D

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