Folge 92: Thema "Onleihe"

Hier wird über die aktuelle Folge diskutiert. Und über alle anderen natürlich auch.
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falko
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Folge 92: Thema "Onleihe"

Beitrag von falko »

Diesmal gibt es eine Folge zur „Onleihe“, also dem digitalen Leihsystem der öffentlichen Bibliotheken. Wie sich das im Hinblick auf E-Books ändern soll, ist seit Jahren umstritten, und nun eine Aufgabe, mit der sich die Ampel-Regierung irgendwann befassen muss. In die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit ist das Thema Ende 2021 gerückt, als eine Kampagne mit ganzseitigen Anzeigen in großen Zeitungen darauf aufmerksam machte. Falko war kein Fan dieser Kampagne, schrieb einen leicht lästerhaften Tweet, der machte die Runde, und zack, hier gibt’s die Folge dazu.

Viel Spaß damit!

Folge 92: Thema "Onleihe"
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martin
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Re: Folge 92: Thema "Onleihe"

Beitrag von martin »

Ich bin bei dem Thema Onleihe ziemlich eurer und eher Falkos Meinung. Es kann ja auch einen sozialen Ausgleich geben. Warum zahlen alle den selben Beitrag? Es ist generell problematisch wenn eine „Kulturflatrate“ privatisiert wird, sei es durch Spotify, Kindle Unlimited oder Netflix. Hier wird eine Lücke gefüllt die der Staat zB mit Bibliotheken hätte erfüllen können.

Ein Problem hat die Onleihe jedoch und das ist DRM. Das basiert ja auf Adobe DRM und das ist seit Jahren kaputt. Der Kopierschutz lässt sich hier genauso leicht entfernen wie bei einem gekauften EPUB. Ich halte DRM für gekaufte Büchet für falsch, aber bei der Onleihe geht es nicht anders. Ich weiß nicht wie viele das ausnutzen und ein Buch ausleihen und dann behalten. Aber das ist ein technisches Problem und das muss dann die Buchbranche lösen.
beedaddy
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Re: Folge 92: Thema "Onleihe"

Beitrag von beedaddy »

@Jochen:
Wenn du einen "unabhängigen" E-Reader haben möchtest, würde ich dir derzeit zu einem Pocketbook-Gerät raten. Ich habe den »Touch HD 3« (6 Zoll) sowie das »Inkpad 3 Pro« (7,8 Zoll) und kann beide empfehlen. Die Software darauf ist etwas umfangreicher als bei den Amazon und Tolino-Geräten und zu Beginn vielleicht nicht sooo intuitiv. Man kann den Shop aber über den Support auf die Lieblingsbuchhandlung umstellen lassen (sofern bedient von Umbreit oder Zeitfracht). Im Gegensatz zu den Tolinos funktioniert darauf die Onleihe mit dem LCP/CARE DRM völlig einwandfrei. Was mich aber an den Pocketbooks noch immer stört: Man kann das Textlayout nicht explizit auf Blocksatz umstellen. :(

Wenn es nur darum geht, unabhängig von den großen Konzernen zu sein (Amazon, aber auch Thalia, …) kannst du auch zu einem Tolino greifen. Wie bei Pocketbook ist man da völlig frei, von wo die EPUBs kommen – man kann die einfach auf den Reader schieben (komfortabler ist vielleicht der Shop auf dem Gerät, aber dann ist man festgelegt auf den Händler, wo man das Gerät gekauft hat. Anders wie bei Pocketbook kann man das bei Tolino nicht mehr ändern lassen). Nachteil bei den Tolinos: Die Unterstützung des LCP/CARE-DRMs der Onleihe lässt noch sehr zu wünschen übrig. Und: Der Vision 6 hat zwar super Hardware (mit das beste Display) – aber auch ein Akkuproblem. Der ist viel zu schnell leer.

Unterm Strich: Ich empfehle derzeit Pocketbook. (Vielleicht wird nach Jahren auch mal mein Wunsch mit der Blocksatzeinstellung erhört, wer weiß …)

EDIT: Wenn du noch Fragen hast – gerne! :)
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falko
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Re: Folge 92: Thema "Onleihe"

Beitrag von falko »

beedaddy hat geschrieben: Fr 1. Apr 2022, 12:33(komfortabler ist vielleicht der Shop auf dem Gerät, aber dann ist man festgelegt auf den Händler, wo man das Gerät gekauft hat. Anders wie bei Pocketbook kann man das bei Tolino nicht mehr ändern lassen)
Da würde ich meinerseits gern nachhaken, weil ich das selbst noch rausfinden wollte: verstehe ich das richtig, dass man beim Tolino auch kleine Buchhandlungen da anbinden kann? Heißt, die profitiert dann von den Digitalkäufen mit? (Was ich einerseits super fände, um einen ausgewählten Laden vor Ort zu unterstützen, aber andererseits ehrlicherweise auch denke: hä, warum soll ich die mitbezahlen? :D )
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falko
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Re: Folge 92: Thema "Onleihe"

Beitrag von falko »

Ich erlaube mir auch mal ein Copypaste eines Discord-Hinweises von flo (falls du auch hier bist, hoffe ich, dass das ok ist):

"Zum Thema Reader aus der aktuellen Folge: Ich benutze aktuell einen Kobo Sage (und hab' hier witzigerweise sogar noch einen zweiten rumliegen)
In Deutschland gibt es die eigentlich nicht, da der selbe Hersteller für Tolino produziert.
Natürlich will auch Kobo den User an den eigenen Shop binden, aber wofür gibt es Calibre? Bisher habe ich noch jedes Buch draufgebracht und in sämtliche Formate konvertieren können. Und drm ist auch kein Hindernis"
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beedaddy
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Re: Folge 92: Thema "Onleihe"

Beitrag von beedaddy »

falko hat geschrieben: Fr 1. Apr 2022, 12:43
beedaddy hat geschrieben: Fr 1. Apr 2022, 12:33(komfortabler ist vielleicht der Shop auf dem Gerät, aber dann ist man festgelegt auf den Händler, wo man das Gerät gekauft hat. Anders wie bei Pocketbook kann man das bei Tolino nicht mehr ändern lassen)
Da würde ich meinerseits gern nachhaken, weil ich das selbst noch rausfinden wollte: verstehe ich das richtig, dass man beim Tolino auch kleine Buchhandlungen da anbinden kann? Heißt, die profitiert dann von den Digitalkäufen mit? (Was ich einerseits super fände, um einen ausgewählten Laden vor Ort zu unterstützen, aber andererseits ehrlicherweise auch denke: hä, warum soll ich die mitbezahlen? :D )
Ja, das ist im Prinzip schon so. Allerdings sind die meisten Mitglieder der Tolino-Allianz eben die Großen (Thalia, Weltbild, Hugendubel, …). Einen Sonderfall nimmt "Meine Buchhandlung" ein: Das ist quasi Libri, und somit die Buchhandlungen, die an Libri angebunden sind. Also: Ist die Buchhandlung deiner Wahl an Libri angebunden, kannst du sie mit deinem Shop auf dem Tolino verknüpfen und sie profitiert davon. (Zumindest ein bisschen – ich habe mir mal sagen lassen, dass da nur gaaanz wenig beim Buchhändler hängen bleibt. Kein Vergleich zu den Print-Books. Aber da kenne ich mich zu wenig aus und das ist sicherlich ein Thema für sich).

Alle (?) anderen kleinen Buchhandlungen dürften an Umbreit oder Zeitfracht (ehemals KNV) dranhängen – und die wiederum kooperieren mit Pocketbook.
Zuletzt geändert von beedaddy am Fr 1. Apr 2022, 13:54, insgesamt 2-mal geändert.
beedaddy
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Re: Folge 92: Thema "Onleihe"

Beitrag von beedaddy »

falko hat geschrieben: Fr 1. Apr 2022, 12:44 Ich erlaube mir auch mal ein Copypaste eines Discord-Hinweises von flo (falls du auch hier bist, hoffe ich, dass das ok ist):

"Zum Thema Reader aus der aktuellen Folge: Ich benutze aktuell einen Kobo Sage (und hab' hier witzigerweise sogar noch einen zweiten rumliegen)
In Deutschland gibt es die eigentlich nicht, da der selbe Hersteller für Tolino produziert.
Natürlich will auch Kobo den User an den eigenen Shop binden, aber wofür gibt es Calibre? Bisher habe ich noch jedes Buch draufgebracht und in sämtliche Formate konvertieren können. Und drm ist auch kein Hindernis"
Ja, das ist so. Die Tolino-Geräte kommen mittlerweile von Kobo, die eben auch ihre eigenen Geräte bauen, aber diese nicht mehr in DE anbieten. Früher waren sie quasi hardwaremäßig identisch. Seit dem Tolino Vision 6 unterscheiden sie sich aber auch mehr im Inneren. Softwareseitig sind sie komplett unterschiedlich.

Die allermeisten Kauf-E-Books sind ohne hartes DRM. (Das Thema "Umgehen von DRM" lasse ich hier beiseite). Diese kann man somit nach Herzenslust in Calibre importeren und bearbeiten (ähm, hab ich schon die Sache mit dem Blocksatz erwähnt … das ist so ein Fall, wo ich Hand anlege). Und ist das E-Book mal in Calibre, kann man den E-Reader der Wahl anstöpseln. Das ist der große Vorteil gegenüber der Amazon-Welt: Man kann die EPUBs irgendwo – beim Buchhändler um die Ecke – kaufen. Und völlig egal, ob er in meinem Tolino- oder Pocketbook-Universum ist, ich kann es auf meinen EPUB-fähigen Reader laden. Kein DRM = kein Problem. Und Calibre hilft beim Managen der Bibliothek und ggf. auch beim Bearbeiten der E-Books.
Zuletzt geändert von beedaddy am Fr 1. Apr 2022, 13:10, insgesamt 1-mal geändert.
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falko
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Re: Folge 92: Thema "Onleihe"

Beitrag von falko »

beedaddy hat geschrieben: Fr 1. Apr 2022, 12:53(Zumindest ein bisschen – ich habe mir mal sagen lassen, dass da nur gaaanz wenig beim Buchhändler hängen bleibt. Kein Vergleich zu den Print-Books. Aber da kenne ich mich zu wenig aus und das ist sicherlich ein Thema für sich).
Beim Printbereich sprechen wir von 40 bis 55 Prozent, von daher dürfte (SOLLTE! :D ) es nicht so sein. Danke sehr!
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Mutantenjupp
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Re: Folge 92: Thema "Onleihe"

Beitrag von Mutantenjupp »

Vorab: ich fand den Podcast super und ein interessantes Thema fernab einer konkreten Buchbesprechung.

Der Argumentation von Jochen, dass man die (Mit-)Finanzierung von Onleihe aus öffentlicher Hand hinterfragen sollte, weil das Durchschnitts-Nettogehalt der Nutzer über einen gewissen Wert geht, kann ich nicht folgen. Was ist da der Unterschied zur Finanzierung von Bibliotheken (mal außen vor, dass Onleihe und Bibliotheken quasi gemeinsam finanziert werden)? Hat da mal jemand überprüft, wer der "durchschnittliche" Nutzer ist? Warum sollte man auf einmal den Punkt "Nettoeinkommen" als Kriterium heranziehen?

Und dass es Whataboutism ist das mit anderen öffentlich finanzierten Sachen zu vergleichen, finde ich auch merkwürdig. Wir haben uns gesellschaftlich dazu entschieden, dass wir über Kommunen/das Land/den Bund gewisse Dinge querfinanzieren. Die Onleihe mit z.B. einem von der Kommune finanzierten Bürgertreffpunkt zu vergleichen, ist doch quasi nichts anderes. Warum darf man sowas nicht vergleichen?
Falko hatte ja kurz angebracht, dass viele Dinge querfinanziert werden aber Jochen meinte man müsse beim konkreten Thema bleiben. Das Argument, warum man Bibliotheken auf jeden Fall braucht, habe ich in der anschließenden Argumentation nicht verstanden. Müsste man dann nicht erst einmal abstrakt definieren, was der Sinn hinter steuerfinanzierten Förderungen ist und welche Ziele von welchen Interessensgruppen dahinterstecken?

Und jetzt anzusetzen dies hier zu ändern, weil irgendjemand behauptet (!), dass vor allem wohlhabende Menschen das System "ausnutzen", finde ich argumentativ nicht stark genug. Wenn man das richtig machen wollte, müsste dann entweder irgendjemand prüfen, wie hoch das Haushalts-Nettoeinkommen ist (z.B. über Gehaltsnachweise, Abgleich mit dem Finanzamt, Abfrage bei einer Bank, ...) oder man schafft das System ab und überlegt sich was anderes.

Ich finde die anderen Punkte eurer Kritik dagegen alle absolut nachvollziehbar und hoffe, dass die zukünftige Ausrichtung nicht ein reines Lobby-Geschenk wird.
Flo
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Re: Folge 92: Thema "Onleihe"

Beitrag von Flo »

falko hat geschrieben: Fr 1. Apr 2022, 12:44 Ich erlaube mir auch mal ein Copypaste eines Discord-Hinweises von flo (falls du auch hier bist, hoffe ich, dass das ok ist):
Ich bin hier, kein Problem :)
beedaddy hat geschrieben: Fr 1. Apr 2022, 13:01 Und ist das E-Book mal in Calibre, kann man den E-Reader der Wahl anstöpseln. Das ist der große Vorteil gegenüber der Amazon-Welt: Man kann die EPUBs irgendwo – beim Buchhändler um die Ecke – kaufen. Und völlig egal, ob er in meinem Tolino- oder Pocketbook-Universum ist, ich kann es auf meinen EPUB-fähigen Reader laden. Kein DRM = kein Problem.
Calibre leistet mit den richtigen Plugins auch bei Amazon-Käufen gute Dienste (- Habe ich... gehört. Aufgeschnappt sozusagen. Man hat es mir erzählt)

Zum Thema Onleihe: Die Buchbranche zeigt einmal mehr, dass ihr Wahlspruch "Das bleib alles so, wie es ist!" lautet. Hauptsache keine Veränderung, hauptsache kein aktiver Umgang mit der digitalen Welt. Die selbsternannten Hüter der Kultur wollen am Ende eben doch auch nur, dass ihr Geschäftsmodell erhalten bleibt und so profitabel wie möglich ist.
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