Folge 26: Mehr Comics, mehr Backman, Mehrwertsteuer

Hier wird über die aktuelle Folge diskutiert. Und über alle anderen natürlich auch.
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falko
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Folge 26: Mehr Comics, mehr Backman, Mehrwertsteuer

Beitrag von falko » Di 6. Aug 2019, 07:18

Es ist wieder an der Zeit für eine unserer bewährten Sammelfolgen, die wir immer dann aufnehmen, wenn wir zu viele andere Sachen gelesen haben oder uns etwas auf der Zunge brennt, was wir nicht in einer regulären Folge unterbringen können.

Diesmal war es besonders viel, was primär darauf zurückzuführen ist, dass Jochen im Urlaub war, den Kindle zum Glühen gebracht und sich durch einen Berg Comics gewühlt hat. Da kann man auch mal nebenher ein paar Fantasy-Schinken von Brandon Sanderson wegatmen und den einen oder anderen Krimi. Falko als staatlich geprüfter Urlaubsverweigerer lacht unterdessen über eine steuerliche Änderung bei E-Books und über einen alten Schweden namens Ove.

Wir wünschen viel Spaß mit der neuen Folge!
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Vossinger
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Re: Folge 26: Mehr Comics, mehr Backman, Mehrwertsteuer

Beitrag von Vossinger » Di 6. Aug 2019, 10:09

Zum Thema Fredrik Backmann:
"Ein Mann namens Ove" ist echt zu empfehlen, da kann ich in weiten Teilen unterschreiben, was Falko sagt. Auch der Film fängt es gut ein.

Das andere Buch "Britt-Marie war hier" ist auch echt gelungen und funktioniert auf eine ähnliche Weise wie Ove. Aber Achtung! Der Film ist richtig schlimm. Ich weiß nicht, ob es den auf deutsch schon gibt, wir haben ihn im Schwedenurlaub gerade gesehen und waren entsetzt. Der Film hat nichts mehr mit der Essenz des Buches gemein. Wer die DVD haben will (nur schwedischer Ton), kann mich gerne anschreiben.

Dann habe ich schon das nächste "Oma war hier und lässt schön grüßen" zur Hälfte durch. Es ist irgendwie ähnlich aufgebaut, funktioniert aber anders. Es ist erfrischend nach den doch recht ähnlichen ersten Büchern. Mich hat es an "A Monster Calls/7 Minuten nach Mitternacht" mit den Geschichten in der Geschichte erinnert. Es ist auch irgendwie eine Schatzsuche der Enkelin auf den Spuren ihrer Oma. Und beide mit interessanten, aussergewöhnlichen Charakteren. Und dann wirkt es in einigen Teilen doch etwas zu ausgedacht und ungewöhnlich, ein bisschen wie ein modernes Märchen, aber das ist dann wohl Geschmackssache. Ich schätze, es ist besonders an Jugendliche und junge Erwachsene adressiert.

Gentlehamster
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Re: Folge 26: Mehr Comics, mehr Backman, Mehrwertsteuer

Beitrag von Gentlehamster » Di 6. Aug 2019, 21:33

Wieder eine Folge welche mich gleichermaßen Unterhalten und informiert hat. Es freut mich, dass Comics langsam wieder in Jochens Lesewelt Einzug halten. Vielleicht schaffen sie es in Zukunft auch bei Falko, sich einen Platz zu erkämpfen. ;)

Eine kleine Bemerkung zur anfänglichen Diskussion möchte ich dann doch noch loswerden. :oops:
Der verminderte Mehrwertsteuersatz resultiert aus der Einschätzung des Buches als meritorisches Gut. Daher ist diese Änderung für E-Books durchaus interessant. Sie werden damit auch kulturpolitischer Ebene nun als gleichwertig zum Printbuch anerkannt. Dies hat wiederum Auswirkung auf andere Aspekte, etwa Förderungen. Damit lässt sich, zumindest formal, erkläre warum Datenbanken nicht unter die 7 % Regelung fallen. Datenbanken sind schlicht kein meritorisches Gut. Interessant wäre in welche Kategorie enhanced ebooks fallen. Leider habe ich auf die Schnelle nichts dazu gefunden.

Kann es sein, dass ihr beide, wenn ihr von Verlagen redet, hauptsächlich an die Großen wie Springer, Holzbrink oder Pinguin denkt? Das würde zumindest erklären, warum es immer einen leichten Beigeschmack hat, wenn ihr von "Gewinn für die Verlage" sprecht. Die meisten Verlage in Deutschland sind Klein- oder Kleinstverlage. Für diese ist eine Änderung von 19 auf 7 % der Unterschied zwischen Halb- und Volltagsstelle beziehungsweise einer zusätzlichen Angestellte*r.

Jochen kann ich, was den 3. Band von Sandman angeht, nur zustimmen. Es hat in der "Interpretation" von Sommernachtstraum irgendwie der typische Gaiman gefehlt. Vielleicht hat er sich aufgrund der Gravitas von Shakespeare nicht getraut seine eigene Stimme zu erheben.
Mir persönlich hat die Geschichte "Ein Traum von tausend Katzen" gefallen. Für mein junges Ich war diese einer der Trittsteine mich genauer mit philosophischen Konzepten zu beschäftigen.
Der in Band vier folgende Main Plot braucht etwas Zeit, um anzulaufen, baut dabei allerdings das World Building weiter aus. Wem die Welt und Gaimans Art zu erzählen zusagt, empfehle ich das Spin-Off um die Hexe Thessaly.

Economics ist eines der wenigen Bücher, welches als Fachbuch und Klolektüre (im besten Sinne) gleichermaßen gut funktioniert. Interessant ist hier vielleicht die Tatsache, dass dieser Comic in verschiedenen deutschen Universitäten auf den Literaturindex von BWL/VWL Studiengängen steht. Auch wenn er die Grenzen des Mediums Comic nicht ausreizt, dient die Bebilderung komplizierter Sachverhalte als Vereinfachung und Visualisierungshilfe. Dies habe ich wärend des Bacholerstudiums als große Hilfe empfunden; gerade beim Sturren auswendig lernen.

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falko
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Re: Folge 26: Mehr Comics, mehr Backman, Mehrwertsteuer

Beitrag von falko » Mi 7. Aug 2019, 05:38

Danke für die Erläuterung zum meritorischen Gut!
Gentlehamster hat geschrieben:
Di 6. Aug 2019, 21:33
Kann es sein, dass ihr beide, wenn ihr von Verlagen redet, hauptsächlich an die Großen wie Springer, Holzbrink oder Pinguin denkt? Das würde zumindest erklären, warum es immer einen leichten Beigeschmack hat, wenn ihr von "Gewinn für die Verlage" sprecht. Die meisten Verlage in Deutschland sind Klein- oder Kleinstverlage. Für diese ist eine Änderung von 19 auf 7 % der Unterschied zwischen Halb- und Volltagsstelle beziehungsweise einer zusätzlichen Angestellte*r.
Bei mir im Kopf ist das sicher so. Aber ich bezweifle aus mehreren Gründen, warum das so großen Einfluss haben kann:
- Kleinstverlage sind i.d.R. 1-Person-Unternehmen und eher Liebhaberprojekte, die nebenher laufen.
- Professionelle Kleinverlage besetzen meist Nischen, aber soweit ich es sehe, sind E-Books nur für Belletristik relevant (https://www.boersenverein.de/de/1377234). Damit sich das fühlbar auswirkt, müsste eine große Masse verkauft werden.
- Wenn ein Kleinverlag alleine im Digitalbereich ein fünfstelliges Jahresumsatzplus nur durch die Änderung bei der USt von E-Books erhält, ist er in meinen Augen kein Kleinverlag.
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Re: Folge 26: Mehr Comics, mehr Backman, Mehrwertsteuer

Beitrag von Gentlehamster » Mi 7. Aug 2019, 07:30

falko hat geschrieben:
Mi 7. Aug 2019, 05:38
Aber ich bezweifle aus mehreren Gründen, warum das so großen Einfluss haben kann:
Das sind gute Punkte, welche ich nicht bedacht habe. Da hatte ich aus meiner Lebenswelt wohl einen gefärbten Blick auf das Thema Kleinverlage. Danke für das Aufzeigen dieser korrigierenden Perspektive. :)

P.S: Bei den Gehältern in der Branche vergesse ich manchmal, dass ein normaler Jahreslohn schnell im fünfstelligen Bereich liegen. :P

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Re: Folge 26: Mehr Comics, mehr Backman, Mehrwertsteuer

Beitrag von falko » Mi 7. Aug 2019, 07:37

Gentlehamster hat geschrieben:
Mi 7. Aug 2019, 07:30
P.S: Bei den Gehältern in der Branche vergesse ich manchmal, dass ein normaler Jahreslohn schnell im fünfstelligen Bereich liegen. :P
Was soll ich als freier Autor da sagen? :D

Aber du hast schon recht - vielleicht ist meine Definition für Kleinverlage zu eng gefasst. Vielleicht trügt mich auch meine Wahrnehmung, aber gerade bei der Belletristik scheint es mir nur die Großverlage zu geben oder die Kleinen, aber wenig dazwischen mit sagen wir 5 bis 10 festen Angestellten. Andererseits ist das Verlagsgeschäft immer eine Mischkalkulation - ein Verlag kann in einer bestimmten Nische Zeitschriften, Bücher und Online-Angebote pflegen ...
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Re: Folge 26: Mehr Comics, mehr Backman, Mehrwertsteuer

Beitrag von reschman » Mi 7. Aug 2019, 08:22

Zwei Anmerkungen habe ich auch noch zum ersten Teil, bezüglich der Frage, ob bei Autoren mehr vom Geld ankommen wird:

1. Einige Autoren dürften defintiv profitieren − die Selfpublisher, die müssten nun mehr bekommen, wenn sie den Preis ihrer Bücher so belassen wie vor dem geänderten Mehrwertsteuersatz.

2. Bei manchen Autoren, die bei Verlagen veröffentlichen, müsste theoretisch eigentlich aber − je nach Vertragsgestaltung − auch mehr abfallen. Bei dem Verlag, für den ich arbeite, werden die Autoren auf der Grundlage des Nettoverlagsabgabepreises vergütet. Bedeutet, das Honorar des Autors berechnet sich aus den tatsächlichen Einnahmen des Verlags mit dem jeweiligen Buch. Diese Summe wurde vorab vermindert um Mehrwertsteuer und Rabatte für Händler. Wenn dann die Mehrwertsteuer niedriger ist und die Rabatte sowie die Buchpreise gleich bleiben, müsste der Verlag ja einen höheren Nettoverlagsabgabepreis erzielen. Und weil daran ja die Prozente der Autoren gekoppelt sind, müsste eigentlich auch mehr bei denen hängen bleiben. Oder habe ich da einen Denkfehler?

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Re: Folge 26: Mehr Comics, mehr Backman, Mehrwertsteuer

Beitrag von falko » Mi 7. Aug 2019, 08:37

@reschman

1. Ja, Selfpublisher haben am meisten davon. Beispiel meine eigene Kurzgeschichtensammlung: E-Book kostet 2,99 Euro. Aktuell sind es also 2,51 Euro, nach der Änderung sind es 2,79 Euro netto. (Davon landen bei mir bei jedem Verkauf 70%).

2. Kein Denkfehler. Wenn mehr beim Verlag ankommt, landet natürlich auch bei den Kreativen am Ende mehr, weil es prozentual berechnet wird. Mehr netto in der gesamten Verwertungskette wirkt sich natürlich an allen Stellen aus. Allerdings sehe ich den Verlagsabgabepreis kritisch (siehe hier unten, aber er scheint immer weiter um sich zu greifen und nicht mehr die Ausnahme zu sein ...
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Re: Folge 26: Mehr Comics, mehr Backman, Mehrwertsteuer

Beitrag von reschman » Mi 7. Aug 2019, 09:03

Allerdings sehe ich den Verlagsabgabepreis kritisch
Ich denke, den kann man auch durchaus kritisch sehen. Auch, weil man als Autor ja nicht wirklich gut vorab einschätzen kann, was bei einer bestimmten Anzahl an verkauften Büchern am Ende an Geld übrig bleibt, weil man ja gar nicht weiß, wie viel Rabatt welchem Händler gewährt wird bzw. wie viele Bücher der jeweilige Verlag direkt über eigene Kanäle verkauft.

Zum vorherigen Thema: Die einzigen, die wahrscheinlich gar nicht profitieren werden von den geänderten Mehrwertsteuersätzen, sind ja dann die, deren Honorare an die Ladenverkaufspreise gekoppelt sind. Denn sofern die Preise gleich bleiben, ändert sich ja nichts für sie.

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Re: Folge 26: Mehr Comics, mehr Backman, Mehrwertsteuer

Beitrag von falko » Mi 7. Aug 2019, 09:05

reschman hat geschrieben:
Mi 7. Aug 2019, 09:03
Ich denke, den kann man auch durchaus kritisch sehen. Auch, weil man als Autor ja nicht wirklich gut vorab einschätzen kann, was bei einer bestimmten Anzahl an verkauften Büchern am Ende an Geld übrig bleibt, weil man ja gar nicht weiß, wie viel Rabatt welchem Händler gewährt wird bzw. wie viele Bücher der jeweilige Verlag direkt über eigene Kanäle verkauft.
Ich sag's mal realistisch: Planen sollte man als Autor*in nur mit dem Vorschuss, den man bekommt. Der ist auch nicht immer abendfüllend - solange man keinen Bestseller gelandet hat.

Ach ja, es kommt noch ein Faktor dazu: in aller Regel bekommt man zu den Tantiemen eine Jahresabrechnung mit drei Monaten Frist. Heißt, erst Ende März erfährt man, ob man aus dem Vorjahr Tantiemen bekommt oder nicht. Auch so ein Punkt, wo Selfpublishing viel attraktiver ist, weil man fast in Echtzeit die Verkäufe abrufen kann.
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