Folge 37: Das Böse kommt auf leisen Sohlen

Hier wird über die aktuelle Folge diskutiert. Und über alle anderen natürlich auch.
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falko
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Folge 37: Das Böse kommt auf leisen Sohlen

Beitrag von falko » Mo 3. Feb 2020, 19:44

Will und Jim, zwei vierzehnjährige Jungs, die im ländlichen Amerika leben, beobachten die nächtliche Ankunft des Zirkus mit angehaltenem Atem. Denn er verspricht Sensationen, doch er bringt – Sie ahnen es schon – das Böse. Der Chef des Zirkus, Mr Dark, hat ein Karussell im Gepäck, das mehr als nur einen Drehwurm auslöst, und Will und Jim müssen bald feststellen, dass ihre Jugend zu Ende ist. Wortwörtlich.
Ray Bradbury gilt als einer der herausragenden SF-Autoren des 20. Jahrhunderts, vor allem wegen „Fahrenheit 451“, doch dieser Roman aus dem Jahr 1962 vermischt Nostalgie, Adolszenz, Magie und die intensiven Sonnenstrahlen des Herbstes zu einer ganz eigenen Mischung.
„Das Böse kommt auf leisen Sohlen“ ist eines von Falkos Lieblingsbüchern. Nach der Folge immer noch oder hat es sich aus der Liste geschlichen?

Viel Spaß mit der neuen Folge!

Folge 37: Das Böse kommt auf leisen Sohlen
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Oliver Naujoks
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Re: Folge 37: Das Böse kommt auf leisen Sohlen

Beitrag von Oliver Naujoks » Di 4. Feb 2020, 09:20

Da war ich sehr gespannt drauf, weil ich das Buch auch sehr schätze.

Eine Bitte. Für Nichtleser könnt Ihr ruhig das nächste Mal ETWAS mehr die Handlung zusammen fassen, das kam diesmal sehr kurz. Eigentlich nur: Zwei Jungs, Kleinstadt, Jahrmarkt, das Böse(tm)..

Falko, Du hast gesagt, dass Du nun sehr ernüchtert warst, ich habe aber eigentlich nicht ganz verstanden warum. NUR, weil Dir der Roman zu nostalgisch verbrämt jetzt vorgekommen ist und gut und böse zu klar verteilt?

Auch hat mich gewundert, dass Ihr nicht zumindest in einem Nebensatz die Verfilmung von 1983 (Disney, nein - kein Zeichentrick!) erwähnt habt, die zu uns nach Deutschland erst später kam (auf TV-Kanälen der zweiten Reihe, meine ich).

Schließlich: Ihr habt dem Film "Freaks" (1932) von Tod Browning etwas Unrecht getan. Lieber nicht über Filme reden, die man nicht (oder ewig nicht mehr) gesehen hat! Bei Euch kommt das so rüber, als wäre der eine Art Jahrmarkt-Freakshow und würde deswegen heute anders rezipiert. Das stimmt aber so einfach nicht. Die Perspektive und die Sympathie des Films gehört nun gerade diesen "Freaks" - und Tod Brownings Film taucht schon mal auf, wenn es um die großen humanistischen Filme des 20. Jahrhunderts geht. Dass damals Menschen mit körperlichen Deformationen als Geisterbahnsubjekte missbraucht wurden, prangert der Film gerade inzidenter an und ist deshalb an Statur über die Jahrzehnte eher noch gewachsen. Auch wenn er ursprünglich mal wohl als entsprechende Horrorfilm-Geisterbahn geplant war und teilweise deshalb auch verboten wurde.
Dringender Tipp: Unbedingt "Freaks" mal nachholen, das ist ein ganz toller Film, die Schlussszene vergisst man sein ganzes Leben nicht und die erhebliche Wirkung entfaltet sich auch heute noch, obwohl von dem Film ja leider nur ein gut einstündiger Torso überliefert ist. Die damals der Zensur und Studioeingriffen zum Opfer gefallenen Szenen sind wohl für immer verschollen.
Ein Film, auf den Eure Beschreibung viel besser passt ist Tobe Hoopers (ja, das ist der Chainsaw- und Poltergeist-Regisseur) "The Funhouse"/"Das Kabinett des Schreckens" von 1980, der auf seine trashige Weise auch sehenswert ist.
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falko
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Re: Folge 37: Das Böse kommt auf leisen Sohlen

Beitrag von falko » Di 4. Feb 2020, 09:50

Ernüchtert, weil er einfach nicht mehr so gewirkt hat wie damals. Den Effekt hatte ich - deutlich geringer allerdings - schon bei unserer Episode über Barker. Ich glaube, es ist eindeutig der Klassiker: it's not you, it's me. Ich lese inzwischen einfach anders.

"Freaks" kam vermutlich im Streiflicht als Film zu schlecht weg, ja. Seine Stellung im Genre ist unbestritten, das hätte ich noch etwas herausheben sollen.
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Oliver Naujoks
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Re: Folge 37: Das Böse kommt auf leisen Sohlen

Beitrag von Oliver Naujoks » Di 4. Feb 2020, 10:21

Und: Ihr habt mich wieder zum Geld ausgeben gebracht. Ray Bradbury hat seinen Roman einmal selbst als Hörspiel adaptiert. Gibt es bei Audible.
https://www.audible.de/pd/Something-Wic ... B06XKS7M32
Zack. Guthaben verballert.
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Ironic Maiden
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Re: Folge 37: Das Böse kommt auf leisen Sohlen

Beitrag von Ironic Maiden » Di 4. Feb 2020, 13:49

Danke für die Folge! Ich habe von Bradbury nichts gelesen. "Something Wicked..." und "Fahrenheit 451" habe ich jeweils angefangen, bin aber nie sehr weit gekommen. Ich glaube, bei ersterem war mir die Sprache zu blumig und beim zweiten die Story irgendwie zu platt, aber vielleicht versuche ich es irgendwann mal wieder.

Sehr interessant fand ich die Anmerkungen zur Veränderung des Kleinstadtsettings im Laufe der Zeit, da sich dies mit der Entwicklung im Horrorfilm deckt. In den fünfziger und frühen sechziger Jahren gab es viele Filme, in denen die Stadt durch äußere Mächte bedroht wird, z.B. "Dorf der Verdammten" oder "Angriff der Körperfresser" und die dann durch tapfere Bürger besiegt werden. Da besteht natürlich auch eine deutliche Parallele zur Angst vor kommunistischer Unterwanderung im Kalten Krieg. Die ersten King-Romane entstehen dann ja parallel zu den ersten Teenie-Slashern, die auch meistens in Kleinstädten spielen. (Es gibt überraschend wenige Slasher in der Großstadt, außer vielleicht sowas wie "Candyman", der aber dann auch mit typischen Großstadtproblemen zu tun hat.) In diesen ist der Killer dann oft ein Auswuchs der Gemeinde selbst bzw. wird durch einen "Sündenfall" der Opfer selbst geschaffen, kommt also aus der Mitte der Gesellschaft. Eigentlich sind diese Parallelentwicklungen kein Wunder, aber ich habe vorher noch nicht wirklich darüber nachgedacht...

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