Folge 35: Verschwundene Töchter, leere Herzen und alte Knochen

Hier wird über die aktuelle Folge diskutiert. Und über alle anderen natürlich auch.
DexterKane
Beiträge: 17
Registriert: Mi 20. Feb 2019, 12:16

Re: Folge 35: Verschwundene Töchter, leere Herzen und alte Knochen

Beitrag von DexterKane » Do 9. Jan 2020, 14:09

Schöne Folge!

An paar kurze Anmerkungen:

Von Krieg der Klone hatte ich nach der letzten Folge den Sammelband gekauft (ca. 3,80 € pro Buch) und hatte witziger weise das gleiche Problem wie Jochen.
Da ich die anderen Bücher aber nun schon hatte, hab ich Zoe’s Tale dann kurzerhand übersprungen, man weiß ja eh, wie es ausgeht.
Die Kurzgeschichtensammlung war dann auch direkt wieder deutlich besser und im letzten Buch rückt eine Nebenfigur aus der ersten Trilogie (die auch in den Kurzgeschichten relativ prominent vorkam) in den Mittelpunkt und führt die Serie zu Ihrem logischen Ende.
Lohnt sich unterm Strich auf jeden Fall.

Juli Zeh leidet leider an dem, was ich persönlich immer „Holzhammeritis“ nenne.
Ich fühl mich da immer als würde versucht auch noch Leute mitzunehmen die nebenbei noch bügeln, oder ne Serie auf Netflix gucken.
Leider ist sowas für mich praktisch unles- bww. guckbar, weil ich immer das Gefühl habe, der Autor hält mich als Leser für dumm.
Aus dem gleichen Grund sitz ich z. B. auch immer kopfschüttelnd da, wenn mir wer von Black Mirror vorschwärmt, die fand ich durch die Bank so plakativ, dass ich wirklich nicht verstehe, wie das jemand für clever halten kann.

Das Commodore Buch klingt sehr interessant, aber ich lese so selten Sachbücher, ich pack’s mal auf die Liste, aber wahrscheinlich steht es da in 2 Jahren immer noch. :D

Schön, dass ihr bei Preston/Child die deutschen Titel ansprecht. Die haben nämlich dazu geführt, dass ich mir im Leben kein Buch von den beiden zulegen werde.
Ich hab bei Literatur die Daumenregel, dass wenn der Titel schon scheiße ist, das was drin steckt wahrscheinlich nicht viel besser ist.
Folgerichtig weigere ich mich etwas zu kaufen, was „Mount Dragon – Labor des Todes“ heißt, da denke ich nämlich spontan an John Sinclair. :)

Benutzeravatar
falko
Beiträge: 123
Registriert: Do 1. Nov 2018, 12:30

Re: Folge 35: Verschwundene Töchter, leere Herzen und alte Knochen

Beitrag von falko » Do 9. Jan 2020, 14:54

Shenmi hat geschrieben:
Do 9. Jan 2020, 13:31
Aus meiner Sicht agiert die Linke momentan auch dermaßen hysterisch das man sich über die rechten Erfolge nicht weiter wundern braucht.
Jüngstes Beispiel ist das "Oma-Umweltsau" Gate, wo ich schon seit einigen Tagen genüsslich beobachte, wie sich der WDR samt Linke selbstständig vorführt, während man verzweifelt "rechter Shitstorm" ruft.
Vorweg: Ich habe an einer als sehr links geltenden Uni (Marburg) studiert, ordne mich selbst da ein, aber ich war weder im Studium noch heute ein Freund von linkem Aktionismus. Aktuell geht mir vieles da auch auf den Senkel, weil sich das linke Spektrum selbst zerfleischt, wer denn KORREKT links und wer nicht genug usw. Nervt mich, dreht sich im Kreis, führt zu nix.

ABER: Die Rechte wiederum spielt mit solchen Verhältnissen im Moment zu geschickt, als dass ich mich persönlich auf eine neutrale, idelogiefreie Position zurückziehen würde, weil das eben nur zu einer Diskursverschiebung nach rechts sorgt. Wenn also die CDU mit einer antifaschistischen Gruppierung zusammen demonstriert ("die Antifa" nenne ich das nicht), halte ich das für einen großen Fortschritt.

Gerade beim von dir genannten Fall sieht man sehr gut, wie die Rechte und konservative Kräfte für eine Dramatisierung sorgen, die sie dann bei der Gegenbewegung wieder "den Linken" in die Schuhe schieben, als hätten die alles ausgelöst oder würden überreagieren. Ich empfehle diesen Twitter-Thread, der das ganze chronologisch zusammenfasst. Das Segment dazu im "Lage der Nation"-Podcast ist auch sehr erhellend. Siehe auch dieser Twitter-Thread.

Aktuell wird jemand zu 6 Monaten auf Bewährung verurteilt, weil er bei den Leipzig-Ausschreitungen einem Polizisten ein Bein gestellt hat, ohne irgendwas mit irgendwelchen Autonomen zu tun zu haben, und das führt zu lautem Gebrüll über "linken Terror" im Land - gleichzeitig wird im Fall eines CDU-Lokalpolitikers, der geschossen hat, weil er sich von Lärm gestört fühlte, alles möglichst unter den Tisch gekehrt (vom Fall Lübcke will ich gar nicht anfangen). Das macht mir echte Sorgen, wie die Debatte immer wieder umgelenkt wird, und eine ganz neutrale, unbeteiligte Position ist hier ein Luxus, den ich mir nicht leisten möchte, aber das ist eine individuelle Entscheidung.

Im Bezug auf Literatur scheint es mir generell die Tendenz zu geben, dass bei konservativen Leuten doch bitteschön zwischen Werk und Autor getrennt werden möge (selbst wenn es deckungsgleich daherkommt) - bei tendenziell Linken die durchscheinende Ideologie aber angeprangert wird. Gleichzeitig wird bei tendenziell Linken sofort von Doppelmoral gesprochen, wenn sie nicht selbst 100% das leben, was sie in der Prosa manifestieren, während tendenziell Rechte alles nur als "Meinung" und deren Freiheit verkauft bekommen, "da muss man auch mal die Diskussion und andere Standpunkte aushalten". Das schmeckt mir nicht, und, ja, der überdrehte Teil des linken Spektrums macht es nur noch schlimmer.

Was die Eindrücke weiterer Juli-Zeh-Bücher angeht, werde ich beizeiten berichten.
"I must say I find television very educational. The minute somebody turns it on, I go to the library and read a good book." - Groucho Marx

Ironic Maiden
Beiträge: 49
Registriert: Di 4. Dez 2018, 13:58

Re: Folge 35: Verschwundene Töchter, leere Herzen und alte Knochen

Beitrag von Ironic Maiden » Fr 10. Jan 2020, 07:50

falko hat geschrieben:
Do 9. Jan 2020, 14:54

Im Bezug auf Literatur scheint es mir generell die Tendenz zu geben, dass bei konservativen Leuten doch bitteschön zwischen Werk und Autor getrennt werden möge (selbst wenn es deckungsgleich daherkommt) - bei tendenziell Linken die durchscheinende Ideologie aber angeprangert wird. Gleichzeitig wird bei tendenziell Linken sofort von Doppelmoral gesprochen, wenn sie nicht selbst 100% das leben, was sie in der Prosa manifestieren, während tendenziell Rechte alles nur als "Meinung" und deren Freiheit verkauft bekommen, "da muss man auch mal die Diskussion und andere Standpunkte aushalten". Das schmeckt mir nicht, und, ja, der überdrehte Teil des linken Spektrums macht es nur noch schlimmer.
Vielen Dank für diese schöne, klare Aussage, die viel besser formuliert ist als ich es könnte. Insbesondere, weil hier im Podcast ja durchaus schon öfter kontroversere Autoren wie z.B. Clive Barker angesprochen wurden, und da auch eine Trennung zwischen Werk und Autor vorgenommen wurde.

Antworten