Was lest ihr gerade?

Gepflegte Diskussionen über (gute) Bücher und alles, was damit zu tun hat.
Shenmi
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Shenmi » Do 24. Okt 2019, 11:29

Ich lese gerade "Das Attentat" von Frank Jordan.
Die Geschichte selbst, die sich um ein Europa der Korruption, des Lobbyismus und der Geheimdienste dreht, ist wirklich spannend.
Russische Oligarchen, Motorrad Gangs, gekaufte Politiker, geheimnisvolle Strippenzieher und idealistische Polizisten...alles enthalten.
Es klingt gut recherchiert und real, auch wenn das Meiste davon (hoffentlich) fiktiv ist. Ich kann mir aber durchaus vorstellen das es im Hintergrund genauso ablaufen könnte. Solche Bücher mag ich sehr gern.
Ein bisschen gehadert habe ich mit dem Schreibstil des Autors, der eigentlich eine Autorin ist.
Wer auf ellenlange Schachtelsätze steht und teilweise sehr holperige Formulierungen, der wird hier glücklich.
Ich brauchte zwar einige Kapitel, um damit zurechtzukommen, aber irgendwann hat mich die Story selbst dann soweit in ihren Bann gezogen das ich darüber hinwegsehen kann.

Ironic Maiden
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Ironic Maiden » Do 14. Nov 2019, 19:23

Ich quäle mich gerade durch die letzten fünfzig Seiten von Lies Sleeping dem neuesten Band aus der "Rivers of London"-Reihe von Ben Aaronovitch. An sich mag ich diese Bücher schon, vor allem, da sie von Band zu Band besser geworden sind. Ich mag es, wie das Universum der Bücher mit jedem Band größer wird und ich mag auch den nerdigen Humor.

Aber im neuen Band wird mir jetzt wieder deutlich, wie sehr ich Kampf- und Actionsequenzen in Romanen hasse. Egal wie gut der Autor schreibt, ich finde es einfach furchtbar anstrengend, irgendwelchen Beschreibungen von Kämpfen zu folgen und es nervt mich, wenn etwas, das in der Realität nur Sekunden dauert, auf fünf bis zehn Seiten ausgewalzt wird. Klar, in Prosa geht das kaum anders, aber es gibt mir in über neunzig Prozent der Fälle nichts. Von mir aus könnte da oft auch stehen "Sie kämpfen mit Schwertern, der Protagonist gewinnt." Wirklich spannend oder mitreißend finde ich die endlosen Beschreibungen wer jetzt was macht eigentlich nie. Spannung entsteht für mich meist eher durch unerwartete Wendungen oder überraschende Enthüllungen, aber Kämpfen an sich ist - zumindest meiner Meinung nach - unliterarisch. In Filmen ist das anders, aber da laufen Kämpfe schließlich auch in Echtzeit ab.

Naja, wenn ich mich durch den Showdown geackert habe, steht die Entscheidung was ich als nächstes lese an, und darauf freue ich mich wirklich.

tralow
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von tralow » Do 14. Nov 2019, 21:11

Hey ihr lieben Leseratten,

hat jemand von euch schon das Buch von Qiofan Chen Die Silizium Insel gelesen? Ich hatte es in der Buchhandlung entdeckt und bin gespannt auf einige Meinungen.

Selber lese ich gerade Ronald Reng, Robert Enke: Ein allzu kurzes Leben. Bis jetzt gefällt es mir sehr gut, ich bin etwa bei der Hälfte des Buches. Die einzelnen Stationen werden gut beschrieben und man kann gut die einzelnen Schritte nachvollziehen.
Zuletzt geändert von tralow am Do 14. Nov 2019, 21:14, insgesamt 1-mal geändert.

Calafinwe
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Calafinwe » Fr 15. Nov 2019, 18:46

Heute "Fatherland" von Robert Harris beendet, aber bereits einige Kapitel von "A Drink Before the War" von Dennis Lehane gelesen....


Woher wohl?

Ben
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Ben » Do 21. Nov 2019, 07:01

Ironic Maiden hat geschrieben:
Do 14. Nov 2019, 19:23
Ich quäle mich gerade durch die letzten fünfzig Seiten von Lies Sleeping dem neuesten Band aus der "Rivers of London"-Reihe von Ben Aaronovitch. An sich mag ich diese Bücher schon, vor allem, da sie von Band zu Band besser geworden sind. Ich mag es, wie das Universum der Bücher mit jedem Band größer wird und ich mag auch den nerdigen Humor.

Aber im neuen Band wird mir jetzt wieder deutlich, wie sehr ich Kampf- und Actionsequenzen in Romanen hasse. Egal wie gut der Autor schreibt, ich finde es einfach furchtbar anstrengend, irgendwelchen Beschreibungen von Kämpfen zu folgen und es nervt mich, wenn etwas, das in der Realität nur Sekunden dauert, auf fünf bis zehn Seiten ausgewalzt wird. Klar, in Prosa geht das kaum anders, aber es gibt mir in über neunzig Prozent der Fälle nichts. Von mir aus könnte da oft auch stehen "Sie kämpfen mit Schwertern, der Protagonist gewinnt." Wirklich spannend oder mitreißend finde ich die endlosen Beschreibungen wer jetzt was macht eigentlich nie. Spannung entsteht für mich meist eher durch unerwartete Wendungen oder überraschende Enthüllungen, aber Kämpfen an sich ist - zumindest meiner Meinung nach - unliterarisch. In Filmen ist das anders, aber da laufen Kämpfe schließlich auch in Echtzeit ab.

Naja, wenn ich mich durch den Showdown geackert habe, steht die Entscheidung was ich als nächstes lese an, und darauf freue ich mich wirklich.
^this 1000x! :mrgreen:

Minutiös geschilderte Action ist fast so schlimm wie Sexszenen. Fast.
Noch schlimmer finde ich aber Beschreibungen von Träumen und/oder Drogentrips ... wer soll sich denn bitte in solches Gelaber einfühlen?

Und das bringt mich zu meinem aktuellen Buch, das ich zuletzt zum 3. oder 4. mal durchgelesen habe:

Helden in Schnabelschuhen
Bild

In meinen Augen eine der großartigsten coming-of-age Geschichten, die große Liebe, Schicksal, die Tragik und Erhabenheit des Alltäglichen und profanen. Mag sein, dass man selbst ein wenig gestört sein muss, um sich in die zwei neurotischen Hauptfiguren einfühlen zu können, für mich funktioniert es jedes mal wieder. Und das, wo ich noch nie auf einem Mittelaltermarkt war!

Ein bisschen nerven 2-3 Traumsequenzen und die Beschreibung eines Trips, aber das kann man auch überfliegen. Und, hallo Falko, Liedtexte!
Übrigens wäre das auch ein guter Kandidat für eine kurze Folge, finde ich.

Ironic Maiden
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Ironic Maiden » Do 21. Nov 2019, 14:21

Ben hat geschrieben:
Do 21. Nov 2019, 07:01

Minutiös geschilderte Action ist fast so schlimm wie Sexszenen. Fast.
Noch schlimmer finde ich aber Beschreibungen von Träumen und/oder Drogentrips ... wer soll sich denn bitte in solches Gelaber einfühlen?
Sexszenen sind eigentlich überall die Pest, ich kann mich an so gut wie keine erinnern, die ich in irgendeiner Form relevant oder bereichernd fand. In Filmen sorgen Sexszenen nur dafür, dass es es unangenehm macht, den Film mit seinen Eltern zu schauen.
Bei Träumen und Drogentrips wollte ich zuerst nicht zustimmen, aber ich habe jetzt den ganzen Vormittag gegrübelt, und mir ist keine einzige literarische Traum- oder Drogensequenz eingefallen, die ich gut gefunden hätte. Insofern stimme ich zu: Nieder mit Action-, Sex- und Drogenszenen in der Literatur! (Auch wenn ich mich jetzt anhöre, als würde ich einen Puritanerhut tragen. :D )

Shenmi
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Shenmi » Fr 22. Nov 2019, 15:11

Ich bin jetzt wieder mal dem Rat des Podcast gefolgt und habe mich an John Scalzi versucht.
Die Trilogie "Krieg der Klone" hat mir im großen und ganzen gefallen, wobei ich den mittleren Roman "Geisterbrigaden" nicht so toll fand.
Der erste Teil hat mich wirklich an Staarship Troopers erinnert. Viel militärische Action aber nie zu viel und die Science Fiction war auch gut eingebaut, ohne zu überfordern. Alles hatte einen launigen Unterton, leicht verdaulich und schnell zu lesen.
Beim zweiten Roman bin ich dann aber etwas ins Stocken geraten, denn mir hat die Geschichte rund um Jared Dirac zuerst nicht so gefallen.
Alles was ich am ersten Roman mochte war hier nur abgeschwächt vorhanden. Im Kontext des letzten Romanes sehe ich schon das Band Zwei vieles eingeleitet hat, was dann im dritten Roman gebraucht wurde und auch Sinn ergab. Er wirkt auf mich dennoch ein wenig wie ein Fremdkörper, da er nicht wirklich an die Ereignisse aus Band eins anschließt.
Beim Lesen des dritten Bandes habe ich mir nämlich überlegt, dass man "Geisterbrigaden" vielleicht lieber auf den ersten und den letzten Roman aufgeteilt hätte.
Im Übrigen hat mir Teil Drei, "Die letzte Kolonie" sogar am besten gefallen, weil ich die Mischung aus Action, Abenteuer, Spannung und leichtem Witz am gelungensten fand.
Im ersten Band war es nämlich aus meiner Sicht teilweise kurz davor in Klamauk abzudriften, zumindest an einigen Stellen. Und das wirkte auf mich etwas bemüht.
Trotzdem würde ich die Trilogie dennoch weiterempfehlen. Sie macht einfach viel Spaß und trotz dem Umstand das man nicht sehr viel nachdenken muss, ist es dennoch keine Groschenliteratur. Genau wie Jochen auch gesagt hat.
Das "Imperium der Ströme" werde ich mir sicherlich in nächster Zeit auch noch besorgen.

Heute habe ich mir aber erstmal Robert Harris "Der zweite Schlaf" gekauft und bin schon sehr gespannt darauf.
Sein letztes Buch "München" hat mir nicht so gefallen. Aber er ist viel zu gut um ihn zu ignorieren.

Ironic Maiden
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Ironic Maiden » Mi 27. Nov 2019, 20:44

Obwohl ich gerade wenig Energie zum Lesen habe, bin ich fast mit The Shining von Stephen King durch. Es hat mir besser gefallen als erwartet, zumindest wesentlich besser als der Film, den ich für maßlos überschätzt halte. Ich war jedenfalls überrascht, wie gut ich unterhalten wurde, obwohl ich die Handlung ja schon kenne. Nur jetzt gegen Ende ergibt sich wieder das übliche Showdown-Problem, nämlich dass ich mich dabei langweile.
Ich bin noch am überlegen, ob ich das Buch als meinen diesjährigen Literaturklassiker verbuche, da ich dieses Jahr noch kein einziges "klassisches" Werk gelesen habe. ("Les Miserables" sieht zwar wunderhübsch aus, aber ich habe keine Lust, damit anzufangen.)

Insgesamt bin ich etwas ratlos, was ich als nächstes lesen möchte. Es liegen zwar noch etwa 15 Romane auf meinem Lesestapel im Wohnzimmer, aber irgendwie ist das meiste davon Horror oder Fantasy und ich hätte mal wieder Lust auf irgendwas, das fest in der Realität verankert ist. Vielleicht einen Krimi oder so, mal sehen.

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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Ironic Maiden » Sa 30. Nov 2019, 15:15

Eigentlich wollte ich nach "The Shining" mal etwas weniger phantastisches lesen, aber irgendwie bin ich dann bei The Last von Hanna Jameson gelandet, und ich bin sehr froh darüber. Ich bin jetzt zu etwa einem Drittel durch und mich hat lange kein Buch mehr so gefesselt.

"The Last", das anscheinend leider noch nicht auf Deutsch erschienen ist, spielt in einem sehr großen Hotel irgendwo in den schweizer Bergen. Der Protagonist, ein amerikanischer Historiker, nimmt gerade an einem Kongress dort teil, als ein Atomkrieg ausbricht und der Kontakt zur Außenwelt abreißt. Die meisten Gäste fliehen innerhalb der ersten Tage, doch etwa 20 Personen bleiben im Hotel. Nach und nach wird jedoch deutlich, dass möglicherweise ein Mörder in der Gruppe ist und der Protagonist beschließt, zu ermitteln.

Auf den Titel wird das Buch als "a post-apocalytic And Then There Were None" angepriesen, und der Plot geht auch in diese Richtung. Was mich aber im Moment wirklich fesselt, ist die Atmosphäre des Textes. Häufig ist es bei derartigen Texten ja so, dass der Weltuntergang nur der Ausgangspunkt für die weitere Handlung ist, und sich die Figuren überraschend schnell mit der Situation arrangieren, damit dann spannende Dinge passieren können. Hier ist jeder durch die Ereignisse schwer traumatisiert, die Gedanken des Protagonisten kreisen immer wieder zurück zu dem Moment, als die ersten Nachrichten über die Zerstörung Washingtons auf seinem Handy erschienen und wie ihm klar wurde, dass seine Familie tot ist. Der Text ist durchzogen von Traurigkeit und Verzweiflung, allerdings nie so, dass es selbstgefällig oder Trauer-pornographisch wirkt. Der Verlust ist einfach nur immer präsent.

Dazu kommt, dass der Text aus der Ich-Perspektive geschrieben ist, aber schnell deutlich wird, dass der Leser es hier keinesfalls mit einem zuverlässigen Erzähler zu tun hat. Es gibt immer wieder Kommentare anderer Figuren, die darauf hinweisen, dass das, was wir hier lesen, von jemandem geschrieben wird, der sein eigenes Denkmal setzen möchte, und daher nicht notwendigerweise wahrheitsgemäß berichtet. Ich mag sowas, ich bin schon wahnsinnig gespannt wie es weitergeht.

Nimlod
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Re: Was lest ihr gerade?

Beitrag von Nimlod » Mo 2. Dez 2019, 13:44

So nebenbei, kann mir jemand eine(n) gute(n) Roman(reihe) empfehlen (Genre ist nicht so wichtig, darf gerne irgendwie aus dem Phantastischen kommen), deren Stärke in den Charakteren liegt, ohne dass der Plot kompletter Humbug ist? Was ich eher nicht brauche sind experimentelle Sachen, Horror und allgemein Erzählungen, in denen es vorrangig darum geht, eine bestimmte Idee zu verkaufen, sodass die ganze Welt nur Staffage für dieses Gedankenspiel ist. :)

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