Folge 41,5: Giganten & Besucher

Hier wird über die aktuelle Folge diskutiert. Und über alle anderen natürlich auch.
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falko
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Folge 41,5: Giganten & Besucher

Beitrag von falko » Mo 13. Apr 2020, 17:54

Überraschung – hier ist eine Bonusfolge. Nach unserem Gespräch über „World War Z“ in Folge 41 haben wir nachgedacht, welche Bücher wir noch kennen, die man als Docu-Fiction klassfizieren kann, und weil uns deren zwei eingefallen sind, reden wir darüber:

Jochen kennt:
Sylvain Neuvel: Giants – Sie sind erwacht
Originalausgabe: Sleeping Giants

Falko kennt:
Whitley Strieber: Die Besucher
Originalausgabe: Communion

Viel Spaß mit der Bonusfolge!

Folge 41,5: Giganten & Besucher
"I must say I find television very educational. The minute somebody turns it on, I go to the library and read a good book." - Groucho Marx

Salvatore2910
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Re: Folge 41,5: Giganten & Besucher

Beitrag von Salvatore2910 » Di 14. Apr 2020, 02:50

Sehr schöne Folge. Es hat mich sehr gefreut euch so überraschend in meinem Podcast Feed zu finden. :D

Ich hab da mal eine eher allgemeine Frage.

Falko hat in der Folge gesagt, dass eine knappe Situation nicht mehr Spannend ist, weil man weis, dass die Person der Situation ja entkommen sein muss. (Sinngemäß)

Nun geht es mit überhaupt nicht so (wie Jochen das ja hat anklingen lassen ihm auch nicht).

Ich persönlich finde solche Geschichten und gerade auch solche Situationen in Geschichten (ein einfaches allgemeines Beispiel wäre,wenn jemand in einer Rückblende dem Tod nur knapp entkommt) trotzdem spannend weil mich einfach das wie(!)interessiert. Also ist die Figur der Situation entkommen.
Dabei ist es nicht schlimm, dass ich den Ausgang kenne denn es ist für mich trotzdem spannend zu erfahren wie es passiert ist und wie sich die Figur in der Situation gefühlt hat usw.

Ist das einfach eine andere Art und Weise Geschichten zu lesen?

Nun würde mich interessieren, warum ist für dich Falko (und gerne auch für andere denen es so geht wie Falko es beschrieben hat) nicht mehr spannende den Hergang einer Situation zu erfahren nur weil das Ergebnis bekannt ist?

Wenn man die Frage überhaupt beantworten kann. 😅

Sollte die Frage besser in einem anderen oder eigenen Thread passen dann verschiebt sie gerne aber ich dachte mir sie passt hier ganz gut, da es ja in der Folge erwähnt wurde. 🙈

Shenmi
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Re: Folge 41,5: Giganten & Besucher

Beitrag von Shenmi » Di 14. Apr 2020, 06:37

Ich habe mich auch sehr gefreut und möchte mich herzlich bedanken.
Beim ersten Nachdenken ist mir persönlich gar kein Buch eingefallen, welches einen dokumentarischen Stil pflegt.
Denn zumindest in Interview Form habe ich so etwas noch nicht gelesen. Hört sich aber für mich ganz spannend an und ich habe dieses "Giants" mal auf meine Merkliste gesetzt.
Wenn man das Ganze etwas weiter fasst, dann würde mir noch ein Buch einfallen, welches ich ebenfalls gern mal von euch besprochen hätte.
Weil es einfach eines der Bücher ist, dass mich in seiner düsteren Wucht am meisten beeindruckt hat. Die Rede ist von Margaret Atwood`s "The handmaids tale"/ "Der Report der Magd".
Warum es durchaus in diese Kategorie gehört, wird erst am Ende offensichtlich, welches ich aber nicht spoilern möchte.
Salvatore2910 hat geschrieben:
Di 14. Apr 2020, 02:50

Falko hat in der Folge gesagt, dass eine knappe Situation nicht mehr Spannend ist, weil man weis, dass die Person der Situation ja entkommen sein muss. (Sinngemäß)

Nun geht es mit überhaupt nicht so (wie Jochen das ja hat anklingen lassen ihm auch nicht).

Ich persönlich finde solche Geschichten und gerade auch solche Situationen in Geschichten (ein einfaches allgemeines Beispiel wäre,wenn jemand in einer Rückblende dem Tod nur knapp entkommt) trotzdem spannend weil mich einfach das wie(!)interessiert. Also ist die Figur der Situation entkommen.
Dabei ist es nicht schlimm, dass ich den Ausgang kenne denn es ist für mich trotzdem spannend zu erfahren wie es passiert ist und wie sich die Figur in der Situation gefühlt hat usw.

Ist das einfach eine andere Art und Weise Geschichten zu lesen?
Mir geht es genauso.
Zum Thema Spoiler hat Wolfgang M. Schmitt vom wunderbaren YouTube Kanal "Filmanalyse" mal ein sehr gutes Videos gemacht.
Das liefert einen sehr intelligenten Blick auf die Spoiler Thematik, inklusive geschichtlicher Bezüge.

https://www.youtube.com/watch?v=hiQEWkCgZxE

Nachtrag: Bei Wolfgang M. Schmitt denke ich irgendwie immer an Jochen.
Die Beiden würde ich gern mal im intellektuellen Widerstreit erleben, dass wäre sicherlich ganz wunderbar.
Vielleicht könnt ihr den ja mal als Gast einladen und dann nochmal über Roman Verfilmungen sprechen. Oder ihr kramt doch nochmal den Ulysses hervor...Gott bewahre. :)

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falko
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Re: Folge 41,5: Giganten & Besucher

Beitrag von falko » Di 14. Apr 2020, 09:44

Salvatore2910 hat geschrieben:
Di 14. Apr 2020, 02:50
Nun würde mich interessieren, warum ist für dich Falko (und gerne auch für andere denen es so geht wie Falko es beschrieben hat) nicht mehr spannende den Hergang einer Situation zu erfahren nur weil das Ergebnis bekannt ist?
Ich glaube, ich war ein wenig unpräzise. Genauer wäre: Wenn ich als Leser schon weiß, dass eine Figur überlebt, muss die Geschichte besonders geschickt und spannend aufgebaut sein, damit ich trotzdem geistig dabeibleibe und nicht die ganze Zeit denke: ich weiß doch, wie's ausgeht. Selbstverständlich sollte das kein Totschlagargument für diese Art von Geschichten sein.

Siehe Camerons "Titanic". Natürlich wissen alle, was in dem Film passiert. Umso geschickter ist es dann, eine Rahmengeschichte mit einer Überlebenden zu bieten. Aus diesem Rahmen wissen wir dann auch, dass ihr Geliebter wahrscheinlich nicht überlebt - aber es ist in den Sequenzen nie so präzise, dass es nicht doch passiert sein könnte. Es geht dann natürlich nicht um das "ob", sondern um das "wie", und schlechte Filme und Bücher verheben sich in meiner Wahrnehmung daran oft. (Ich weiß, es mag jetzt Leute geben, die gerade Titanic als Beispiel dafür heranziehen werden. :D )
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Nimlod
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Re: Folge 41,5: Giganten & Besucher

Beitrag von Nimlod » Di 14. Apr 2020, 14:56

Manche Bücher und Filme schaffen es bei mir sogar, dass sie mich vergessen lassen, was ich eigentlich schon weiß. Sie ziehen mich so in den Bann, dass mir vorherige Information erst wieder in den Sinn kommt, wenn sie erneut angesprochen wird. Das finde ich dann wirklich grandios.

Aber zur Folge, das war in der Tat eine schöne Überraschung. Überhaupt ein ausgezeichneter Podcast-Tag für mich. Erst Andre über Animal Crossing zugehört, dann Schmidt und Lott beim über-alles-mögliche-Reden genossen mit dem Finale einer unerwarteten Kapitel 1 Besprechung. :)

Was mich jetzt noch brennend interessiert: Sagt man "so ein Schmarrn!" (Zitat Löffler) auch in Hessen bzw. Gesamtdeutschland? Ich dachte, das wäre eher so ein bayerisch-österreichisches Ding. Oder breitet sich dieser Ausdruck mitlerweile über die ganze Nation aus? :mrgreen:

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falko
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Re: Folge 41,5: Giganten & Besucher

Beitrag von falko » Di 14. Apr 2020, 15:10

Nimlod hat geschrieben:
Di 14. Apr 2020, 14:56
Was mich jetzt noch brennend interessiert: Sagt man "so ein Schmarrn!" (Zitat Löffler) auch in Hessen bzw. Gesamtdeutschland? Ich dachte, das wäre eher so ein bayerisch-österreichisches Ding. Oder breitet sich dieser Ausdruck mitlerweile über die ganze Nation aus? :mrgreen:
Oh.

Ist mir das rausgerutscht?

ICH MUSS DIE FOLGE EDITIEREN! DAS GEHT JA GAR NICHT!
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Jochen
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Re: Folge 41,5: Giganten & Besucher

Beitrag von Jochen » Di 14. Apr 2020, 15:41

Man nennt ihn auch den Strauß von Schlitz, die Aigner von Alsfeld, den Scheuer von Schwalmtal, den Ramsauer von Romrod.

Salvatore2910
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Re: Folge 41,5: Giganten & Besucher

Beitrag von Salvatore2910 » Di 14. Apr 2020, 15:46

Shenmi hat geschrieben:
Di 14. Apr 2020, 06:37

Mir geht es genauso.
Zum Thema Spoiler hat Wolfgang M. Schmitt vom wunderbaren YouTube Kanal "Filmanalyse" mal ein sehr gutes Videos gemacht.
Das liefert einen sehr intelligenten Blick auf die Spoiler Thematik, inklusive geschichtlicher Bezüge.

https://www.youtube.com/watch?v=hiQEWkCgZxE

Nachtrag: Bei Wolfgang M. Schmitt denke ich irgendwie immer an Jochen.
Die Beiden würde ich gern mal im intellektuellen Widerstreit erleben, dass wäre sicherlich ganz wunderbar.
Vielleicht könnt ihr den ja mal als Gast einladen und dann nochmal über Roman Verfilmungen sprechen. Oder ihr kramt doch nochmal den Ulysses hervor...Gott bewahre. :)
Ok das schaue ich mir bei Gelegenheit mal an, danke für den Tip. 😁👍
falko hat geschrieben:
Di 14. Apr 2020, 09:44
Salvatore2910 hat geschrieben:
Di 14. Apr 2020, 02:50
Nun würde mich interessieren, warum ist für dich Falko (und gerne auch für andere denen es so geht wie Falko es beschrieben hat) nicht mehr spannende den Hergang einer Situation zu erfahren nur weil das Ergebnis bekannt ist?
Ich glaube, ich war ein wenig unpräzise. Genauer wäre: Wenn ich als Leser schon weiß, dass eine Figur überlebt, muss die Geschichte besonders geschickt und spannend aufgebaut sein, damit ich trotzdem geistig dabeibleibe und nicht die ganze Zeit denke: ich weiß doch, wie's ausgeht. Selbstverständlich sollte das kein Totschlagargument für diese Art von Geschichten sein.

Siehe Camerons "Titanic". Natürlich wissen alle, was in dem Film passiert. Umso geschickter ist es dann, eine Rahmengeschichte mit einer Überlebenden zu bieten. Aus diesem Rahmen wissen wir dann auch, dass ihr Geliebter wahrscheinlich nicht überlebt - aber es ist in den Sequenzen nie so präzise, dass es nicht doch passiert sein könnte. Es geht dann natürlich nicht um das "ob", sondern um das "wie", und schlechte Filme und Bücher verheben sich in meiner Wahrnehmung daran oft. (Ich weiß, es mag jetzt Leute geben, die gerade Titanic als Beispiel dafür heranziehen werden. :D )
Gut dann habe ich das vermutlich auch etwas zu absolut verstanden.
Aber mit der Erklärung kann ich was anfangen, danke dir. 😇

Ironic Maiden
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Re: Folge 41,5: Giganten & Besucher

Beitrag von Ironic Maiden » Di 14. Apr 2020, 16:17

Danke für die Folge!
Ich fand die Verwendung des Begriffs "Docu-Fiction" etwas schwammig, vielleicht habe ich aber auch nicht genau genug zugehört... So wie ich das verstanden habe, ging es euch doch um fiktionale Texte, die eine Art Bericht darstellen, der im Einzelfall auch multiperspektivisch erzählt wird.
In dem Zusammenhang gibt es mMn einige interessante Parallelen zu klassischen Krimis. Viele Whodunnits sind ja im Endeffekt eine Serie aus Zeugenaussagen und die wenigen Handlungsschnipsel dazwischen kann man weitgehend vernachlässigen. Insofern könnte man etliche klassische Krimis auch einfach als eine Serie von Interviews präsentieren.

Dazu fällt mir dann rein zufällig (ich habe meine Magisterarbeit über diesen Roman geschrieben...) "Der Monddiamant" (1868) von Wilkie Collins ein. Das ist im Endeffekt eine Sammlung von Berichten rund um den Diebstahl eines sagenhaften Diamanten. Gerade die Menge an verschiedenen Erzählern, die jeweils auch ihre eigenen Theorien, Vorlieben und Marotten haben, mach diesen Roman auch heute noch moderner und lesbarer als manch anderen Schinken aus dem 19. Jahrhundert. Und man könnte den Text damit durchaus als Vorläufer zu modernen Texten aus dem, was ihr "Docu-Fiction" genannt habt, sehen.

Zu dem Thema, dass bei Filmkritiken wenig über die Form geschimpft wird, würde ich gerne noch anmerken, dass die allermeisten Mainstream-Filme ja auch keinerlei Experimente in der Hinsicht eingehen. Found Footage wurde ja als ein Beispiel genannt, aber das hat außerhalb des Horrorgenres nie besondere Relevanz gewonnen, obwohl man ja durchaus z.B. wunderbare Liebesgeschichten in dieser Form erzählen könnte. Ansonsten sind die allermeisten Filme sehr an den Sehgewohnheiten des Publikums orientiert, und die wenigen Experimente finden dann in nischigeren Genres statt und katapultieren den jeweiligen Film auch automatisch aus dem Mainstream raus. (Ein aktuelles Beispiel wäre der - mMn echt mäßige - "The Lighthouse", der in schwarzweiß und einem nahezu quadratischen Format gedreht wurde. Der wird definitiv kein Mainstream-Publikum finden, und die Leute, die sich sowas ansehen, wissen auch sofort, worauf sie sich dabei einlassen.)
Die wenigen mainstreamigeren Filme, die in der Form etwas experimenteller sind, gleichen das dann mMn häufig dadurch aus, dass sie inhaltlich recht konventionelle Geschichten erzählen ("Memento", "1917", "Lola rennt" usw.).

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Re: Folge 41,5: Giganten & Besucher

Beitrag von falko » Di 14. Apr 2020, 16:39

Jochen hat geschrieben:
Di 14. Apr 2020, 15:41
Man nennt ihn auch den Strauß von Schlitz, die Aigner von Alsfeld, den Scheuer von Schwalmtal, den Ramsauer von Romrod.
Da muss ich jetzt aber mal in meiner Funktion als Admin hier eine deutliche Verwarnung aussprechen!
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