Rassistisch wenn weiße Mesnchen Texte schwarzer Autoren übersetzen?

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Ladnaks
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Rassistisch wenn weiße Mesnchen Texte schwarzer Autoren übersetzen?

Beitrag von Ladnaks » Fr 26. Mär 2021, 13:34

Ich würde gerne ein paar Meinungen zu einem Thema hören auf das ich gerade gestoßen bin. Bei der Amtseinführung von Joe Biden hat Amanda Gorman ein Gedicht vorgetragen und dadurch Berühmtheit erlangt. Daraufhin haben sich mehrere Verlage die Rechte an ihren Gedichten gesichert und damit angefangen sie in verschiedene Sprachen zu übersetzen. Auf Social Media ist aber ein Shitstorm hochgekocht weil Frau Gorman schwarz ist und einige der beauftragten Übersetzer weiß. In Folge dessen wurde bereits beauftragten Übersetzern die Aufträge wieder weggenommen. Die ganze Geschichte findet man hier: https://www.wienerzeitung.at/nachrichte ... orman.html

Die Hautfarbe eines Menschen hat für mich nicht mehr Bedeutung als die Haarfarbe, die Körpergröße oder das Lieblingsshampo, ist mir also völlig egal. Deshalb ist es völlig unverständlich für mich im Namen des Antirassismus zu fordern, dass ein Übersetzer eine bestimmte Hautfarbe haben muss. Was verstehe ich hier falsch?

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falko
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Re: Rassistisch wenn weiße Mesnchen Texte schwarzer Autoren übersetzen?

Beitrag von falko » Fr 26. Mär 2021, 14:59

Also: es ist erst mal nicht "rassistisch". Bitte diesen Begriff nicht so gedankenlos benutzen. Es steht ja auch kein aktionistischer Antirassismus dahinter, sondern der Versuch, sensibel mit den Texten umzugehen.

Offen gesagt möchte ich gar nicht darüber diskutieren oder das Ganze bewerten, weil ich nicht glaube, dass mir das zusteht und weil da ein unauflösbarer Widerspruch sich abzeichnet: Natürlich sollte gerade eine Übersetzung auch eine kulturelle Übertragung bedeuten und keine anderen Faktoren eine Rolle spielen - andererseits sollte die kulturelle Identität durchaus eine Rolle spielen.

Dieser Fall ist jetzt so hochgekocht, dass ich mich einfach raushalte.
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Jochen
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Re: Rassistisch wenn weiße Mesnchen Texte schwarzer Autoren übersetzen?

Beitrag von Jochen » Fr 26. Mär 2021, 15:09

Ladnaks hat geschrieben:
Fr 26. Mär 2021, 13:34
Was verstehe ich hier falsch?
Ganz einfach: Der Auftritt von Frau Gorman hatte einen so hohen Symbolgehalt und ihre Texte zeichnen ein so perspektivisches Bild, dass es schon von Beginn an fachlich klug gewesen wäre, vor diesem soziokulturellen Hintergrund auch entsprechende Übersetzer zu wählen.

Es geht hier nicht um "Weiße dürfen keine Sachen von Schwarzen übersetzen", sondern um "wer ist am Besten geeignet, DIESE Autorin zum aktuellen Zeitpunkt zu übersetzen".

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