Was lest ihr gerade?

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Insanity
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Insanity » So 19. Jul 2020, 18:37

Also was „The Stand“ betrifft, muss ich mich Jochens Meinung anschließen, denn ich finde es auch sehr überschätzt. Viele meiner Freunde nennen es aber ebenfalls eines ihrer liebsten King-Bücher. Mir persönlich hatte es aber nicht viel gegeben. Allerdings erinnere ich mich auch nur noch flüchtig daran und kann es darum gar nicht (mehr) begründen. :)

Bezüglich des Dunklen Turms:
Ich bin Anfang der 2000er eingestiegen, als Band 5 gerade erschienen war, glaube ich. Ich konnte es damals gar nicht erwarten, den Rest endlich lesen zu können. Von daher würde ich sagen, dass man hier das chronologische Abarbeiten des King-Gesamtwerks schlicht unterbrechen muss, da der Turm so fesselnd ist. :) Es macht auch Sinn, die Geschichte am Stück zu lesen, um wirklich darin abzutauchen, denke ich. Vor ein paar Jahren wurde ja mit „Wind“ noch eine weitere Erzählung des Zyklus hinzugefügt, die zwischen Band 4 und 5 spielt, die man imo aber wohl nicht unbedingt gleich mitlesen muss - ich empfand es eher als Fan-Service. ;)

Ironic Maiden
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Ironic Maiden » Mo 20. Jul 2020, 18:06

Ein Kollege hat mir vor den Ferien Dirac von Dietmar Dath geschenkt und ich fühle mich jetzt ein bisschen, als hätte ich eine ziemlich spannende Party verpasst. Ich hatte Dath im Hinterkopf als so einen Schlaumeier-Typen abgespeichert, von dem andere, etwas weniger schlaue Schlaumeier-Typen mir vor zehn Jahren auf Partys vorgeschwärmt haben, und an dem ich null Interesse hatte. (Allein schon der Name klingt wie eine Parodie auf einen deutschen Feuilletonautoren... nein, ich bin nicht oberflächlich...)

Und ich habe mich anscheinend geirrt. Ich will nicht behaupten, dass ich "Dirac" wirklich verstanden hätte. Es geht ziemlich viel um Physik und da fehlen mir so viele Grundlagen, dass ich den Gedankengängen nicht ernsthaft folgen kann. Aber das macht für das Buch gar nichts. Es ist eine wilde Mischung von Vignetten auf mehreren Zeitebenen, die nur in Ansätzen eine durchgehende Handlung haben, sondern oft eher durch andere Referenzen miteinenander verbunden sind. Und gleichzeitig ist es wahnsinnig angenehm zu lesen. Ich habe lange keinen Autoren mehr gehabt, bei dem sich Sprache so echt anhört und der - zumindest für mich - abbildet, wie Leute wirklich denken und reden. Und es gibt so viele Bezüge zu anderen Texten, z.B. eine komplette Szene, die direkt aus der "Buffy the Vampire Slayer"-Folge "The Body" übernommen wurde.

Im Nachhinein ärgere ich mich etwas, dass ich mich mit Dath nicht früher beschäftigt habe, aber was soll's. Jetzt lese ich gerade "Die salzweißen Augen", eine als Briefroman verkleidete Sammlung von Essays über das, was er "Drastik" nennt, nämlich Horrorfilme und Pornographie, und freue mich über Aussagen wie "Keanu Reeeves, seit seinen "Bill & Ted" - Klamaukfilmen jederzeit imstande, ein Fläschchen Bildschirmreiniger an die Wand zu spielen"...

flux
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von flux » Do 23. Jul 2020, 20:49

Shenmi hat geschrieben:
Do 16. Jul 2020, 20:33
[...]
Aber wahrscheinlich versuche ich mich nun endlich nochmal an
"Der Wolkenatlas". Das schiebe ich schon so lange vor mir her.
Und wie ist es dir mit dem Wolkenatlas ergangen?

Ich hab ca. zur selben Zeit angefangen, und bin doch jetzt sehr enttäuscht.

Die ersten beiden Kapitel fand ich noch ganz gut. Jedenfalls empfand ich die historischen Schauplätze als sehr atmosphärisch. Aber je mehr ich gelesen habe, umso weniger hat es mir gefallen.

Im Prinzip besteht das Buch aus sechs unzusammenhängenden Kurzgeschichten bzw. Novellen. Die Geschichten haben überhaupt keine Auswirkungen aufeinander. Klar, die Anspielungen hinsichtlich der Reinkarnation, aber das hat null Relevanz für den Plot. Jede der Geschichten ist für sich auch nicht besonders gut. Daraus ergibt sich dann (zumindest bei mir) kein großes Ganzes, was "besser als seine Teile" wäre.

Die Sprache im sechsten Kapitel fand ich komplett unlesbar. Ich bin sicher, man hätte den selben Effekt auch weniger übertrieben erzeugen können. Ich konnte das wirklich nicht lesen, und hab das Kapitel dann im Wesentlichen schnell überflogen.

Und ich verstehe auch nicht, was die außergewöhnliche Struktur des Buches bringen soll. Die Geschichten wurden einfach hart in der Mitte unterbrochen, das waren nicht mal richtige cliff hanger. Bei mir hat es nur dazu geführt, dass ich zu dem Zeitpunkt, als die jeweilige Geschichte wieder aufgegriffen wurde, bereits emotional nicht mehr in die Geschichte investiert war. Dem Plot hat diese Struktur auch wieder gar nichts gebracht.

Es ist mir wirklich ein Rätsel, warum so viele Leute das Buch so hoch loben. Das ist wirklich ein Fall, wo mich die Meinung von Falko und Jochen sehr interessieren würde. Weil beide ja bekanntermaßen sich nicht von jubelnden Kritikerbewertungen beeinflussen lassen. Ich frag mich, ob einfach nur ich zu blöd bin, das Buch zu begreifen ;).

Shenmi
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Shenmi » Sa 25. Jul 2020, 20:40

flux hat geschrieben:
Do 23. Jul 2020, 20:49
Shenmi hat geschrieben:
Do 16. Jul 2020, 20:33
[...]
Aber wahrscheinlich versuche ich mich nun endlich nochmal an
"Der Wolkenatlas". Das schiebe ich schon so lange vor mir her.
Und wie ist es dir mit dem Wolkenatlas ergangen?
Du hast es sehr gut ausgeführt, ich kann mich Deiner Meinung nur anschließen.
Das war ja bei mir schon der dritte oder vierte Anlauf und dieses Mal habe ich zumindest durchgehalten.
Ich werde mit dem Stil des Autors überhaupt nicht warm und musste mich schon durch die ersten Kapitel kämpfen.
Der Wolkenatlas ist tatsächlich einer der ganz wenigen Fälle - eventuell sogar der einzige - wo ich die Verfilmung besser finde.
Sogar um einiges besser!
Die ist zwar stellenweise ganz schön trashig, weil dieselben Schauspieler verschiedene Figuren in den unterschiedlichen Zeitebenen spielen, aber ich fand den Film dennoch gut. Nur darum wollte ich das Buch unbedingt lesen und es hat mich enttäuscht.

@Insanity : Zum Turm und nur der Vollständigkeit halber :
Es gibt noch eine ganz nette Kurzgeschichte, im Turm Universum.
Sie heißt "Die kleinen Schwestern von Eluria" und ist Teil eines der Sammelbände. Einfach mal googeln.

Topic :

Ich lese gerade "Totenfrau" von Bernard Aichner.
Der Roman hat 300 Seiten und jetzt, auf Seite 187, habe ich immer noch keine Meinung dazu.
Es geht um eine Bestatterin, mit dunkler Vergangenheit, die den Tod ihres Mannes rächt. Der Plot ist nicht der Rede wert und der Schreibstil wirklich interessant. Sehr kurze Sätze, die mich einerseits faszinieren und andererseits nerven. So geht es mir mit dem ganzen Buch, dass ich weder gut noch schlecht finde. Trotzdem habe ich noch nicht an Abbruch gedacht.

Als nächstes steht mal wieder ein chinesischer Autor an : Cai Jun "Rachegeist".
Und "Die einzige Wahrheit" möchte ich noch lesen, wo es um einen Mordprozess im Umfeld der Amish People geht.
Ich bin auf beide Bücher sehr gespannt.

Lima
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Lima » So 26. Jul 2020, 13:51

flux hat geschrieben:
Do 23. Jul 2020, 20:49

Im Prinzip besteht das Buch aus sechs unzusammenhängenden Kurzgeschichten bzw. Novellen. Die Geschichten haben überhaupt keine Auswirkungen aufeinander. Klar, die Anspielungen hinsichtlich der Reinkarnation, aber das hat null Relevanz für den Plot. Jede der Geschichten ist für sich auch nicht besonders gut. Daraus ergibt sich dann (zumindest bei mir) kein großes Ganzes, was "besser als seine Teile" wäre.

Die Sprache im sechsten Kapitel fand ich komplett unlesbar. Ich bin sicher, man hätte den selben Effekt auch weniger übertrieben erzeugen können. Ich konnte das wirklich nicht lesen, und hab das Kapitel dann im Wesentlichen schnell überflogen.

Und ich verstehe auch nicht, was die außergewöhnliche Struktur des Buches bringen soll. Die Geschichten wurden einfach hart in der Mitte unterbrochen, das waren nicht mal richtige cliff hanger. Bei mir hat es nur dazu geführt, dass ich zu dem Zeitpunkt, als die jeweilige Geschichte wieder aufgegriffen wurde, bereits emotional nicht mehr in die Geschichte investiert war. Dem Plot hat diese Struktur auch wieder gar nichts gebracht.

Es ist mir wirklich ein Rätsel, warum so viele Leute das Buch so hoch loben. Das ist wirklich ein Fall, wo mich die Meinung von Falko und Jochen sehr interessieren würde. Weil beide ja bekanntermaßen sich nicht von jubelnden Kritikerbewertungen beeinflussen lassen. Ich frag mich, ob einfach nur ich zu blöd bin, das Buch zu begreifen ;).
Der Zusammenhang zwischen den Geschichten besteht weniger auf Plot-Ebene, sondern mehr auf der Ebene von Themen, die immer wieder aufgenommen werden, wie in einem Musikstück, darum auch der Titel. Ein wichtiges Thema ist z. B. dieses "The weak are meat and the strong do eat". In jeder Geschichte wird eine Gruppe von einer anderen unterdrückt, in der Adam-Geschichte löschen z. B. die kriegerischen Maori die friedlichen Moriori aus, oder eine Gruppe von Seemännern misshandelt einen Schiffsjungen. In der Sonmi-Geschichte werden die Klone von den Nichtklonen unterdrückt, in der Timothy-Cavendish-Geschichte die Alten von den Jungen. Außerdem ist jede Story in einem völlig anderen Stil geschrieben - Tagebuch, Krimi, Interview etc. Das ist eben ein postmodernes Spiel, kann man mögen oder nicht. Ich persönlich hab's geliebt.
Diese mittlere Geschichte ist eine Herausforderung, gebe ich zu. :D
Der Wachowski-Film war mir im Großen und Ganzen zu verkitscht, außerdem hat mich gestört, dass Zachry, der im Buch ein Teenager ist, von Tom Hanks gespielt wurde. :roll: Aber so unterschiedlich sind die Meinungen.

Damit wären wir beim Topic:
Ich hab zuletzt das Neueste von David Mitchell gelesen, Utopia Avenue. Es geht um Glanz und Elend einer Rockband aus den 60er-Jahren. Hat mich leider nicht so mitgerissen wie seine früheren Werke.
Als Nächstes wollte ich mir evtl. "Das Seidenraupenzimmer" von Sayaka Murata zu Gemüte führen, nachdem ich ihren letzten Kurzroman "Die Ladenhüterin" sehr genossen habe.

Insanity
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Insanity » So 26. Jul 2020, 19:51

Shenmi hat geschrieben:
Sa 25. Jul 2020, 20:40
flux hat geschrieben:
Do 23. Jul 2020, 20:49
Shenmi hat geschrieben:
Do 16. Jul 2020, 20:33
[...]
@Insanity : Zum Turm und nur der Vollständigkeit halber :
Es gibt noch eine ganz nette Kurzgeschichte, im Turm Universum.
Sie heißt "Die kleinen Schwestern von Eluria" und ist Teil eines der Sammelbände. Einfach mal googeln.
Die kenne ich und habe sie auch gelesen, auch wenn ich nicht mehr weiß, in welcher Kurzgeschichtensammlung sie veröffentlicht wurde. Aber trotzdem herzlichen Dank für den Tipp. :)

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Peter
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Peter » Mo 27. Jul 2020, 09:35

Shenmi hat geschrieben:
Do 16. Jul 2020, 20:33
Ich bin ja gerade mit "Kafka am Strand" fertig, dass ich super fand und bin gerade am Überlegen, mal spaßeshalber einen Sebastian Fitzek zu lesen. Den finde ich ja total grauenhaft, aber "Passagier 23"liegt schon seit Ewigkeiten auf meinem Reader. Das hat meine Frau gekauft, um mich zu ärgern. :)
Ich habe jetzt nacheinander Murakamis Aufziehvogel und Fitzeks Seelenbrecher gelesen. Ersteres schon zum zweiten Mal, wobei ich leider erst mittendrin bemerkt habe, dass es davon bald eine Neuübersetzung geben wird (die auch dringend notwendig ist...). Ein wundervolles Buch, zu dem ich am liebsten eine fünf Stunden lange Besprechung hören würde, da dort so viel drinsteckt. Der Wechsel zu Fitzek war dann echt drastisch, da fällt man erst mal aus allen Wolken :lol: Aber ich lese auch seine Bücher wirklich gerne, sie haben mich bisher immer bestens unterhalten. Ob Feinkost oder Fast Food, ich kann allem etwas positives abgewinnen :)

Beim Wolkenatlas hatte ich zuerst den Film gesehen und war von ihm äußerst angetan, so dass ich natürlich auch zum Buch gegriffen habe... das mich dann sehr begeistert und im Zuge dessen auch den doch etwas platten Film etwas verleidet hat. Aber inzwischen habe ich den Film schon mehrfach gesehen und die Erinnerung an das Buch verblasst immer mehr, so dass ich ihn wieder richtig genießen kann. Außerdem ist die Musik wunderschön, alleine dafür lohnt er sich schon.

Shenmi
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Shenmi » Mo 27. Jul 2020, 18:32

Peter hat geschrieben:
Mo 27. Jul 2020, 09:35
Der Wechsel zu Fitzek war dann echt drastisch, da fällt man erst mal aus allen Wolken :lol: Aber ich lese auch seine Bücher wirklich gerne, sie haben mich bisher immer bestens unterhalten. Ob Feinkost oder Fast Food, ich kann allem etwas positives abgewinnen :)
Ich bilde mir ja auch immer ein, Fast Food genießen zu können und es gelingt mir auch. Zuletzt habe ich Aichners "Totenfrau" gelesen, dass ich total platt fand. Aber der Schreibstil hat mir irgendwie gefallen, diese kurzen abgehakten Sätze. Da konnte ich dann alles andere ausblenden bzw. darüber hinwegsehen.
Das Problem bei Fitzek ist ein anderes :
Er kann durchaus Spannung erzeugen, dass klappt bei mir fast jedes Mal.
Leider habe ich nach 50 bis 100 Seiten bereits sein Konstrukt durchschaut, weiß wer der Mörder wahrscheinlich ist und denke den restlichen Roman über nur noch daran, ob er es wirklich so billig auflösen wird. Und er tut es jedes Mal.
Kennst Du den Spruch "Man muss einfach den Kopf ausschalten, dann ist der Film, dass Buch etc eigentlich gut". Ich kann das leider nicht und mittlerweile habe ich so viel gelesen, dass ich oftmals das Gerüst durchschaue. Gute Autoren schaffen es, mich das vergessen zu lassen, aber Fitzek gehört leider nicht dazu.
Ist ja auch nicht schlimm, wir können ja nicht alle dasselbe mögen. :)

Børge
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Børge » Mi 29. Jul 2020, 07:04

Die letzten Wochen hab ich doch wieder einiges gelesen.

Ernst Jünger - Afrikanische Spiele
Jüngers Autobiographie Erzählung, angesiedelt vor dem 1. Weltkrieg, über seine Flucht von zu Hause und der kurzen Zeit in der Fremdenlegion. Kurz und knackig geschrieben, mit einer Teils Humorvollen Note. Das ganze Kommt wie ein klassischer Abenteuer Roman daher.

Ernst Jünger - Das Abenteuerliche Herz (Erste Fassung: Aufzeichnungen bei Tag und Nacht)
Hab ich zwar schon mindestens 3 mal gelesen, hatte aber nach "Afrikanische Spiele" wieder Lust drauf. Eigentlich muss man zu Jüngers wichtigsten Werk neben "in Stahlgewittern" nicht viel sagen. Manche Kapitel / Stücke wie das 3. über das "Entsetzen" kenne ich mittlerweile fast auswendig und in anderen finde ich immer wieder neue Aspekte.

Tuvia Tenenbom - Allein unter Amerikanern
Vom Klappentext entnommen:
"Tenenbom reiste (2015) von Florida bis nach Alaska, von Alabama bis nach Hawaii, von Deep South und Bible Belt bis an die Großen Seen und die Westküste, sprach mit Politikern und Predigern, mit Evangelikalen, Mormonen und Quäkern, mit Rednecks und Waffennarren, Kriminellen und Gefängnisinsassen, mit Indianern und Countrymusikern, Antisemiten und Zionisten, mit Obdachlosen und Superreichen und vielen, vielen mehr."

Eine Großartige Reiseerzählung die durchaus dabei hilft die USA besser zu verstehen, vor allem in der aktuellen Situation.

Joris-Karl Huysmans - Lourdes: Mystik und Massen
Nach über 100 Jahren im Mai, das erste mal als deutsche Übersetzung, im Lilienfeld Verlag erschien. Huysmans könnte den ein oder anderem bekannt sein durch Houellebecqs Roman "die Unterwerfung". Es handelt sich um einen 1906 erschienen Reise- und Erfahrungsbericht über Huysmans Zeit im französischen Wallfahrtsorte Lourdes. Trotz des alters wirkt der Text gerade zu modern. Huysman lässt sich teils aufs übelste über den ganzen Kitsch in Lourdes aus (1. Teil des Buches) das es eine wahre Freude ist. im 2. Teil befasst er sich vor allem mit dem Thema der Wunderheilungen und dem Glauben der Wallfahrer. Absolut Empfehlung.

flux
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von flux » Mi 29. Jul 2020, 18:32

Lima hat geschrieben:
So 26. Jul 2020, 13:51



Der Zusammenhang zwischen den Geschichten besteht weniger auf Plot-Ebene, sondern mehr auf der Ebene von Themen, die immer wieder aufgenommen werden, wie in einem Musikstück, darum auch der Titel. Ein wichtiges Thema ist z. B. dieses "The weak are meat and the strong do eat". In jeder Geschichte wird eine Gruppe von einer anderen unterdrückt, in der Adam-Geschichte löschen z. B. die kriegerischen Maori die friedlichen Moriori aus, oder eine Gruppe von Seemännern misshandelt einen Schiffsjungen. In der Sonmi-Geschichte werden die Klone von den Nichtklonen unterdrückt, in der Timothy-Cavendish-Geschichte die Alten von den Jungen. Außerdem ist jede Story in einem völlig anderen Stil geschrieben - Tagebuch, Krimi, Interview etc. Das ist eben ein postmodernes Spiel, kann man mögen oder nicht. Ich persönlich hab's geliebt.
Diese mittlere Geschichte ist eine Herausforderung, gebe ich zu. :D
Dass die einzelnen Geschichten ähnliche Themen bearbeiten ist mir natürlich auch aufgefallen. Aber es ist nicht so, dass man einer der Kurzgeschichten neue Aspekte abgewinnen kann aufgrund einer der anderen Geschichten. Auch bei unabhängigen Handlungen könnte sich das ja zusammenfügen. Tut es aber nicht, zumindest nicht bei mir.

Genau, dass jede Geschichte ein anderes Genre darstellt, sowohl stilistisch als auch vom Inhalt, ist an sich sehr toll. Aber ich finde halt wie gesagt die einzelnen Geschichten nicht gut genug. Ich finde, dass manche Geschichten für ihr Genre sehr typisch und nicht originell sind.

Aber ja, so verschieden können Meinungen sein :-).


Um zurück zum Thema des Threads zu kommen: Derzeit lese ich Red Rising. Es gefällt mir sehr gut, wenn auch nicht ganz so herausragend wie es Andere teilweise finden. Ein bisschen klischeehaft manchmal. Aber das world building ist klasse. Und ich mag den Stil. Pierce Brown schafft es mit einigen wenigen Sätzen ganze Situationen und Welten auferstehen zu lassen. Die wichtigsten Elemente beschreibt er selbst, der Rest entsteht in der Fantasie des Lesers. Gefällt mir sehr. Und es lässt sich sehr flüssig im englischen Original lesen.
Zuletzt geändert von flux am Do 30. Jul 2020, 06:31, insgesamt 1-mal geändert.

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