Folge 36: Zerrissene Erde

Hier wird über die aktuelle Folge diskutiert. Und über alle anderen natürlich auch.
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falko
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Folge 36: Zerrissene Erde

Beitrag von falko » Di 21. Jan 2020, 17:59

Ungefähr zum Zeitpunkt dieser Folge hat der SF-Autor John Scalzi auf Twitter eine frühere Aussage über seine Autorenkollegin N.K. Jemisin relativiert. Er hatte sie als „möglicherweise wichtigste Fantastik-Autorin ihrer Generation“ bezeichnet. Nun möchte er das „möglicherweise“ streichen.

Mit ihrer Trilogie „Die große Stille“ („Broken Earth“) hat N.K. Jemisin so ziemlich alle Genre-Preise gewonnen, die es gibt. Es geht um eine Welt, die ständig im Wandel ist, in der die Naturgewalt von einer bestimmten Gruppe von Menschen kontrolliert werden kann, doch diese werden gleichzeitig von einem Bund kontrolliert, der sie zähmen soll.

Können wir uns dem allgemeinn Lob und der Begeisterung anschließen und werden wir uns auch den Folgebänden widmen, deren deutsche Übersetzungen gerade im Anflug sind?

Viel Spaß mit der neuen Folge!

Folge 36: Zerrissene Erde
"I must say I find television very educational. The minute somebody turns it on, I go to the library and read a good book." - Groucho Marx

Nimlod
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Re: Folge 36: Zerrissene Erde

Beitrag von Nimlod » Mi 22. Jan 2020, 12:52

Generelle Frage: Woher kommt eigentlich im Literaturbereich dieser Drang, über alles und jeden "Der neue Tolkien! Sitzt zur Rechten von großer-Meister-des-Genres-xyz! Beste Autorin aller Zeiten! Wichtigster Autor seiner Generation!" zu schreiben? Das ist dermaßen überbenutzt, dass ich diese Bekundungen in keinster Weise mehr ernst nehmen kann (ohne irgendein Urteil über die Autorin hier zu fällen, hab's nicht selbst gelesen). Bei mir ist es schon fast umgedreht. Wenn ich solche Jubelperser-Zeilen auf einer Buchrückseite lese, verspüre ich automatisch den Drang, es wegzulegen.

Gerade schielt mein Blick auf ein paar solcher Fälle in meinem Regal. Mal zwei rausgenommen:

- Eragon:
"Der junge »Herr der Ringe«." - Frankfurter Rundschau
-> in Wirklichkeit mittelmäßige Fantasy für Jugendliche

- Der Name des Windes
"Für mich ist Der Name des Windes die überzeugenste Fantasy seit Tolkiens Der Herr der Ringe..."
-> ganz nett, mehr auch nicht (und geht seit Jahren nicht weiter uff)

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falko
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Re: Folge 36: Zerrissene Erde

Beitrag von falko » Mi 22. Jan 2020, 13:35

Wir haben ja schon diverse Male angesprochen, wie sehr der Buchhandel seine Regale liebt. Der Vergleich zu einem Klassiker des Genres ist das ganze hoch zwei.

Ein "Blurb", also ein lobendes Zitat einer anderen Autorin oder eines Autors ist entweder:
- echte Begeisterung
- eine freundschaftliche Gefälligkeit
- bezahlte Werbung

Beides in Kombination ist dann halt marketingtechnisch der Bestfall.
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Nimlod
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Re: Folge 36: Zerrissene Erde

Beitrag von Nimlod » Mi 22. Jan 2020, 14:08

Klar, aber fragen sich die nie, ob man alles übertreiben kann? :D

Und noch eine ernste Frage zum Buch. Würdet ihr es auch empfehlen, wenn einen das Thema Apokalypse/Endzeit allgemein wenig interessiert?

Ironic Maiden
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Re: Folge 36: Zerrissene Erde

Beitrag von Ironic Maiden » Mi 22. Jan 2020, 16:03

Nimlod hat geschrieben:
Mi 22. Jan 2020, 14:08
Klar, aber fragen sich die nie, ob man alles übertreiben kann? :D
Oh, ich fände weniger begeisterte Statements auf den Buchdeckeln ja toll:
"Dieses Buch wird Sie mäßig unterhalten, wenn Sie beim Zahnarzt warten. (J.K. Rowling)"
"Ich habe es gelesen und zwei Tage später wieder vergessen. (Neil Gaiman)"
"Besser als nichts und wenigstens nicht zu lang. (Stephen King)"
"Für das Geld könnten Sie auch essen gehen. (Juli Zeh)"
"Dieser Film wird Sie nicht stören, während Sie auf ihrem Handy herumtippen. (The Rolling Stone"

Hach, wär das super! :D
Nimlod hat geschrieben:
Mi 22. Jan 2020, 14:08
Und noch eine ernste Frage zum Buch. Würdet ihr es auch empfehlen, wenn einen das Thema Apokalypse/Endzeit allgemein wenig interessiert?
Ich bin zwar nicht direkt gefragt, aber ich mag eigentlich weder Endzeit noch Fantasy besonders und habe das Buch sehr genossen. Es umschifft die meisten Probleme, die ich mit beiden Genres habe, sehr gekonnt. Es ist weder diese geschwollene Fäntelalter-Fantasy noch dieses deprimierend-nihilstische Endzeit-Zeugs, sondern eine mMn wirklich spannende Geschichte mit interessanten Figuren. Die Welt fand ich persönlich gar nicht so besonders faszinierend (Geologie und Steine sind das einzige Thema, für das ich keinerlei Begeisterung aufbringen kann...), aber das macht überhaupt nichts, weil der Plot einfach zügig und gut durchdacht ist.

Nimlod
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Re: Folge 36: Zerrissene Erde

Beitrag von Nimlod » Mi 22. Jan 2020, 16:15

Ironic Maiden hat geschrieben:
Mi 22. Jan 2020, 16:03

Oh, ich fände weniger begeisterte Statements auf den Buchdeckeln ja toll:
"Dieses Buch wird Sie mäßig unterhalten, wenn Sie beim Zahnarzt warten. (J.K. Rowling)"
"Ich habe es gelesen und zwei Tage später wieder vergessen. (Neil Gaiman)"
"Besser als nichts und wenigstens nicht zu lang. (Stephen King)"
"Für das Geld könnten Sie auch essen gehen. (Juli Zeh)"
"Dieser Film wird Sie nicht stören, während Sie auf ihrem Handy herumtippen. (The Rolling Stone"

Hach, wär das super! :D

Ich bin zwar nicht direkt gefragt, aber ich mag eigentlich weder Endzeit noch Fantasy besonders und habe das Buch sehr genossen. Es umschifft die meisten Probleme, die ich mit beiden Genres habe, sehr gekonnt. Es ist weder diese geschwollene Fäntelalter-Fantasy noch dieses deprimierend-nihilstische Endzeit-Zeugs, sondern eine mMn wirklich spannende Geschichte mit interessanten Figuren. Die Welt fand ich persönlich gar nicht so besonders faszinierend (Geologie und Steine sind das einzige Thema, für das ich keinerlei Begeisterung aufbringen kann...), aber das macht überhaupt nichts, weil der Plot einfach zügig und gut durchdacht ist.
Das wäre tatsächlich sehr lustig, die Leute würden definitiv stutzen, wenn sie so etwas lesen würden.
"Lesen Sie das nicht, es ist grässlich!" - Jochen Gebauer, Podcast-Millionär
"Hach, ich hätt's ja gern gemocht, aber ne. Manchmal sollte man's auch einfach lassen." - Falko vom Vogelsberg, Flachwitze-Erzähler
:mrgreen:

Und ok, na dann muss ich das Buch wohl wirklich mal lesen. Allein schon der guten Frauen-Charaktere wegen. Gibt es ja auch nicht um jeder Ecke im Fantasy-Genre.

timcbaoth
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Re: Folge 36: Zerrissene Erde

Beitrag von timcbaoth » Do 23. Jan 2020, 18:28

Schön, dass ihr jetzt eines meiner Lieblingsbücher der 10er-Jahre rezensiert habt. :D

Ohne zuviel zu spoilern, aber ich wollte nur noch anmerken, dass die Erzählperspektive der zweiten Person in den nächsten Teilen sogar noch aus der Handlung heraus erklärt wird. Die Bücher sind wirklich verdammt gut geschrieben (zumindest im Original) und durchdacht. Meiner Meinung nach haben sie absolut zurecht die Hugos abgeräumt.

Ich habe beim Lesen oft inne gehalten und Passagen, ja ganze Seiten neu gelesen, weil ich gedacht habe "wow, so kann man schreiben?". :lol:

Den letzten Hugo-Gewinner-Roman (Mary Robinette Kowal - The Calculating Stars) fand ich ja leider eher weniger überzeugend... D.h. nicht schlecht, aber N.K. Jemisin schreibt da um Welten besser. Und im März erscheint ihr nächster Roman "The City We Became". Grosse Vorfreude.

Ironic Maiden
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Re: Folge 36: Zerrissene Erde

Beitrag von Ironic Maiden » So 26. Jan 2020, 14:29

Also ich habe jetzt den zweiten Band zu etwa zwei Dritteln durch und ich finde ihn bei Weitem nicht so gelungen wie den ersten. Ich möchte nicht spoilern, aber irgendwie fehlt mir die Plotprogression. Große Teile des Textes drehen sich darum, dass Informationen zu diversen Hintergründen vermittelt werden sollen, aber das jeweils aus verschiedenen Gründen nur bröckchenweise erfolgen kann. Auf mich wirkt das künstlich gestreckt und als hätte die Autorin nicht gewusst, wie sie 250 Seiten Hintergrunderklärungen vermitteln soll und sie deshalb durch relativ uninteressante Nebenhandlungen unterbrochen.
Ich finde das Buch wirklich nicht schlecht, es ist immer noch unterhaltsam und man erfährt schon einige überraschende Dinge, aber es kommt einfach nicht an den ersten Band heran. Ich hoffe jetzt mal, dass das im dritten Teil wieder besser wird, aber meine Begeisterung ist etwas gedämpft.

Shenmi
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Re: Folge 36: Zerrissene Erde

Beitrag von Shenmi » Fr 31. Jan 2020, 12:01

Ich war krank und bin etwas spät dran.
Mit dem Roman war ich sowieso ein bisschen im Verzug, denn ich musste ihn tatsächlich dreimal beginnen, bis ich über die Seite 30 hinauskam.
Irgendwie hat es bei mir überhaupt nicht gezündet. Aber das ist hier wieder einer der Fälle wo ich im Nachhinein froh bin, dran geblieben zu sein.

Verschiedene im Podcast angesprochene Sachen sind mir auch aufgefallen, zum Beispiel der Umgang mit den Begrifflichkeiten dieser Welt.
Mich hat es ein wenig an Stephen Kings Dark Tower erinnert - okay, was erinnert mich nicht daran... Aber ich fand schon bei King das er sehr geschickt seine Welt mit unserer vermengt und dennoch mutig genug ist, fremde Wörter einzubauen und natürlich zu benutzen.
Als LeserIn lerne ich vollkommen organisch das unsere Reisegepäck eine Gunna ist, um mal ein Beispiel zu bringen. Jemisin geht ja mitunter ganz ähnliche Wege.
Ich habe z.B. erfahren das sie zu den people of colour gehört als ich das Wort Rogga gelesen habe, welches mich sofort an "Nigger" erinnert hat. Dann habe ich nachgeschaut und konnte mir sofort erklären woher es kommt. Sie beschreibt diesen Begriff ja auch dadurch das er im Buch sehr hart klingt und regelrecht ausgespuckt wird. Sehr toll und unheimlich plastisch!

Und abgesehen von der Geschichte, die mir sehr gut gefallen hat, ist mir auch sofort aufgefallen das dies ein sehr weibliches und feministisches Buch ist und zwar auf die gute Art und Weise.
Es ist jederzeit präsent, zum Beispiel wenn in Syenits Geschichte -die ich auch am besten fand - die Rolle der Frau als Gebärmaschine/Ware/Sexualobjekt thematisiert wird, aber ohne zu moralisieren und ohne mit dem erhobenen Finger zu kommen. So gefällt mir das richtig gut, aber ich denke, so etwas schaffen nur sehr begabte Autoren und Autorinnen.
Und das in einem so vielschichtigen Roman, der auch seinen Plot nicht vergisst. Vor allem mag ich es ja auch als LeserIn ernst genommen zu werden und mitdenken zu müssen, um mir das Buch zu erschließen. Mitunter wirken dann solche Romane vielleicht etwas sperrig, aber ich mag das.
Zerrissene Erde ist das jedenfalls ganz sicher, wenn auch nicht "Murakami sperrig". Den mag ich zwar auch, aber ich habe mal eine Kritik gelesen, wo jemand einen Murakami Roman als "Genussfolter" deklariert hat. Genau das trifft es für mich am besten.

Vielleicht könnt ihr ja auch mal einen Murakami machen? 1Q84 vielleicht?

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falko
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Re: Folge 36: Zerrissene Erde

Beitrag von falko » Fr 31. Jan 2020, 14:27

Shenmi hat geschrieben:
Fr 31. Jan 2020, 12:01
Vielleicht könnt ihr ja auch mal einen Murakami machen? 1Q84 vielleicht?
Lockt mich durchaus, aber an seine Prosa hab ich mich noch nicht rangetraut. "Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede", habe ich gelesen, aber zu diesem Buch habe ich eine echte Hassliebe. Einerseits sagt er viele wahre Dinge über Langstreckenlauf, andererseits wirkt es extrem selbstverliebt.
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