Einmalige Freude an Medien

Gepflegte Diskussionen über (gute) Bücher und alles, was damit zu tun hat.
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Sebastian Solidwork
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Einmalige Freude an Medien

Beitrag von Sebastian Solidwork » Mi 12. Aug 2020, 12:55

Hallo,

es gibt Bücher, Filme und Spiele die ich mir gerne immer wieder rezipiere, weil sie mir gefallen. Das sind wohltuende Ereignisse.
Und dann gibt es solche die mir zwar gefallen, aber die mich so angerührt haben, dass ich sie erstmal so schnell nicht wieder anschauen/lesen möchte.
Habt ihr da ähnliche? Wie geht es euch damit?

Meine bisherigen zwei sind:
- Das Buch "Der letzte Tag der Schöpfung" von Wolfgang Jeschke
- Der Film "Sieben Leben" mit Will Smith






SPOILER
- Der letzte Tag der Schöpfung -
Die eigentliche Erzählstruktur "Am Anfang schon Zeichen setzen, dass das später nicht funktionieren wird." habe ich so schon öfter gelesen. Aber irgendwie hat es mir hier ziemlich mitgenommen. Der Roman hat mich zum Ende deprimiert zurück gelassen. Er hat die Hoffnungslosigkeit der Charaktere auf mich übertragen.
Das hat mich als Erlebnis beeindruckt und als Mensch bereichert. Aber das will ich so schnell nicht wieder haben. Das Buch ist seit mehrere Jahren unberührt.

- Sieben Leben -
Diese Selbstaufgabe des Charakters hat mich beeindruckt. Seinem Leben aktiv eine Ende zu setzten ist für mich ein Schritt von großer Verzweiflung.
Und dann auch noch diese, teils brutale und unsympathische, Vorarbeit die Kandidaten zu prüfen...
Auch hier war ich tief bewegt, finde den Film in einer speziellen Art. Aber einmal reicht.

Ironic Maiden
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Re: Einmalige Freude an Medien

Beitrag von Ironic Maiden » Mi 12. Aug 2020, 14:35

Sebastian Solidwork hat geschrieben:
Mi 12. Aug 2020, 12:55

es gibt Bücher, Filme und Spiele die ich mir gerne immer wieder rezipiere, weil sie mir gefallen. Das sind wohltuende Ereignisse.
Ich lese oder schaue etwas sehr selten zweimal, einfach weil es so viele Romane und Filme gibt, dass ich lieber etwas Neues entdecken möchte. Es gibt aber einige wenige Ausnahmen. Bei Büchern ist das "Sansibar oder der letzte Grund" von Alfred Andersch, das einzige Buch, das ich in der Schule lesen musste und auch heute noch sehr innig liebe. Ich lese es alle paar Jahre mal wieder und jedesmal hilft es mir, mich besser zu fühlen. Nicht auf so einer platten Lebenshilfe-Ebene, sondern eher, weil es darum um Menschen geht, die sich entscheiden müssen, wer sie sein wollen und dann dementsprechend handeln müssen. Und das ist für mich immer wieder so eine Art intellektueller Tritt, besser mit mir selbst klarzukommen.
Ansonsten fiele mir höchstens noch "Buffy the Vampire Slayer" ein. In Phasen, in denen es mir richtig schlecht geht, bauen mich ein paar Folgen zuverlässig wieder auf und deswegen komme ich immer wieder darauf zurück.
Sebastian Solidwork hat geschrieben:
Mi 12. Aug 2020, 12:55

Und dann gibt es solche die mir zwar gefallen, aber die mich so angerührt haben, dass ich sie erstmal so schnell nicht wieder anschauen/lesen möchte.
Ich bin da vielleicht seltsam, aber es gibt eigentlich kaum Bücher, die es schaffen, mich wirklich emotional zu berühren. Klar bin ich manchmal geschockt, etwas angeekelt oder leicht traurig, aber um wirklich betroffen zu sein reicht das geschriebene Wort meistens nicht. Bei Filmen geht das eher, anscheinend brauche ich das volle Programm aus Wort-Bild-Ton/Musik, aber auch da bin ich selten extrem angerührt. Der einzige Film, der mir dazu spontan einfällt, ist "Logan". Ich fand ihn großartig, aber nachdem ich im Kino Rotz und Wasser geheult habe, was mir sonst nie passiert, habe ich ihn nicht wieder angesehen.

Dokumentarfilme sind nochmal was anderes, da gehen mir viele sehr nahe. Ich bin so ein Solidaritäts-Heuler, wenn ich echte Menschen da weinen sehe, kommen mir dann auch die Tränen. Ich meide deswegen Dokus zu einigen Themen, weil ich mich nicht schlecht fühlen möchte.

Ich finde es aber immer sehr spannend, wie emotional manche Leute auf Romane ansprechen. Ich kann nicht direkt sagen, dass ich neidisch wäre, aber teilweise habe ich schon den Eindruck, dass ich in der Hinsicht ein sehr gefühlloser Klotz bin...

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falko
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Re: Einmalige Freude an Medien

Beitrag von falko » Mi 12. Aug 2020, 16:18

Bei mir ist es vom Medium abhängig.

Bücher: eher selten, und wenn, dann vielleicht mal in der Originalfassung.

Spiele: rein vom Zeitaufwand kaum stemmbar. Ein paar alte Adventures öffne ich gern noch mal, um die Atmosphäre zu genießen. Aber jedes Retro-Spiel, das ich doch mal wieder öffne, desillusionisiert nur. (Habe im Frühjahr das "Evercade" wieder storniert, weil ich wusste: ich gebe da Kohle aus für was, das dann schnell in der Ecke verstaubt.)

Filme: OH JA, MASSIG! :) Manche Filme schaue ich immer wieder. Manchmal nur, um die Tonspur genauer zu analyisieren oder die Kameraarbeit. Oder um einfach wieder einzutauchen. Bin gerade dabei, die letzte Staffel der originalen Star-Trek-Serie abzuschließen, aber was dann? Zum dritten Mal DS9? Kommt dann Jochen mit der Dachlatte? :D
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Sebastian Solidwork
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Re: Einmalige Freude an Medien

Beitrag von Sebastian Solidwork » Mi 12. Aug 2020, 20:56

Und gibt es von diesen Filmen auch welche die du gut/beeindruckend findest, aber sie nicht so schnell wieder sehen willst?
Weil sie u.a. unangenehme Gefühle auslösen?

Vielleicht hätte ich den Thread besser "berührende Medien" neben sollen.

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Peter
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Re: Einmalige Freude an Medien

Beitrag von Peter » Do 13. Aug 2020, 05:44

Sebastian Solidwork hat geschrieben:
Mi 12. Aug 2020, 12:55
Und dann gibt es solche die mir zwar gefallen, aber die mich so angerührt haben, dass ich sie erstmal so schnell nicht wieder anschauen/lesen möchte.
Habt ihr da ähnliche? Wie geht es euch damit?
Also mir fällt tatsächlich kein einziges Beispiel ein, bei dem das der Fall gewesen wäre.

Ansonsten könnte ich eigentlich einfach Falko zitieren: Bücher lese ich nur sehr selten ein zweites Mal. Spiele inzwischen schon alleine deswegen nicht mehr, weil ich mir die Enttäuschung ersparen möchte, da sie i.d.R. schlecht altern (Ausnahmen gibt es zwar, aber die kann ich an einer Hand abzählen). Meine Lieblingsfilme sehe ich ich mir dagegen immer mal wieder an. Auch Serien wiederhole ich gerne: Da bin ich z.B. bei meinem Star-Trek-Komplettdurchlauf inzwischen bei ENT und wenn das durch ist, fängt es wieder bei TOS an.

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falko
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Re: Einmalige Freude an Medien

Beitrag von falko » Do 13. Aug 2020, 06:02

Sebastian Solidwork hat geschrieben:
Mi 12. Aug 2020, 20:56
Und gibt es von diesen Filmen auch welche die du gut/beeindruckend findest, aber sie nicht so schnell wieder sehen willst?
Weil sie u.a. unangenehme Gefühle auslösen?

Vielleicht hätte ich den Thread besser "berührende Medien" neben sollen.
Ich glaube, es unterschiedliche Arten von "berührend". Etwas, das "unangenehme Gefühle" auslöst - darum reißt sich wohl niemand. Es sei denn, man setzt sich bewusst und in der richtigen Stimmung dem ganzen aus. Zum Beispiel ein Splatter-Film. Und selbst da sind die Unterschiede groß. Peter Jacksons "Braindead" könnte ich immer wieder schauen, weil der Slapstick-Humor und die ganze Inszenierung so überbordend sind. Aber alles, was in Richtung "Torture Porn" geht (Saw, Hostel etc) vermeide ich komplett. Nicht, weil ich es nicht aushalten würde, sondern weil ich in diesen Filmen keine neuen, interessanten Sachen erwarte.

"Berührend" im Sinne von "löst Trauer aus" ... natürlich muss auch dafür die Stimmung passen, aber in solchen Fällen will ich GERADE das Ding immer wieder sehen, um rauszufinden, warum es so gut funktioniert. Beispiel: "Donnie Darko". Als der auf DVD rauskam, hab ich den komplett unwissend aus der Videothek (haha, lange her) geliehen. Geschaut. Direkt noch mal geschaut. DVD zurückgebracht, weitergelaufen ins Saturn, gekauft. Eine Woche lang den Film jeden Tag geschaut.

Zu DIESEM Zeitpunkt in meiner DAMALIGEN Situation hat der Film so perfekt bei mir funktioniert, wie es selten vorkommt. Vielleicht hätte der Film ein paar Jahre früher oder später bei mir nicht derart geklickt. Die Anfangssequenz liebe ich immer noch. Diese ruhige Kamera, das Einsetzen von "Killing Moon", das Foreshadowing mit dem roten Sportwagen perfekt auf den Song abgestimmt, die auf- und abwogende Zeitlupe ... hach. https://www.youtube.com/watch?v=6XeZU0km1H0

Dann kam der Director's Cut, Richard Kelly hat einige Musikstücke geändert, banale Erklärtexttafeln eingebaut und in Interviews seinen eigenen Film naiv-religiös interpretiert ... einer der seltenen Fälle, wo mir der Erschaffer selbst einen Film ein wenig verdirbt. :D Ich halte mich seitdem an den Cinema-Cut und fertig. Alle paar Jahre schaue ich ihn mir wieder an.
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A_Forest
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Re: Einmalige Freude an Medien

Beitrag von A_Forest » Mi 26. Aug 2020, 17:53

Sebastian Solidwork hat geschrieben:
Mi 12. Aug 2020, 20:56
Und gibt es von diesen Filmen auch welche die du gut/beeindruckend findest, aber sie nicht so schnell wieder sehen willst?
Weil sie u.a. unangenehme Gefühle auslösen?
„Boys don‘t cry“ hatte auf mich diesen Effekt. Ich fand ihn sehr gut, aber wusste, daß ich Jahre Abstand brauchen würde, um ihn nochmal anzusehen.
Falko hat geschrieben: Aber alles, was in Richtung "Torture Porn" geht (Saw, Hostel etc) vermeide ich komplett. Nicht, weil ich es nicht aushalten würde, sondern weil ich in diesen Filmen keine neuen, interessanten Sachen erwarte.
Das geht mir genauso. Diese Filmrichtung ist leider stets so sinnfrei, daß mich die dargestellte Gewalt nicht schockiert, eben weil die Handlung komplett ohne Grund auskommt und die flachen Charaktere eben ohnehin nur Mittel zum Zweck sind. Somit sind die Bilder auf dem Schirm eben nur das: Bilder.
Dennoch, es gibt eine Ausnahme: „Martyrs“ von Pascal Laugier. Dieser Film bricht mit der Tradition des Torture Porn, indem er nach der Hälfte plötzlich eine Erklärung liefert, weshalb hier Menschen gequält werden. Und die macht sogar im Rahmen der Geschichte absolut Sinn. :o

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