Folge 14: Jemisin, Grimwood und George R.R. Martin

Hier wird über die aktuelle Folge diskutiert. Und über alle anderen natürlich auch.
Benutzeravatar
falko
Beiträge: 102
Registriert: Do 1. Nov 2018, 12:30

Folge 14: Jemisin, Grimwood und George R.R. Martin

Beitrag von falko » Mo 18. Feb 2019, 22:07

Weil diesmal so viel zu besprechen ist, haben wir uns Verstärkung geholt. Unser Gast Sebastian Stange von gamespodcast.de schildert seine Eindrücke des außergewöhnlichen SF-Epos „Zerrissene Erde“ von N.K. Jemisin, Falko geht mit „Replay“ von Ken Grimwood wieder auf Zeitreise und Jochen hat so schnell „Dark Matter“ inhaliert, dass er sich direkt auch noch im neuen Ziegelstein von George Martin verbissen hat.

Viel Spaß mit der neuen Folge!

Folge 14: Jemisin, Grimwood und George R.R. Martin
"Getting older is no problem. You just have to live long enough." - Groucho Marx

Kaurik
Beiträge: 2
Registriert: Di 19. Feb 2019, 10:44

Re: Folge 14: Jemisin, Grimwood und George R.R. Martin

Beitrag von Kaurik » Di 19. Feb 2019, 10:56

Hallo zusammen,

grossartige Folge (soweit ich sie bisher gehört habe), wie alle anderen auch. NK Jemisin werde ich mir auch mal das erste Buch holen und dann sehen, ob es mir gefällt.
Wegen euch habe ich mir jetzt schon vier Bücher gekauft und sogar gelesen, vielen Dank fürs Wiedererwecken meines Interesses am Lesen!

Ich bin noch nicht fertig mit der Folge,möchte mich aber kurz zum Vergleich Amanda Palmer und N.K. Jemisin äussern.

Es ist richtig, beide finanzieren sich über Crowdfunding.
Allerdings besteht der Unterschied darin, dass Amanda Palmer komplett unabhängig vom Musik Business arbeitet.
Sie finanziert ihre Aufnahmen, Touren und Veröffentlichungen alles selbst.

N.K. Jemisin scheint ein Zwischenmodell zu fahren, dass sie sich zwar ebenfalls über Crowdfunding unabhängiger macht, ihre Werke trotzdem vom Business verlegen und verteilen lässt.

Ich will das auch gar nicht als besser oder schlechter bewerten, nur auf den Unterschied hinweisen, denn das erschien mit im Podcast ein bisschen zu verallgemeinert.

Das bringt mich jetzt gerade beim Schreiben zu einer Frage:

Ist es Stand heute überhaupt möglich/finanziell ein gangbarer Weg, Bücher im Eigenverlag zu veröffentlichen?
Ich meine damit jetzt nicht "Print on Demand" oder Kindle, sondern - quasi klassisch - 20.000 Exemplare von einem Buch selbst drucken zu lassen und dann über eigene Distribution in die Buchläden und -ketten zu bekommen?

Kennt sich jemand hier mit so etwas aus und kann diese vielleicht Frage beantworten?

Benutzeravatar
Peter
Beiträge: 13
Registriert: Di 11. Dez 2018, 12:02
Wohnort: Karlsruhe

Re: Folge 14: Jemisin, Grimwood und George R.R. Martin

Beitrag von Peter » Di 19. Feb 2019, 11:48

Jemisin ist erst 2016 zur professionellen Schriftstellerin geworden, in den 15 Jahren zuvor war das für sie nur eine Nebenbeschäftigung. Ihren day job konnte sie eben dank ihrer Patreon-Kampagne aufgeben, die sie inzwischen im übrigen nicht mehr aktiv vorantreibt ("I am no longer actively soliciting patrons, but I'm leaving this page here so that other creators can see how my initial campaign was structured/written.").

Und auch von meiner Seite noch einmal eine ganz klare Empfehlung der Broken-Earth-Trilogie. Sebastian hat einige der herausragendsten Punkte noch nicht einmal erwähnt (was aber ohne massive Spoiler auch gar nicht möglich gewesen wäre). Mir haben auch die anderen beiden Bände ausgezeichnet gefallen, das Ende fand ich sogar perfekt. Für SF/F-Verhältnisse sind es sicherlich überdurchschnittlich anspruchsvolle Romane, aber es zahlt sich am Ende umso mehr aus, wenn man sich darauf einlässt.

Benutzeravatar
falko
Beiträge: 102
Registriert: Do 1. Nov 2018, 12:30

Re: Folge 14: Jemisin, Grimwood und George R.R. Martin

Beitrag von falko » Di 19. Feb 2019, 12:33

Danke für den Hinweis mit Amanda Palmer. In meinem Kopf war primär der Gedanke, dass sie ihren Patreon eigentlich nicht mehr nötig hätte, weil sie derart etabliert ist, aber dabei unterschätze ich wohl völlig (bzw. war mir nicht bewusst), dass der Finanzbedarf für eine Tour natürlich wesentlich größer ist.

@Peter, ich habe mir Jemisins Patreon-Seite angeschaut ... die läuft offenbar ganz normal weiter, sie macht neue Postings, aber du meinst, dass sie nicht mehr im großen Stil neue Leute anwirbt? Ihr kursiv gesetzter Eingangssatz ist da etwas verwirrend.
Kaurik hat geschrieben:
Di 19. Feb 2019, 10:56
Ist es Stand heute überhaupt möglich/finanziell ein gangbarer Weg, Bücher im Eigenverlag zu veröffentlichen?
Ich meine damit jetzt nicht "Print on Demand" oder Kindle, sondern - quasi klassisch - 20.000 Exemplare von einem Buch selbst drucken zu lassen und dann über eigene Distribution in die Buchläden und -ketten zu bekommen?
Möglich ist es, aber 20.000 Exemplare wäre größenwahnsinnig. Wenn man eine große Garage hat, warum nicht ... :D

Soweit ich das sehe, sind die Druckverfahren inzwischen nicht mehr so aufwändig wie früher. Die Regel, die ich gehört habe, ist, dass ein Verlag die erste Auflage so hoch druckt, wie er sicher ist, was auf alle Fälle verkauft wird. Denn weitere Auflagen sind inzwischen leicht zu organisieren.

Das trifft dann auch für Eigenverlag zu. Eine Auflage von 500 ist stemm- und lagerbar, nachdrucken ist leicht.

Aber die Krux ist, das Buch in den Handel zu bekommen.

Klar, bei amazon, Thalia usw. bekommt man den Titel gelistet und er ist lieferbar. Aber man hat als Eigenverleger faktisch keine Chance, sein Buch in die Auslage einer großen Kette zu bekommen. Oder nur 50 Exemplare - bundesweit, im Regal ganz unten links jeweils. Wer tatsächlich im großen Stil und klassisch im Eigenverlag was rausbringen will, muss schlicht eine große Masse an Geld in die Hand nehmen. Lektorat, Covergestaltung und Fertigung des Buches sind selbstverständlich - das hat man auch als kleiner Selfpublisher. Aber darüber hinaus:
- Dem Handel oder Zwischenhändler hohe Rabatte einräumen.
- Werbematerial fertigen und verteilen (eher Werbeagentur anheuern).
- Anzeigen in Branchenmagazinen schalten.
- Außendienst- und Vertriebsfirma anheuern, deren Vertreter die Buchhandlungen anfahren.
Und das alles ohne irgendeine Garantie, dass sich irgendwer tatsächlich für das Buch interessiert und in Konkurrenz zu vielen Großverlagen und deren etablierten Vertriebsstrukturen und Massen von mittleren und kleinen Verlagen, die auch um Regalfläche feilschen ...
"Getting older is no problem. You just have to live long enough." - Groucho Marx

Benutzeravatar
Peter
Beiträge: 13
Registriert: Di 11. Dez 2018, 12:02
Wohnort: Karlsruhe

Re: Folge 14: Jemisin, Grimwood und George R.R. Martin

Beitrag von Peter » Di 19. Feb 2019, 14:21

falko hat geschrieben:
Di 19. Feb 2019, 12:33
@Peter, ich habe mir Jemisins Patreon-Seite angeschaut ... die läuft offenbar ganz normal weiter, sie macht neue Postings, aber du meinst, dass sie nicht mehr im großen Stil neue Leute anwirbt? Ihr kursiv gesetzter Eingangssatz ist da etwas verwirrend.
Genau. Wie sie auch an anderer Stelle geschrieben hat:
Once again, I'm not soliciting additional patrons; I'm good for now, guys! So I strongly encourage you to seek out other artists who could use support. If you want to stay here, I will continue to post vignettes and snippets of forthcoming work, as well as occasional ruminations on Things. And cat pics, of course! Wouldn't be the same without the cat pics.
Klar, sie könnte inzwischen sicherlich darauf verzichten. Aber wer weiß schon, was die Zukunft bringt. Vor Broken Earth hatte sie ja auch fünf Romane innerhalb von drei Jahren veröffentlicht und das hat offensichtlich nicht dafür gereicht, um auf ihren day job verzichten zu können.

DexterKane
Beiträge: 15
Registriert: Mi 20. Feb 2019, 12:16

Re: Folge 14: Jemisin, Grimwood und George R.R. Martin

Beitrag von DexterKane » Mi 20. Feb 2019, 12:30

War wieder eine schöne Folge und der Kindle hat neues Futter erhalten. Danke dafür!

Eine Anmerkung sei mir aber erlaubt:
Im Gegensatz zu Sebastian fand ich die Fortsetzungen zu "The knife of never letting go" doch sehr konstruiert und holzhammerig.
Dass der Protagonist den "Plan" des primärten Gegenspielers nicht erkennt, obwohl ich als Leser den schon 35 Meilen gegen den Wind rieche, lass ich ja noch durchgehen, wenn man bedenkt, dass es sich hier um einen 13(?)-jährigen ohne formale Bildung handelt.

Aber dass das von den ganzen Erwachsenen auch niemand durchschaut finde ich selbst bei einer Kolonie, die aus irgendwelchen Evangelikalen Spinnern entstanden ist, nur sehr, sehr schwer verdaulich und schlicht unglaubwürdig. Eventuell sind da bei YA Literatur die Ansprüche geringer, aber wenn man schon mal n paar Dystopien gelesen hat, weiß man Mitte des zweiten Buchs, wie das dritte endet.

Haplo
Beiträge: 7
Registriert: Sa 8. Dez 2018, 10:03

Re: Folge 14: Jemisin, Grimwood und George R.R. Martin

Beitrag von Haplo » Do 21. Feb 2019, 10:14

"Severin, das seufzende Sackgesicht" - ganz großes Kino, Jochen! :lol:
P.S.: sich über Sebastians J.R.R.Martin echauffieren, aber "die Fiktion von Tolkien basiert auf den Rosenkriegen" ... (1:05) Wer im Elfenbeinturm sitzt, sollte nicht mit Gläsern werfen oder so ähnlich. ;)

Benutzeravatar
NobodyJPH
Beiträge: 33
Registriert: So 4. Nov 2018, 21:11
Wohnort: Hessen

Re: Folge 14: Jemisin, Grimwood und George R.R. Martin

Beitrag von NobodyJPH » Do 21. Feb 2019, 12:33

Haplo hat geschrieben:
Do 21. Feb 2019, 10:14
"Severin, das seufzende Sackgesicht" - ganz großes Kino, Jochen! :lol:
P.S.: sich über Sebastians J.R.R.Martin echauffieren, aber "die Fiktion von Tolkien basiert auf den Rosenkriegen" ... (1:05) Wer im Elfenbeinturm sitzt, sollte nicht mit Gläsern werfen oder so ähnlich. ;)
Darüber habe ich mich auch köstlich amüsiert. :D

Ich mage die Kurzbesprechungen sehr gerne, das war wieder eine interessante Folge. Und Sebastian darf auch gerne wiederkommen, wenn er wieder Redebedarf hat.

Calafinwe
Beiträge: 7
Registriert: Do 20. Dez 2018, 14:19

Re: Folge 14: Jemisin, Grimwood und George R.R. Martin

Beitrag von Calafinwe » Di 26. Feb 2019, 14:43

Ich hab's dieses Mal auch geschafft, die Folge nicht erst nur nach drei Monaten zu hören. Speziell auch, nachdem da George R.R. Martin im Titel zu lesen war, musste ich ganz schnell wissen, was ihr über ihn zu sagen habt (bzw. wie ihr über ihn herzieht). Ich hab die Bücher auch alle in der englischen Originalfassung gelesen und meine Meinung deckt sich da 1:1 mit der von Jochen. Die ersten drei Bücher sind wirklich klasse, aber ab Buch 4 nimmt die Qualität rapide ab. Mein Lieblingsbeispiel ist an der Stelle immer der Verriss mit Quentin Martell in Buch 5. Der ist für mich persönlich überflüssig³; mein Tanzpartner auf der anderen Seite findet diesen Charakter und seine Story super und wir "fetzen" uns da immer so ein bisschen. Wie Jochen richtig anmerkte, das Werk ist Martin über den Kopf gewachsen.
Interessierten würde ich da mehr dazu raten, sich die Serie anzuschauen. Die haben - in meinen Augen richtigerweise - vieles Überflüssige weggelassen und sind jetzt doch soweit, das sie es dieses Jahr zu einem Abschluss bringen können. Ansonsten könnte man tatsächlich mal die einzelnen Themen durchgehen und schauen, ob das Gesamtwerk tatsächlich so "toll" ist (z. B. White Saviour Bild). :evil: :evil: :evil:

Und ganz persönlich finde ich es eine Beleidigung von J.R.R. Tolkien, wenn man George R.R. Martin mit ihm vergleicht.


In dem Zusammenhang würde ich euch mal eine Sonderfolge zum Thema Buchverfilmungen vorschlagen, z. B. anhand von "Do Androids Dream of Electric Sheep". :mrgreen: :-*

Benutzeravatar
Philharmonikolas
Beiträge: 5
Registriert: Do 6. Dez 2018, 01:04

Re: Folge 14: Jemisin, Grimwood und George R.R. Martin

Beitrag von Philharmonikolas » Di 26. Feb 2019, 16:52

Calafinwe hat geschrieben:Und ganz persönlich finde ich es eine Beleidigung von J.R.R. Tolkien, wenn man George R.R. Martin mit ihm vergleicht.
Verstehe ich nicht. Martin ist doch praktisch Tolkien, wenn Tolkien gut schreiben könnte. :twisted:

Antworten