Folge 30: Das Institut

Hier wird über die aktuelle Folge diskutiert. Und über alle anderen natürlich auch.
Jochen
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Folge 30: Das Institut

Beitrag von Jochen » Mo 7. Okt 2019, 19:28

Wir sind erst bei Folge 30, aber wir haben schon einige Traditionen etabliert, darunter, dass wir einen neuen King-Roman besprechen, sobald er erscheint. Das dünne „Erhebung“ ist schon fast ein Jahr her, daher ist es kein Wunder, dass Steve uns endlich wieder eine gesunde Menge von ca. 800 Seiten um die Ohren haut und uns damit ins Leseinstitut einweist.

Erzählt wird die Geschichte des zwölfjährigen Luke Ellis, der eines nachts entführt wird und sich im „Institut“ wiederfindet, einer streng geheimen Anlage irgendwo in Maine. Dort sind viele weitere Kinder untergebracht, die alle mit ihm eins gemein haben: sie sind entweder telepathisch oder telekenetisch begabt. Luke hat keinen Kontakt zur Außenwelt, er weiß nicht, was das Institut bezweckt, aber schnell muss er feststellen, dass die Mittel, die Wärter und Pfleger dieser Anlage einsetzen, seine außergewöhnlichen Fähigkeiten unter Zwang verstärken sollen …

War es wieder einmal eine lohnende Lektüre, die unser alter Kumpel Steve uns hat angedeihen lassen oder würden wir ihm nach nun 61 Büchern empfehlen, es gut sein zu lassen?

https://www.buchpodcast.de/2019/10/05/f ... -institut/

Shenmi
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Re: Folge 30: Das Institut

Beitrag von Shenmi » Mo 7. Okt 2019, 19:37

Ich bin so froh das ich mir dieses Buch schnell noch geholt habe.
King ist wirklich der beste Geschichten Erzähler den es gibt. Kein anderer Autor kann mich so mitreißen und schockieren.
Und das alles so mühelos, mit seinem unprätentiösen Schreibstil, den ich einfach nur großartig finde!
Was mir hier auch aufgefallen ist: Bei anderen Autoren ist manchmal die Luft ganz schnell raus, sowie ich die Konstruktion des Plots durchschaut habe und weiß wie es wahrscheinlich endet.
Hier war mir das schon bei der Ankunft von Luke im Institut klar, als ich die Fähigkeiten der anderen Kinder erfahren habe. Trotzdem habe ich mich nicht eine Seite gelangweilt. Nur Lukes Flucht im Zug fand ich eine Idee zu lang. Was aber auch daran gelegen haben kann, dass ich nicht aufhören konnte zu lesen und nach mehreren hundert Seiten erschöpft war.
Bei ca. 2/3 des Buches dachte ich auch noch, dass die Grundstimmung zwar düster ist, aber King dieses Mal auf Horror verzichtet. Und dann kam der Rübenacker...Meine Güte war das übel und dieser Begriff ist nun auch für immer belastet. ;)

Mein Fazit ist einfach: Stephen King in Höchstform, wie ich ihn liebe! Und jetzt bin ich gespannt was die Podcaster dazu meinen.
Ich fand jedenfalls das es ein absoluter Pageturner gewesen ist!

Jochen
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Re: Folge 30: Das Institut

Beitrag von Jochen » Mo 7. Okt 2019, 19:50

Das wird nach dem Hören des Podcasts ... interessant, glaube ich :mrgreen:

timcbaoth
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Re: Folge 30: Das Institut

Beitrag von timcbaoth » Mo 7. Okt 2019, 20:42

Bevor ich mich von Jochen und Falko beeinflussen lassen: Ich fand das Institut relativ mittelprächtig. Stilistisch hatte ich nicht viel zu meckern. Nur die politischen Einschübe schienen mir etwas plump. Ich habe ausnahmsweise wieder die deutsche Übersetzung gelesen und fand sie solide. Einzig der Begriff "Boyfriend" hat mich etwas irritiert.

Die Charaktere sind King-typisch relativ gut ausgearbeitet. Obwohl ich natürlich nicht glauben kann, dass ein Mensch mit hohem IQ Cormac Mccarthy mögen könnte ;) So gut wie in Kings besten Romanen sind sie dann aber doch bei Weitem nicht.

Die Auflösung und die letzten paar Kapitel fand ich unspektakulär und langatmig. Die seltsamen Gespräche am Schluss waren besonders unnötig. Die mathematischen Erklärungen ergeben für mich keinen Sinn (ich will hier nicht spoilern, aber Luke hat einfach nicht die Stichproben-Ergebnisse um sie einem statistischen Modell zu fitten) und schieben eine ethische Frage in den vermeintlich wissenschaftlichen Bereich, in den sie nicht gehört.

Alles in allem hätte ich gerne mehr von den Charakteren gelesen, dafür weniger oder besseren Plot. Und jetzt bin ich gespannt, zu welchem Ergebnis die Podcaster gekommen sind.

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fiorell
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Re: Folge 30: Das Institut

Beitrag von fiorell » Mo 7. Okt 2019, 20:59

Direkt mal die erste Anmerkung: In der originalen Fassung ist Tims Berufsbezeichnung: "Night Knocker"

Nachtklopfer ist also die wörtliche Übersetzung. Hatte mich schon gefragt, wie es wohl übersetzt sein würde.

Randnotiz: Ich konnte mit dem Begriff nichts anfangen, und beim googeln war der erste Treffer ein Reddit-Thread von einem Leser von The Institute, der die Frage stellte, was wohl ein Night Knocker sein könnte :D
Bin schwarz, aus Holz und stets verschlossen
Seitdem mit Stein sie mich beschossen
In mir ruh'n tausend trübe Linsen
Seitdem mein Haupt ging in die Binsen
Dagegen helfen keine Pillen:
Ich bin ein Schrank voll ungeputzter Brillen
-Walter Moers

Jochen
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Re: Folge 30: Das Institut

Beitrag von Jochen » Di 8. Okt 2019, 06:52

timcbaoth hat geschrieben:
Mo 7. Okt 2019, 20:42
Obwohl ich natürlich nicht glauben kann, dass ein Mensch mit hohem IQ Cormac Mccarthy mögen könnte
HAST DU MICH GERADE DUMM GENANNT???!!!!11 :D
Die mathematischen Erklärungen ergeben für mich keinen Sinn
Das habe ich im Spoilerteil nicht mehr angesprochen, weil es zur Erklärung zumindest einer leidlich mathematischen Herleitung bedürfte und mir das nach über 90 Minuten Podcast dann "too much" erschien. Aber: volle Zustimmung. Das war selbst für mich als interessierten Laien, der mit Sample Sizes, Bernouilli und Co. nur deshalb was anfangen kann, weil er sich zufällig für Sportarten begeistert, in denen sowas relevant ist, erkennbarer Blödsinn. Nach der Lektüre der Danksagungen im Anschluss ertappte ich mich bei dem Gedanken: "Oh, beim letzten Kapitel war dein Faktenchecker offenbar schon gestorben".

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falko
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Re: Folge 30: Das Institut

Beitrag von falko » Di 8. Okt 2019, 07:34

Jochen hat geschrieben:
Di 8. Okt 2019, 06:52
Das habe ich im Spoilerteil nicht mehr angesprochen, weil es zur Erklärung zumindest einer leidlich mathematischen Herleitung bedürfte und mir das nach über 90 Minuten Podcast dann "too much" erschien. Aber: volle Zustimmung. Das war selbst für mich als interessierten Laien [...]
Als mathematisch komplett ignoranter Laie bin ich sehr dankbar, dass für diesen Aspekt keine Zeit mehr war. :D
"Getting older is no problem. You just have to live long enough." - Groucho Marx

Shenmi
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Re: Folge 30: Das Institut

Beitrag von Shenmi » Di 8. Okt 2019, 09:12

Jochen hat geschrieben:
Mo 7. Okt 2019, 19:50
Das wird nach dem Hören des Podcasts ... interessant, glaube ich :mrgreen:
Ein bisschen erstaunt war ich schon, finde es aber gut wenn es andere Ansichten gibt.
Und die Kritik ist ja nicht substanzlos, sondern die angesprochenen Punkte fallen mir ja durchaus auch auf.

Nehmen wir mal den Zugang zum Computer, über den ich auch gestolpert bin:
Was mich daran enttäuscht hat war das Luke im Prinzip damit überhaupt nichts gemacht hat, außer sich zu bestätigen das seine Eltern ermordet wurden. Das er nicht einfach eine EMail schreiben kann und dann kommt die Kavallerie ist mir auch bewusst, zumal er ja nicht weiß von dem dieses Institut betrieben wird. Aber irgendeinen Vorteil hätte man aus freiem Zugang zum Internet doch ziehen können.
Stattdessen war der Computer nur das Vehikel um Maureen zu helfen, damit diese sich revanchiert. Und mal nebenbei bemerkt: Deren plötzliche Wandlung fand ich viel unglaubwürdiger. Das wurde zwei Sätze eingeleitet nachdem dieser Stackhouse (?) noch gesagt hatte, welch gute Spionin sie ist.
Trotzdem wirken solche Nachlässigkeiten, dass eben ein Computer doch verfügbar ist, im Kontext des Romanes durchaus plausibel. Denn die Betreiber haben ja augenscheinlich nichts zu befürchten, selbst keine Ahnung von Technik und scheinbar fließen auch die Gelder nicht mehr wie früher.
Im Prinzip haben wir hier fast eine Art sozialistisches System - ich weiß nicht wie ich es besser ausdrücken soll - welches langsam verrottet, wie sie das nun einmal tun. Das halte ich für halbwegs plausibel.

Womit wir beim Personal wären:
Ich hatte bei den Beschreibungen der Charaktere auch das Gefühl das sie recht klischeehaft sind, habe dann aber an die Bilder der Wachmannschaften von Auschwitz denken müssen. Da gibt es Aufnahmen wo sie gemeinsam in der Sonne liegen, zusammen Blaubeerkuchen essen oder an lauen Sommerabenden beim Biertrinken sitzen, während nebenan der Holocaust stattfindet.
Deswegen halte ich diese Charaktere auch für einigermaßen glaubwürdig, wenigstens in diesem Kontext.

Noch zwei Sachen zur politischen Aussage:
Mir gingen diese Seitenhiebe auf Trump irgendwann auch richtig auf die Nerven. Nicht weil ich ihn toll finde, aber ich bin der Ansicht das man sich damit doch genau auf das Schlachtfeld begibt was dieser ausgesucht hat.
Warum das ein Fehler ist, dass hat schon General Sunzi vor einigen tausend Jahren festgehalten. Trump wird man weder mit "Du bist doof" beikommen, noch mit dem Schimpfen darüber wie doof seine Wähler sind. Das hat bisher nichts gebracht und es wird auch künftig nichts bringen.
Trump inszeniert doch solche Sachen wie mit "The Squad" selbst und lehnt sich dann zurück. Diese Frauen sind in den USA alles andere als beliebt und selbst bei den Dems nicht. Aber diese werden gezwungen sich hinter sie zu stellen und schon kreist man um sich selbst, was Trump genüsslich ausschlachten kann.
Ähnlich funktioniert es doch hierzulande mit der AfD, die man dauernd stellen möchte. Aber am Ende begibt man sich doch immer wieder nur auf deren Niveau. Aber das Fass will ich hier gar nicht weiter aufmachen.

Ein bisschen heuchlerisch fand ich King dann aber auch, wenn er gleich hintendran ein Loblied auf den Waffenbesitz singt. "Der tolle Süden, wo jeder ne Knarre hat und gleich losballert...haha". Das fand ich extrem unnötig, obwohl ich auch schmunzeln musste.

Zuletzt noch Jochens Trolley Problem:
Es gibt einen sehr guten Film an den ich in dieser Situation denken musste. Und zwar an "Unthinkable" mit Samuel L. Jackson.
Dort verstecken Islamisten Atombomben in amerikanischen Großstädten und als die Polizei einen von ihnen aufgreift, beginnen sie ihn zu foltern, um die Standorte der anderen Bomben herauszufinden. Das Ganze ist wirklich übel und ich habe den ganzen Film über eine klare Position gehabt. Dachte ich....
Bis dann das Ende kommt und alles in Frage stellt was ich mir bis dahin überlegt habe. King macht das hier aber lange nicht so subtil, was ich ein wenig schade fand. Und was hätte eigentlich das Institut nun gehindert, die Kinder danach alle einzeln aufzugreifen und umzubringen? An den USB Stick wäre man doch gar nicht herangekommen, wenn alle so weit auseinander wohnen...Na ja...

Mir hat das Buch jedenfalls gut gefallen, im Gegensatz zu manch anderem King Roman der letzten Zeit.
Sleeping Beauties habe ich nicht zu Ende gelesen und Finderlohn auch abgebrochen, obwohl ich Mr. Mercedes nicht schlecht fand. Den Outsider habe ich mir dann gleich gespart.
KIng ist immer noch so viel besser als die anderen Autoren, wie ich das sehe. Jedenfalls in seinen guten/besten Momenten.

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ABMGW
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Re: Folge 30: Das Institut

Beitrag von ABMGW » Di 8. Okt 2019, 09:17

Luke war wirklich ein schrecklicher Charakter, vor allem wenn man bedenkt das dessen "Cleverness" eingendlich gar keine Rolle spielt. Ich bin mir 100% sicher das King den NUR hyperintelligent gemacht hat damit King durch Luke kugscheißen kann. Da gab es die einie Stelle mit "Brot uns Spiele", wo ja nicht nur das Konzept erwähnt wird sondern gleich noch der römische Dichter dazu.

Das mit dem Laptop ist mir auch sehr unangenehm aufgefallen, aber es passt einfalch ins Bild von King als Technologiefeind. Wenn ich da an "die Arena" erinnern darf: Da stellt die Arme die Telefone in der Stadt unter der Kuppel ab... aber ausdrücklich das Internet nicht. Weil, übers Internet kann man ja nicht kommunizieren. Macht ja auch keiner. Wann immer King über irgendwas mit technologie schreibt ist er sowas von hinten drann und unglaubwürdig das es fast weh tut. Ich muss da noch an "Mr Mercedes" erinnern: Mir hat es körperlich WEH getan das der genze Scheißroman um Funkschlüssel für Autos aufgebaut ist, die für King wohl sowas sind wie Quantencomputer für Affen.

Und zu guter letzt, noch etwas das mir das Lesevergnügen verdorben hat, und von dem es mich wundert das ihr es nciht erwähnt habt: Tschechows Gun in Form dieser Bibelmetapher: Samson der ten Tempel über seinen Feinden niederreist. Das Zitat ist dem Buch vorangestellt, und Luke denkt sich selber zweimal das wortwörtlich gleiche: Samson und der Tempel, der niedergerissen wird.

Na da hab ich mich doch gefragt wie wohl das Buch ausgehen wird.

Shenmi
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Re: Folge 30: Das Institut

Beitrag von Shenmi » Di 8. Okt 2019, 09:24

ABMGW hat geschrieben:
Di 8. Okt 2019, 09:17


Na da hab ich mich doch gefragt wie wohl das Buch ausgehen wird.
Ich glaube allerdings auch nicht das die Geschichte darauf angelegt war, den Leser bis zum Schluss rätseln zu lassen, wie es ausgeht.
Da hat Jochen schon recht, es geht eher um politische Aussagen und ein wenig um moralische Dilemma. Selbst wenn man dieses Zitat nicht gelesen hätte, weiß man doch als geübter Leser schon bei der Ankunft im Institut das die Kinder sich zusammentun und ihre potenzierten Fähigkeiten als Waffe benutzen werden.

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