Bonusfolge 44: Der Hund von Baskerville

Hier wird über die aktuelle Folge diskutiert. Und über alle anderen natürlich auch.
Antworten
Benutzeravatar
falko
Beiträge: 452
Registriert: Do 1. Nov 2018, 12:30

Bonusfolge 44: Der Hund von Baskerville

Beitrag von falko »

Jochen hat einen Skandal aufgedeckt: Falko hat noch nie Sherlock Holmes gelesen! Nicht mal IRGENDWAS von Arthur Conan Doyle. Fürs Protokoll: immerhin wusste Falko, dass der britische Autor nicht "Conan" erfunden hat.

Also nutzen wir diese Bonusfolge, um diese Bildungslücke zu schließen und reden darüber, wie ein Autor aus dem 19. Jahrhundert heute noch wirkt, wenn man unbefleckt an ihn rangeht. Und über Holmes im Allgemeinen. Und ... tja ... Cindy & Bert.

Viel Spaß mit der neuen Bonusfolge und danke, dass ihr dabei seid!

Die Bonusfolge ist nun auf der Homepage, in den Bonus-Kanälen und im Maileingang für alle Unterstützer*innen bereit.
"I must say I find television very educational. The minute somebody turns it on, I go to the library and read a good book." - Groucho Marx
Benutzeravatar
Oliver Naujoks
Beiträge: 95
Registriert: Mi 9. Jan 2019, 13:43
Wohnort: Zeven

Re: Bonusfolge 44: Der Hund von Baskerville

Beitrag von Oliver Naujoks »

Schön, dass Ihr Euch mal Holmes vorgenommen habt! Hat Spaß gemacht. Da habe ich eigentlich nix zu ergänzen oder zu meckern.

Einfach nur noch ein paar Tipps:
Gunnar und Christian haben für ihren Podcast Stay Forever bereits das Infocom-Adventure "Sherlock - The Riddle of the Crown Jewels" durchgespielt, eine der unterhaltsamsten Staffeln, auch und gerade, weil und wie die beiden sich an teilweise eher blödsinnigen Rätseln die Zähne ausbeißen.

Der "Hund" ist irrsinnig oft verfilmt worden, ich habe um die 12 Verfilmungen davon im Regal stehen. Sehr sehenswert ist eine deutsche Verfilmung von 1929 (tolle Bauten!), die Hammer-Verfilmung mit Peter Cushing von 1959 (tolle Atmosphäre!) und mein persönlicher Liebling ist eine Verfilmung mit Ian Richardson aus dem Jahr 1983; letztere ist auch gar nicht obskur, sondern schon zig mal auf DVD veröffentlicht worden.

Bei "Sherlock" bin ich #TeamJochen, die zweite Hälfte der Serie war unerträglich; weil die Macher sich für unfassbar clever hielten, dies aber gar nicht waren.

p.s.: Den Cindy & Bert-Song kann man übrigens gut hören..
Liest: "Der Goldene Handschuh", Heinz Strunk // "The Exploits of Sherlock Holmes", Adrian Doyle & J.D. Carr
Spielt: Sherlock Holmes vs. Arsène Lupin, Sherlock Holmes: Chapter One, SBK 22, The Plague Doctor of Wippra, Cyberpunk 2077
Benutzeravatar
Sebert
Beiträge: 8
Registriert: Do 21. Feb 2019, 17:11

Re: Bonusfolge 44: Der Hund von Baskerville

Beitrag von Sebert »

Schöne Folge. Und gebe Jochen recht: Ausserhalb der Literaturwissenschaft sollte niemand Jane Austen lesen :-)

Ein paar Anmerkungen:

- Dass die Briefe Watsons so ausführlich sind, ist weniger der Zeit geschuldet, sondern der Anweisung die Watson bekommt:
" I wish you simply to report facts in the fullest possible manner to me, and you can leave me to do the theorizing."
Innerhalb des Canons ergibt dies ja auch Sinn, kann doch Holmes Deduktionen an Ereignissen und Beobachtungen vollziehen, die Watson für
reine Kleinigkeiten hält.

Es gibt zwei Geschichten bei denen Holmes als (Haupt)Erzähler auftritt:

- The Adventure of the Musgrave Ritual (Memoirs of Sherlock Holmes)
- The Adventure of the Gloria Scott (Memoirs of Sherlock Holmes)

Holmes nennt Watson (und andere Herren) gelegentlich: "My dear boy" - Einfach eine veraltete, freundschaftliche Anrede
(https://www.ldoceonline.com/dictionary/ ... y-dear-boy) da haben die Übersetzer wohl daneben gelangt.

Meine Lieblings Holmes-Referenz in Dr. House: Wilson erzählt House von einem problematischen Fall; die Dame heißt: Irene Adler ("The Woman" aus " A Scandal in Bohemia").

Kann nach wie vor nur die kommentierte Gesamtausgabe von Leslie Klinger empfehlen. Gespickt von Anmerkungen, Fussnoten & Einordnungen. So macht (mir) das Lesen nochmal mehr Spaß.
Razzen
Beiträge: 4
Registriert: Di 6. Sep 2022, 19:09

Re: Bonusfolge 44: Der Hund von Baskerville

Beitrag von Razzen »

Sebert hat geschrieben: Di 30. Aug 2022, 11:38 ...

Kann nach wie vor nur die kommentierte Gesamtausgabe von Leslie Klinger empfehlen. Gespickt von Anmerkungen, Fussnoten & Einordnungen. So macht (mir) das Lesen nochmal mehr Spaß.
Könntest du dazu vielleicht etwas mehr erzählen?
Und möglicherweise auch die exakte Ausgabe nennen?

Ich bin Holmes-Neuling und überlege ob ich mir, sofern dies sinnvoll erscheint, direkt diese Ausgabe besorge.

Vielen Dank vorab.
Feamorn
Beiträge: 8
Registriert: Mo 3. Dez 2018, 20:58

Re: Bonusfolge 44: Der Hund von Baskerville

Beitrag von Feamorn »

Mich hat die Folge auch sehr gefreut!
Ich hab auch erst zu Beginn der Pandemie so richtig das Holmes Gesamtwerk kennen gelernt, bei mir in der Hörbuch-Fassung von Stephen Fry, die ich auch nur empfehlen kann, da Stephen Fry auch vor jeder Geschichte noch ein Vorwort mit Einordnung und/oder Anekdoten hat. Das war durchweg ein tolles Erlebnis, und ein grandioser Vorleser ist der Mann ohnehin!

(Vielleicht auch ein Tipp für Falko, wenn er nicht weiß, wo er seine Hörbuch-Guthaben lassen soll. ;) )
Razzen
Beiträge: 4
Registriert: Di 6. Sep 2022, 19:09

Re: Bonusfolge 44: Der Hund von Baskerville

Beitrag von Razzen »

Feamorn hat geschrieben: Sa 17. Sep 2022, 16:32 Mich hat die Folge auch sehr gefreut!
Ich hab auch erst zu Beginn der Pandemie so richtig das Holmes Gesamtwerk kennen gelernt, bei mir in der Hörbuch-Fassung von Stephen Fry, die ich auch nur empfehlen kann, da Stephen Fry auch vor jeder Geschichte noch ein Vorwort mit Einordnung und/oder Anekdoten hat. Das war durchweg ein tolles Erlebnis, und ein grandioser Vorleser ist der Mann ohnehin!

(Vielleicht auch ein Tipp für Falko, wenn er nicht weiß, wo er seine Hörbuch-Guthaben lassen soll. ;) )
Habe gerade kurz bei Audible geschaut.
Das Hörbuch mit Stephen Fry gibt es scheinbar umsonst, zumindest als Audible-Abonnent.
Benutzeravatar
Sebert
Beiträge: 8
Registriert: Do 21. Feb 2019, 17:11

Re: Bonusfolge 44: Der Hund von Baskerville

Beitrag von Sebert »

Razzen hat geschrieben: Di 6. Sep 2022, 19:11
Sebert hat geschrieben: Di 30. Aug 2022, 11:38 ...

Kann nach wie vor nur die kommentierte Gesamtausgabe von Leslie Klinger empfehlen. Gespickt von Anmerkungen, Fussnoten & Einordnungen. So macht (mir) das Lesen nochmal mehr Spaß.
Könntest du dazu vielleicht etwas mehr erzählen?
Und möglicherweise auch die exakte Ausgabe nennen?

Ich bin Holmes-Neuling und überlege ob ich mir, sofern dies sinnvoll erscheint, direkt diese Ausgabe besorge.

Vielen Dank vorab.
Hi,

habe ich üebrsehen, sorry:

Diese hier:

https://www.amazon.de/New-Annotated-She ... rch&sr=8-2

https://www.amazon.de/New-Annotated-She ... rch&sr=8-1

https://www.amazon.de/New-Annotated-She ... 9154&psc=1

LG

Sebert
beedaddy
Beiträge: 22
Registriert: Di 9. Mär 2021, 13:21
Wohnort: BaWü

Re: Bonusfolge 44: Der Hund von Baskerville

Beitrag von beedaddy »

Ich habe noch eine leicht vergilbte Gesamtausgabe vom Haffmans Verlag im Regal stehen, mit wie ich finde ziemlich guten Übersetzungen. Irgendwann habe ich mal lange nach einer entsprechenden eBook-Ausgabe gesucht, gefunden und sie zu einem absurd hohen Preis auch gekauft (Kein & Aber Verlag). Und zumindest beim Hund der Baskervilles Siezen sich die beiden. :)
Thomas Suender
Beiträge: 5
Registriert: Fr 21. Jun 2019, 02:22

Re: Bonusfolge 44: Der Hund von Baskerville

Beitrag von Thomas Suender »

Eine schöne Folge und bemerkenswert, dass Falko als gut lesbarer Autor des 19. Jahrhunderts ausgerechnet Edgar Allan Poe eingefallen ist. Denn von ihm stammt die Blaupause für Sherlock Holmes.

Man könnte fast sagen, dass Holmes ein Plagiat von Poes Detektiv August Dupin ist, den er in seinen Erzählungen "Tales of Ratiocination" entwickelt hat: "Die Doppelmorde in der Rue Morgue" (1841), "Der Fall Marie Roget" (1842) und "Der Entwendete Brief" (1844).

The Murderers in the Rue Morgue gilt sogar als die erste Detektivgeschichte überhaupt.

Der geniale, exzentrische und Meerschaumpfeife rauchende Detektiv Auguste Dupin löst scheinbar unmöglich Fälle mittels Rationalität und Deduktion - wie Holmes. Das alles wird aus der Sicht eines Ich-Erzählers berichtet, der Dupin dabei begleitet - so wie Watson.

Doyle selbst macht keinen Hehl daraus, dass er durch Poes Detektiv inspiriert wurde. Er sagte: ""Where was the detective story until Poe breathed the breath of life into it?"

Ein Artikel hierzu: https://www.smithsonianmag.com/smart-ne ... 180962914/

In dem Holmes-Roman "Eine Studie in Scharlachrot" (A Study in Scarlet, 1888) vergleicht Watson Holmes mit Dupin, dieser hält Poes Held aber für überschätzt. Meiner Meinung nach ist das eine eher ironisch gemeinte Abgrenzung, angesichts der vielen Parallelen - doch viele Fans haben Doyle die Abwertung Dupins übel genommen, da er damit das Konzept diskreditiert, das Poe entwickelt hat und mit dem Doyle seinen weltweiten Erfolg feierte.

Zum Vergleich von Holmes und Dupin gibt es eine Studienarbeit: https://www.grin.com/document/44214

Auch das Sherlock Fanwiki widmet Dupin einen Artikel: https://sherlockholmes.fandom.com/de/wi ... uste_Dupin

Es lohnt sich auf jeden Fall für jeden Holmes-Fan, die Poe-Geschichten zu lesen - und sich zu vergegenwärtigen, dass sie fast ein halbes Jahrhundert vor Sherlock Holmes entstanden sind!
Antworten