Was lest ihr gerade?

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beedaddy
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von beedaddy »

Derzeit lese ich »Der Donnerstagsmordclub« von Richard Osman. Der Schreibstil gefällt mir ausgesprochen gut. Handwerklich sehr gut gemacht und dazu ist es noch total lustig. Eine echte Empfehlung, wenn man mal was "leichtes" braucht.

Es liegen noch ein paar Seiten vor mir, aber ich überlege schon, was ich als Nächstes lesen soll: »Nevernight - Die Prüfung« von Jay Kristoff oder doch gleich den neuen King »Fairy Tale« :?:
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Oliver Naujoks
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Oliver Naujoks »

Ich habe heute "Der Goldene Handschuh" von Heinz Strunk beendet. Vordergründig die Geschichte von Fritz Honka, der als Prositutierten-Serienmörder Mitte der 1970er viele Schlagzeilen machte. In Wirklichkeit ist das Buch aber vor allem eine Milieustudie, über das unterste Trinkermilieu in St. Pauli.
Strukturspoiler: Von den gut 250 Seiten des Romans nehmen die Morde mal gerade die letzten 10-20 Seiten ein..

Strunks Buch ist mit das beste, was ich in letzter Zeit gelesen habe. Wie Autor (und Lektorat) es schaffen, durchgehend eine perfekte Tonalität zu treffen, ist zutiefst beeindruckend. Dies hätte leicht eine zynische Freakshow oder übler Sozialkitsch werden können, nichts davon. Bei all dem Ekel, Siff, Mief, der Verlorenheit und Verwahrlosung sogar in manchem Passagen fast noch sowas wie Empathie für den Anti-Helden aufzubauen zu können, das ist eine bemerkenswerte Leistung. Ich war lange von einem Buch nicht mehr so gefesselt und am Ende fast benommen, so hat mich das beeindruckt.

Warnung: Saftige (im wahrsten Sinne des Wortes) Sprache und bei manchen Szenen, und das sind nicht mal die Mordszenen, braucht man einen etwas stärkeren Magen.

Falko. Jochen. Ganz heißer Tipp auch für Euren Podcast.
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Ironic Maiden
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Ironic Maiden »

Ich habe schonmal Hidden Pictures von Jason Rekulak gelesen, nachdem es für den Podcast angekündigt wurde. Liest sich superschnell weg und ist ziemlich spannend, allerdings mMn eher auf einer Krimi- als auf einer Horrorebene. Ich fand, dass es einfach keine greifbare Bedrohung im Buch gibt, und damit hielt sich der Gruselfaktor auch stark in Grenzen. Also wenn jemand überlegt, das Buch selbst zu lesen, aber Bedenken wegen der "Horror"-Kategorie hat, würde ich sagen, dass das kein Problem darstellen sollte. Das gruseligste sind die Zeichnungen, aber ansonsten ist das Buch harmlos.
Dennis
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Dennis »

Schöne neue Welt und parallel Wenn der Postbote zweimal klingelt
bluttrinker13
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von bluttrinker13 »

Aktuell lese ich eine Horror/WeirdFiction Kurzgeschichtensammlug von John Langan - Mr Gaunt and other uneasy Encounters.

https://www.goodreads.com/book/show/326 ... encounters

Ich habe schon viel aus dem erweiterten Lovecraft-versum gelesen, aber John Langan sticht sehr positiv heraus. Toller Autor! Mal sehen wie seine Romane so sind.
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Oliver Naujoks
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Oliver Naujoks »

Es ist mal wieder Zeit, ich habe mal wieder Lust, zu berichten, was sich im Moment so alles auf meinem Lesestapel befindet. Noch einmal vorab geschickt: Hier hat mich der Kindle und Audible verdorben, so dass dies immer diverse Bücher sind; wären das alles physische Ausgaben, würde mein Nachttisch wohl zusammenbrechen.

Mit großem Vergnügen und Faszination lese ich im Moment das Sachbuch „Metropolis: A History of the City, Humankinds Greatest Invention“ von Ben Wilson.
Ein dicker Band, der die Geschichte der großen Stadt von den Anfängen in Uruk bis in heutige Megacities wie Shenzhen, Zeven und Tokyo erzählt. Der sehr gekonnt und strukturiert schreibende Autor hat eine unzählige Menge an hochinteressanten Fakten zusammengetragen, so dass ich ständig innehalte und Sachen erstmal nach- und gegenlese oder entsprechende Clips auf Youtube schaue. Vieles davon wusste ich schlicht nicht. So ein Buch rennt bei mir offene Türen ein, weil ich das Thema Megacities grundsätzlich hochspannend finde, auch wenn ich nicht in einer solchen leben möchte und äh räusper auch nicht gerade tue.
Gerade heute Morgen las ich zum Beispiel, dass Paris in einem unfassbaren Kraftakt in den Jahren von 1850 - 1870 komplett umgestaltet wurde und die gesamte Innenstadt eine einzige Baustelle war, etwas, was ich so nicht gewusst habe. Und von solchen Geschichten ist der Band voll. Ich lese die englische Originalausgabe, der Band ist letztes Jahr aber auch bei S. Fischer auf Deutsch erschienen, dort heißt er: „Metropolen - die Weltgeschichte der Menschheit in den Städten“.

Etwas leichtere Lektüre sind die aktuellen Bände der drei ???, hier ist gerade die Frühjahrsauslieferung erschienen und ich lese jetzt den Band „Die Spur der Toten“ von Andre Minninger. Die Geschichten der ??? gibt es in gut, häufig mittelmäßig und auch mal schlecht, dieser Band hier hat mich sofort unglaublich reingezogen und ich bin gespannt, wie es weitergeht. Leider darf ich nicht so richtig schreiben warum, weil das eine kleine Überraschung ist für Fans. Das könnte ein toller Band werden! Davor hatte ich den aktuellen Band „Die Geistermühle“ aus der Reihe „Die drei ??? Kids“ mal gelesen, und einmal wieder festgestellt, dass sich diese Reihe, die ich früher mit meinem Sohn viel mithören musste und auch durfte, durchaus auch immer noch sympathisch finde, aber gerade in Buchform ist das von einer kindgerechten Schlichtheit, die für erwachsene Augen etwas anstrengend zu lesen ist. Hier vor allem die in jedem Band gleich auftauchenden Elemente und Nebenfiguren, was zum Wiedererkennungswert für Kinder deutlich extremer gehandhabt wird als in der ursprüngliche Haupt-Serie mit den jugendlichen Detektiven aus Rocky Beach.

Ferner lese ich mich gerade durch die Philo Vance-Krimis aus den 1930ern (bin bei Band 3 von 12), als, das kann ich ja ruhig verraten, Vorbereitung auf die nächste eigene Geschichte, die ich plane. Dort möchte ich Philo Vance mal auftreten lassen. Diese Figur fasziniert mich, weil sie so krass anders, also wirklich heftig anders ist als alle heutigen Krimi-Helden - und als heutige Hauptfigur einer Krimiserie vollkommen, also wirklich unfassbar vollkommen unvorstellbar wäre. Heutige Ermittler sind ja immer: Dem Alkohol zuneigende, skandinavische Polizisten mit Eheproblemen und Depressionen, weil heutige Krimiautoren einfach nicht merken, dass auch diese gebrochenen Ermittler seit einem halben Jahrhundert längst zum Klischee erstarrt sind und kaum einer sich was Neues traut (ja ich übertreibe – aber nur leicht). Philo Vance ist, oder besser war ein höchst arroganter, snobistischer, eitler Pfau und Modefatzke aus der Nouveau Riche der New Yorker Oberschicht der 30er Jahre, wohnhaft in einem riesigen Penthouse, stinkreich, der ständig mit griechischen Klassikern und Artefakten aus Kunst-Ausstellungen verbal um sich wirft, Fußnoten des Autors inklusive. Die Krimis sind recht geschickt geschriebene Whodunits aus der goldenen Ära der Detective Fiction. Die Konstruktionen sind clever und machen Spaß, die Detailversessenheit sorgt allerdings für einige Längen. Im Moment lese ich „The Green Murder Case“ von 1928, der auch ein Jahr später verfilmt wurde. Die Verfilmung sehe ich mir natürlich danach dann noch an.

Da ich jetzt das Alter habe und es zu meinen diesjährigen Neujahrsvorsätzen gehörte, mich einmal mehr mit klassischer Musik und Jazz zu beschäftigen, hab ich mir einen Apparat zusammen gestellt (liebe Kinder, das ist eine Buchregalreihe, kein Mobiltelefon) und zum Beginn einfach mal zwei Bände gekauft und zu lesen angefangen, die man bei Besuch wohl lieber nicht auf dem Kaffeetisch liegen lassen würde, weil cringe-Gefahr: „Klassik für Dummys“ und „Jazz für Dummys“. Halt einfach mal richtig von vorne beide Musikrichtungen anfangen, über die ich leider kriminell viel zu wenig weiß, obwohl ich beide mag. Ich möchte beim Hören aber nicht nur beurteilen können: Schön oder nicht schön. Das reicht mir nicht. Insbesondere der Klassikband ist sehr witzig geschrieben und jetzt bin ich gespannt, wo mich die Reise hinführt, ob diese Bände wirklich meine Liebe neben meinen anderen bevorzugten Musik-Richtungen entfachen werden, was ich mir durchaus vorstellen könnte, oder halt nicht. Ein Problem wird sein, das kann ich jetzt schon absehen: Ich mache ja gerne alles hundertprozentig und steige gerne voll ein, ich sehe mich aber aufgrund der Anzahl der mir noch verbleibenden Lebensjahre und meiner endlichen Kraftreserven wohl nicht in der Lage, mich jetzt auch noch in Dinge wie Harmonielehre und Musiktheorie richtig reinzuknien, was man für vollstes Verständnis eigentlich für beide Musikrichtungen braucht. Da muss ich dann halt mit Abstrichen leben, aber auch so kann die Beschäftigung sicherlich schön sein. Falls hier irgendwelche Musiker diese Zeilen lesen und mir jetzt entgegen schmettern wollen, dass Harmonielehre doch eigentlich ganz einfach ist, kann ich nur sagen: Rand halten, ich weiß, dass ihr lügt. 😉

Natürlich vergeht nach wie vor keinen Tag, an welchem ich nicht zumindest ein paar Seiten in einem Karl May-Band und einem Sherlock Holmes-Band lese, bei Karl May bin ich bei meiner systematischen (teilweise natürlich Neu-)Lektüre aller Original-Bände inzwischen beim „Mahdi“ angekommen und werde mich da etwas ranhalten, weil Holysoft die gerade als Hörspiel vertont hat und ich gespannt bin auf den Vergleich. Bei Sherlock Holmes stecke ich aktuell noch in dem in den Fünfzigern erschienenen Band „The Exploits of Sherlock Holmes“ von Adrian Conan Doyle (das ist der Sohn von Arthur) und John Dixon Carr fest. Damit tue ich mich etwas schwer, denn die Geschichten sind eigentlich schon gekonnt geschrieben, kommen aber doch etwas trocken und von der Stange daher.

Im Hörbuch habe ich gerade vielleicht nicht das beste, aber sicherlich das mit Abstand beeindruckendste Buch meines Lebens beendet: „The Ball is Round“ von David Goldblatt. Ein Band, der die unfassbare Ambition verfolgt, die gesamte Geschichte des Fußballs von seinen Anfängen bis heute weltweit zu erzählen, angesichts der Stofffülle ein Unterfangen, bei welchem man vor Angst nur erschauern kann, der Autor hat das aber durchgezogen und so entstand ein 1.000 Seiten Koloss, der in dem von mir gehörten Hörbuch gut 40 Stunden in Anspruch nahm. Dafür habe ich sehr lange gebraucht, auch weil man wegen der Detailfülle (ein Rezensent auf Amazon staunte über sich selbst, dass er was über die zweite peruanische Liga in den 1920ern erfuhr..) mal längere Pausen braucht, ich war aber selten in meinem ganzen Leben so fasziniert von einem Band und habe wirklich eine Menge gelernt. Wer eine Schwäche für Fußball hat und wessen Horizont etwas über den eigenen Verein in der Nähe hinausgeht, der wird hier ebenfalls, wie ich, ein schieres, pures Fest erleben. Goldblatts Band endet Mitte der Nuller Jahre, er hat aber eine Fortsetzung geschrieben Namens „The Age of Football“, die bis zur WM in Russland 2018 geht und die ich jetzt im Anschluss sofort gestartet habe. Diesen Band liest der Autor sogar selbst bei Audible, leider etwas weniger lebhaft als der Sprecher des Vorgängers, Liam Gerrard.

Meine Hörbuchzeit am frühen Morgen teilen sich immer zwei Bände und wenn der eine ein Sachbuch ist, muss der andere ein Roman sein. Ich habe über 20 Jahre gebraucht, bis ich es endlich mal angegangen habe, jetzt höre ich aber „To Say Nothing of the Dog“ von Connie Willis, ein 1998 erschienener, humoristischer Zeitreiseroman der in meinen Augen vielleicht besten SF Autorin aller Zeiten. Wobei ich das „Autorin“ eigentlich geschlechtsneutral formulieren müsste, denn ich kenne auch keinen einzigen Mann, der besser SF schreibt als Connie Willis. Dieser Band handelt unter anderem von einer Zeitreise in die viktorianische Zeit und nimmt direkt Bezug auf die viktorianische Gemütlichkeit aus dem humoristischen Gemütlichkeits-Buchklassiker „Three Men in a Boat (To say nothing of the Dog)“ von Jerome K. Jerome aus dem Jahr 1889. Das ist gleichzeitig toll, macht die Lektüre, beziehungsweise das Hören, aber auch etwas anstrengend. Der Roman ist schon furchtbar leichtgewichtig und schreitet mit sehr gemächlichem Tempo voran, man kann aber nicht aufhören, dafür ist Willis einfach eine zu begnadete Erzählerin und vor allem auch, das trägt dann über alles hinweg, eine zu charmante und talentierte Humoristin. Ich sag mal so: Wer eine Schwäche für Victoriana-Krams hat, muss diesen Roman auch einmal in seinem Leben gelesen haben. Gerne im Konzert mit dem genannten Jerome-Klassiker, den ich qualitativ exakt gleich wie den Willis-Roman beschreiben würde. Den hatte ich direkt vorher nochmal gehört.

Lesen ist bei mir auch immer etwas stimmungsabhängig, deswegen ruht im Moment die Lektüre von Comics und Mangas ein wenig, das kommt aber sicher wieder.

Abschließend: Wenn ich einfach mal etwas schmökern will, lese ich mich gerade durch den kürzlich erschienenen ebook Band „Lenhardts Spielejahr 1985“, in welchem der J.R.R. Tolkien des deutschen Spielejournalismus, Heinrich Lenhardt, wie der Titel schon verrät, das Spielejahr 1985 Revue passieren lässt und nicht einfach nur seine Texte von damals überarbeitet abdruckt, sondern die jeweiligen Klassiker auch nochmal angespielt und dafür neue Texte verfasst hat. Für entsprechende Nostalgiker wie mich, vermutlich aber nur für die - fürchte ich - eine grandiose Lektüre. Was nur große Sorge macht: der Vorgängerband über das Jahr 1984 erschien vor Unzeiten, wenn Lehnhardt so weitermacht, macht er George RR Martin Konkurrenz in seiner Schreibkadenz, so dass ich den Tolkien-Vergleich vielleicht lieber zurückziehen sollte und mich jetzt auf Lenhardts Spielejahr 1986 freue, das dann wahrscheinlich irgendwann 2030 erscheint. Ob er, oder ich, „Lenhardts Spielejahr 1998“ noch erlebt, bleibt fraglich. Sehr fraglich.

Lektüremäßig sollte mir also nicht langweilig werden. Ich hatte mich in den letzten Monaten viel mit Krimis beschäftigt und muss jetzt mal wieder abbiegen, weil ich etwas anderes lesen möchte, im Moment sieht es so aus, als würde ich vermutlich im Gothic Horror des 19. Jahrhunderts landen. Sorry für hier mitlesende Schriftsteller, ich weiß auch nicht, warum ich immer so gerne Autoren lese, die schon längst tot sind. Unmittelbar geplant habe ich aber erstmal etwas ganz anderes, nämlich eine erneute Lektüre der Novelisierung des Films, der mich zu einem Science Fiction Fan gemacht hatte: Disneys „Das schwarze Loch“ von 1979, von Alan Dean Foster. Dieses Taschenbuch hatte der liebe Dirk van den Boom mir vor einiger Zeit mal gebraucht geschenkt, ich möchte das aber nicht zerfleddern und bin deshalb dankbar, dass der Apex Verlag den Roman als ebook neu herausgegeben hat. Sehr schön. Ja, ich rede in beiden Fällen von der deutschen Ausgabe, in den USA gibt es keine Neuveröffentlichungen des Romans. Ich bin ja sonst immer OV-Fanatiker, da hier aber auch die Filmvorlage in der Deutschen Synchro besser und lebhafter ist als das Original, kann ich auch gut den Roman mal auf Deutsch lesen.

Und jetzt? Schönes Wochenende.
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Ender
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Ender »

Hallo Oliver,
damit du nicht das Gefühl hast, deine ausführlich(st)en Ausführungen würden hier ungehört (bzw. -lesen) verpuffen, möchte ich nur kurz die Rückmeldung geben: hochinteressanter Beitrag! Lange nicht mehr so viele Oha-Erlebnisse (oder wie soll ich es nennen?) auf einmal gelesen!
Oliver Naujoks hat geschrieben: Fr 10. Mär 2023, 09:59 Mit großem Vergnügen und Faszination lese ich im Moment das Sachbuch „Metropolis: A History of the City, Humankinds Greatest Invention“ von Ben Wilson.
Das klingt sehr viel spannender und interessiert mich mehr, als mir vorher bewusst war. Ich hatte keine Ahnung, dass ich so ein Buch haben will. Jetzt weiß ich es. Danke auch für den Hinweis auf die übersetzte Ausgabe - wichtig für einen meistens-zu-bequem-zum-englisch-lesen-Leser.
Da ich jetzt das Alter habe und es zu meinen diesjährigen Neujahrsvorsätzen gehörte, mich einmal mehr mit klassischer Musik und Jazz zu beschäftigen, hab ich mir einen Apparat zusammen gestellt[...] Ich möchte beim Hören aber nicht nur beurteilen können: Schön oder nicht schön. Das reicht mir nicht.
Einen ähnlichen Vorsatz hatte ich vor vielen Jahren auch mal gefasst und mich zumindest ein bisschen eingelesen. Allzu lange habe ich zugegebenermaßen dann doch nicht durchgehalten, aber immerhin hat mir diese Phase eine kleine Querschnitt-Sammlung an Klassik-Werken eingebracht, an der ich bis heute in unregelmäßigen Abständen Spaß habe. Es war also, auch ohne es so wirklich durchgezogen zu haben, nicht umsonst.
Natürlich vergeht nach wie vor keinen Tag, an welchem ich nicht zumindest ein paar Seiten in einem Karl May-Band und einem Sherlock Holmes-Band lese[...]
Na gut, hier kann ich mich zwar gar nicht wiederfinden, aber als jemand, der als guilty pleasure regelmäßig alte Edgar Wallace Bände konsumiert, verstehe ich zumindest die Motivation dahinter.
Im Hörbuch habe ich gerade vielleicht nicht das beste, aber sicherlich das mit Abstand beeindruckendste Buch meines Lebens beendet: „The Ball is Round“ von David Goldblatt. Ein Band, der die unfassbare Ambition verfolgt, die gesamte Geschichte des Fußballs von seinen Anfängen bis heute weltweit zu erzählen, angesichts der Stofffülle ein Unterfangen, bei welchem man vor Angst nur erschauern kann, der Autor hat das aber durchgezogen und so entstand ein 1.000 Seiten Koloss, der in dem von mir gehörten Hörbuch gut 40 Stunden in Anspruch nahm. Dafür habe ich sehr lange gebraucht, auch weil man wegen der Detailfülle (ein Rezensent auf Amazon staunte über sich selbst, dass er was über die zweite peruanische Liga in den 1920ern erfuhr..) [...]
Ahhh. Das klingt so bescheuert - darauf habe ich mein Leben lang gewartet!
Ich gebe zu, dass meine Fußball-Leidenschaft in den letzten Jahren rapide und dramatisch erkaltet ist. Aber nach vorheriger jahrzehntelanger Besessenheit - auch und gerade was abseitige Hintergrundinfos und absurde Statistiken angeht - kommt man ja doch nie wirklich davon los ... und deshalb könnte das genau das richtige für mich sein. Fühle mich gerade wie ein trockender Alkoholiker, dem an einem heißen Sommertag ein frischgezapftes Bier gereicht wird.
Connie Willis [...] der in meinen Augen vielleicht besten SF Autorin aller Zeiten.
Verdammt, hier habe ich noch Nachholbedarf. Aber es ist ja nicht so, dass hier nicht ein paar ungelesene schlummerten...
...den J.R.R. Tolkien des deutschen Spielejournalismus, Heinrich Lenhardt [...]
Haha, wie witzig, den Namen habe ich tatsächlich seit "Happy Computer"(?)-Zeiten in den 80ern (damit endete dann auch schon meine Gamer-Karriere) nicht mehr gehört, und doch klingt er gleich wieder vertraut und ruft direkt Erinnerungen hervor. Schön zu hören, dass er immer noch aktiv ist.

Kurzum: Vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht, der mir unerwartet viele Aha-, Oho- und Hihi-Momente beschert hat.
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Oliver Naujoks
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Oliver Naujoks »

@Ender: Lieben Dank für Dein nettes Feedback.

Ich bin bei dem Megacities-Buch inzwischen über der Hälfte und immer noch völlig angetan davon. Ja, Heinrich Lenhardt ist noch aktiv, Du kannst ihn u.a. regelmäßig bei dem Podcast Spieleveteranen hören. Für mich als Altfan ist der regelmäßig Pflicht, den backe ich auch, wie diesen lauschigen Podcast hier. :)
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Sebastian Solidwork
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Sebastian Solidwork »

Ich bin gerade mit Erde 0 (Englisch: The Space Between Worlds) durch, dem Debüt-Roman von Micaiah Johnson.
Eine SciFi-Roman erster Klasse!
Ich bin gespannt was noch von ihr kommt, wenn sie schon so los legt.

Es geht um Multiversen, das Reisen zwischen ihnen mit seinen Konsequenzen (auch das Reisen selbst ist nicht ungefährlich), und, dass es kommerziell ausgenutzt wird.
Dabei sind die Multiversen sind mehr Mittel zum Zweck, aber auch gleichzeitig eine interessante Zutat, um Geschichten über Menschen und die menschliche Gesellschaft(en) zu erzählen. Den in jeder Welt ist alles ein bisschen anders.
Anstatt groß auf Details der Technik einzugehen gibt es ein paar philosophische Andeutungen (ist es Technik oder Magie/Glaube? Ansichtssache?). So ganz weiß ich am Ende nicht, ob es dort so etwas wieMagie gibt oder nicht.

Bei ca. 1/3 der 400 Seiten habe ich mich gefragt, was denn noch kommen soll, andere Autoren wären hier inhaltlich fertig.
Aber sie legt immer noch etwas drauf, es bleibt andauernd interessant.

Warnen möchte ich vor ein paar gewalthaltigen Szenen und das Gewalt, gerade gegen Frauen, thematisiert wird. Eine Frau steht im Zentrum der Erzählung und ihr widerfährt sie.

Insgesamt spürte ich Vibes wie bei der Wayfarer-Reihe von Becky Chambers.
Im Großen, Fantastischen zu tiefst menschliche Geschichten erzählen.

Ich möchte es euch zum Lesen & Besprechen vorschlagen 🙂
(Liege ich falsch oder habt ihr nicht auch Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten besprochen? Ich finde keine Folge … vielleicht habt ihr es irgendwo nebenbei erwähnt.)
„Schönheit ist auch immer ethisches Empfinden.“

Umweltschutz beginnt im Geldsystem.
Fix the system!

Der Sinn des Lebens ist, dass Menschen voller Sinn das niemals wissen müssen. - Gunter Dueck in Omnisophie
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Oliver Naujoks
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Oliver Naujoks »

Ich lese ja immer diverse Sachen gleichzeitig, weil ich auch digital hauptsächlich lese. Mal in Gruppen eingeteilt:

Romane: Ich hole "Necropolis" von Basil Copper nach. Ferner lese ich "Mord in der Universität" von Christian Dörge, weil der Roman in Marburg spielt. Sowie das Kinderbuch "Der Fall Blackburn" (Hier spricht Edgar Wallace 4) von Felix Huby und den allerallerersten Nick Carter-Heftroman von 1886 mit dem schönen kurzen Titel: "The Old Detective´s Pupil, or, The Mysterious Crime of Madison Square".

Long Term: Langsam aber stetig lese ich mich durch den Mammut-Kolportage-Roman "Die Liebe des Ulanen" von Karl May (bin bei ca. Seite 400 von 2.000) und durch die Bücher von Edgar Wallace (31 down, ca. 160 to go), im Moment "Those Folk of Bolboro" von 1918, und die Van Dusen-Kurzgeschichten von Jacques Futrelle (bin bei Story 11 von 47).
Dann noch ein Sachbuch über die vier Bach-Söhne und ein Standard-Werk über Jazz.

Comics: "Harry Dixon 2 - Les Spectres Borreaux" von Christian Vanderhaege, den Auftaktband des neuen "Titans"-Run bei DC und einen fetten Miles Morales-Sammelband.

Mangas: Den Auftaktband von "Meisterdetektiv Ron Kamonohashi" von Akira Amano, den vierten Band von "Master Keaton" von Naoki Urasawa und immer mal wieder "One Piece" und "Detektiv Conan".

Audible: "Edgar Allen Poe and the London Monster" von Karen Lee Street und die neuen Hörbücher nach den Weltdetektiv-Heftromanen von Sherlock Holmes aus dem Jahr 1907 (das Jahr der Originale, Hörbücher gab es damals noch nicht, nur Vorleser).
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