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Gepflegte Diskussionen über (gute) Bücher und alles, was damit zu tun hat.
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NobodyJPH
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Re: Vorschläge

Beitrag von NobodyJPH » So 25. Apr 2021, 13:01

Was haltet ihr von Tom Hillenbrands neustem Werk Montecrypto? Ich habe nach eurem Podcast mit ihm Drohnenland und Hologrammatica gelesen und fand beide sehr ansprechend. Vielleicht kommt er ja noch mal mit in den Podcast.

Interview dazu auf zeit.de

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falko
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Re: Vorschläge

Beitrag von falko » So 25. Apr 2021, 13:24

Ich hab schon ewig das Buch auf dem Lesestapel, das er vorher veröffentlich hat - das Sequel zu Hologrammatica.

ES GIBT ZU VIELE BÜCHER
"I must say I find television very educational. The minute somebody turns it on, I go to the library and read a good book." - Groucho Marx

Shenmi
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Re: Vorschläge

Beitrag von Shenmi » So 9. Mai 2021, 19:38

"Das Buch der vergessenen Artisten" von Vera Buck

"In Berlin des Jahres 1935 leiden besonders Künstler unter der Nazi Herrschaft.
Immer mehr Artisten und Musiker werden mit Auftrittsverboten belegt, neuerdings verschwinden sie. Homosexuelle, die noch die Freiheit der 20er kannten, müssen sich in Illegalen Clubs treffen und um ihr Leben fürchten.
Der Künstler Mathis, der mit der "Kraftfrau" Meta zusammenlebt und ihren behinderten Bruder in seinem Wohnwagen versteckt, kämpft gegen das Vergessen. Er möchte ein Buch schreiben, um jener Menschen zu gedenken, die von Nazis mundtot gemacht oder getötet werden. Ein gefährliches Unterfangen."

Eines der besten Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe! Sprachlich schön, warmherzig und toll recherchiert.
Ich habe so viel wissenswertes über die damalige Zeit erfahren und das mal aus einem buchstäblich vergessenen Blickwinkel. Die Autorin verwebt ihre Geschichte mit bekannten Größen der damaligen Zeit. Von Charlie Chaplin, über Claire Waldoff, bis zu Hitler, den ihre Hauptfigur noch aus Wien kennt.
Ein ganz tolles Buch!

Zitat
Kapitel 6 Seite 93 (EBook):
"Berlin 1935

Man hätte sich vielleicht besser mit allem abfinden können, wenn man die Freiheit nicht gekannt hätte. Aber bevor die Nazis kamen, galt Deutschland, ausgerechnet Deutschland, als eines der liberalsten Länder überhaupt, wenn es um Homosexualität ging. Und Berlin war der Ort, an dem der Regenbogen auf die Erde traf."
Ich bin eitel, hochmütig, tyrannisch, blasphemisch, stolz, undankbar, herablassend-bewahre aber das Aussehen einer Rose" - Pita Amor

Calafinwe
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Re: Vorschläge

Beitrag von Calafinwe » Di 22. Jun 2021, 19:16

Ich schlage A Song for a New Day von Sarah Pinsker vor.

Weil's in der letzten gehörten Folge, Über Menschen von Juli Zeh, hieß, das sei das erste Corona-Buch und ich mich frage, wie A Song for a New Day in euren Augen abschneidet. :oops: :mrgreen:

Clay
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Re: Vorschläge

Beitrag von Clay » Fr 25. Jun 2021, 22:07

Weil ich ihn gerade zuende gelesen habe und er jetzt schon zu meinen absoluten Lieblingsromanen zählt,
möchte ich Michael Chabons "Die unglaublichen Abenteuer von Kavalier & Clay" vorschlagen.

Sammy Clay und Joe Kavalier sind zwei Cousins die Ende der Dreißiger Jahre eine steile und tumultreiche Karriere im Comic-Geschäft durchlaufen.
Sammy ist ein verkrachter Schriftsteller der eigentlich hofft, den nächsten großen amerikanischen Roman zu schreiben, doch für den Moment verdient er sich seine Brötchen bei einem Verlag für Groschenhefte. Sein Vetter Joe flüchtet aus der Tschechoslowakei zu ihm nach New York. Als Jude hat er seine Familie zurücklassen müssen, um dem Nazi-Regime zu entkommen und will nichts lieber als sie nach Amerika nachholen. Joe interessiert sich für Zaubertricks und ist eine Meister der Entfesslung, zuhause hat er Kunst studiert und bringt Sammy auf die entscheidende Idee als im Verlagsbusiness ein Held im blauen Strampelanzug namens Superman berühmt wird. Gemeinsam pitchen die beiden Sammys Verlagschef ihren eigenen Superhelden, einen Entfesslungskünstler namens "The Escapist". In einer Art Alternate History wird dieser zu einem der erfolgreichsten Comichelden seiner Zeit. Doch er bringt dem Cousin-Duo nicht nur Erfolg sondern auch viel Schmerz und Entbehrung.

Als Comicfan hat mich der Superhelden-Aspekt durchaus angesprochen doch geblieben bin ich für Chabons eindringliche Charakterzeichnung und sein lebendiges Portrait des New Yorks der Vierziger Jahre. Sammy und Joe wachsen einem im Verlauf der Handlung unheimlich ans Herz und ihre Geschichte ist genauso spannend wie bittersüß. Diese Figuren haben einen permanenten Platz in meinem Herzen bekommen :) Nicht umsonst hat das Buch den Pulitzer bekommen.

Als kleine Kosprobe zum Abschluss ein Zitat aus dem Anfang von Kapitel sieben. Joe und Sammy haben Ihre Superhelden-Idee erfolgreich durchgedrückt und dürfen für den Verlag in einem Studio den Comic umsetzen. Als Zeichner haben sie Freunde und Bekannte eingestellt:

"In the immemorial style of young men under pressure they decided to lie down for a while and waste time. They took their shoes off, rolled up their shirtsleeves, and loosened their neckties. They moved ashtrays around, swept stacks of magazines to the floor, put a record on, and generally acted as if they owned the place. They were in the room where the boy-genius artists kept their drawing tables and taborets, a room variously referred to by its occupants over the years as the Bullpen, the Pit, the Rathole, and Palooka Studios, the latter a name often applied to the entire apartment, to the building, occasionally to the neighborhood, and even, on grim, hungover, hacking mornings with a view out the bathroom window of a sunrise the color of bourbon and ash, to the whole damn stinking world."

Ich würde mich freuen, wen Ihr über eine Besprechung nachdenkt :)

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